Zentralafrikanische Republik

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Zentralafrikanische Republik


Karte der ZAR
Ich verbrachte zwei Jahre (1988-1990) als U.S. Peace Corps Voluntär in der Zentralafrikanischen Republik. Meine offizielle Aufgabe war, im Gymnasium die Mathematik (auf französisch) zu unterrichten, in der kleinen Stadt Kembe, etwa 600 km auf staubiger Lateritbahn östlich von der Hauptstadt Bangui.

Es gibt drei Ziele im Auftrag des Peace Corps:

  1. Wirtschaftliche Entwicklung im Gastgeberland fördern
  2. Amerikanische Kultur und "Werte" mit Bürgern des Gastgeberlandes teilen
  3. Die dort kennengelernte Kultur mit nach Hause bringen und mit anderen amerikanischen Mitbürgern teilen

Ich zweifle daran, auf Dauer vieles Wertvolles in bezug auf das erste Ziel errungen zu haben. Entwicklung ist ein schwieriger Begriff zu bestimmen, ganz zu schweigen davon, sie in die Tat umzusetzen. Manchmals kam es mir vor, daß ich eher Teil des Problems war als Teil der Lösung. Das Peace Corps war nur eine der vielen Entwicklungshelferorganisationen im Lande, und von den meisten war ich nicht besonders beeindruckt. Professionelle Entwicklungshelfer schienen oft mehr Interesse zu zeigen, in ihren glänzenden PKWs überall im Lande umherzureisen als eigentlich etwas Konkretes für die Zentralafrikaner zu schaffen (diesbezüglich eine kleine Satire darüber, was die Entwicklungs-Jet-Set eigentlich machen!)

Das Bildungssystem der ZAR ist eine genaue Kopie des französischen, das den durchaus verschiedenen Bedürfnissen der zentralafrikanischen Gesellschaft nur schlecht anpaßt. Jedes Jahr schafft es nur die Hälfte der Schüler, in die nächste Schulklasse zu gelangen. Die Zurückbleibenden (redoublants auf französisch) wiederholen die gleiche Klasse, und wenn sie noch einmal durchfallen, werden sie dann ausgeschlossen. Selbstverständlich ist die Anzahl von Schülern, die das Abitur bestehen, äußerst gering.

Sowohl meine eigene Unerfahrenheit als Lehrer als auch die folgenden Faktoren haben zur Einschränkung meiner Wirksamkeit beigetragen:

  1. Die offizielle Sprache (französisch) ist nur die dritte Sprache gelernt, und die Kinder hören sie erst in der Schule und nicht zu Hause sprechen, so daß die Schüler streben, die Sprache der Erziehung zu lernen gerade als komplizierte Mathematikbegriffe ihnen in den Hals gestopft werden.
  2. Es ist nicht einfach, Eltern zu überzeugen, daß es wertvoller ist, die Kinder zur Schule gehen als sie den Acker bestellen zu lassen, um Nahrung für die Familie zu kultivieren.
  3. Mädchen bekommen wenig Hochachtung in der zentralafrikanischen Gesellschaft und haben viel mehr Hausarbeit als die Jungen. Hochachtung kommt erst mit der Schwangerschaft, und einige der wenigen Mädchen in meinen Klassen wurden schon mit 13 Jahren schwanger (eine von denen dank dem Sportlehrer). Der stetige Ausfall von Mädchen aus der Schule war deprimierend und unausweichlich.
  4. Alle Beamten, einschließlich die Verwaltung und die Lehrer, werden vom Präsidenten ernannt, und politische (und Stammes-) Beziehungen zählten mehr als Ehrlichkeit und Fähigkeit. Der Gymnasialdirektor war insbesondere schamlos bestechlich. Er erwirkte die Versetzung des Oberstudienrats (dessen einziges Verbrechen es anscheinend war, die für die Schüler bestimmte Nahrung nicht schnell genug zu stehlen). Der Intendant (der einzige Ehrliche) wurde ohne weiteres entlassen, nur weil er sich weigerte, der Verschwörung beizutreten. An diesem Klima haben die Schüler früh erlernt, daß Gutes durch Mogelei und Bestechlichkeit, und nicht durch Fleiß, zu ergattern ist. Die Mathematik ist jedoch nur schrittweise zu erlernen, und das Niveau von Mogelei war fast nicht einzudämmen. Die beim Mogeln erwischten Schüler wurden von der Verwaltung nur deswegen bestraft, weil sie ihre Missetaten vor mir nicht geschickt genug hatten verbergen können. Einmal ist sogar der Oberstudienrat auf frischer Tat ertappt worden, als er versuchte, politisch gutverbundenen Schülern eine Englischprüfung zu verkaufen! (Danach hielten wir die eigenen Prüfungen von der Verwaltung geheim).
  5. Da der Gymnasialdirektor die Nahrung der Schüler am Markt zu seinem Vorteil verkaufte, waren viele der Schüler schlaff und schlect ernährt. Natürlich hatte auch ich Schwierigkeiten, bei der stetigen schwülen 35° Hitze zu konzentrieren.

Das zweite Ziel war einfach: Ich konnte nicht verhindern, meine Kultur mit Zentralafrikanern zu teilen. Ich war in einem Schaufenster, und alle haben sich beauftragt, jede Einzelheit von meinem Leben herauszufinden (und hielten dieses übrigens für ihr Recht). Ich stellte meine Kultur (gut wie schlecht) vortrefflich dargestellt. Im großen und ganzen habe ich versucht, eine ausgeglichene Auffassung von Amerika darzubieten, aber die meisten Volontärs, mich eingeschlossen, sind politisch extrem links orientiert. Um diese liberale Aussichtspunkt auszugleichen, und in starkem Gegensatz dazu, gab es zahlreiche amerikanische Missionsbaptisten dort, allesamt soziale Erzkonservative.

Das dritte Ziel ist der Anlaß für diese Seiten. Sehen Sie sich um, und schicken Sie mir e-mail wenn Sie Fragen oder Kommentare haben. Ich habe ein besonderes Interesse an Zentralafrika und das Peace Corps, ein Programm, daß ich jedem Absolventen amerikanischer Staatsangehörigkeit, der sich das Unerwartete aussucht, ohne Vorbehalt empfehlen kann. Es ist tatsächlich der schwerste Auftrag, den Sie trotzdem lieben lernen!


Ich habe während meines Aufenthalts in Zentralafrika ein paar Photos aufgenommen. Sehen Sie mal meine Photogalerie an!


Zwischen der offiziellen Sprache (französisch) und den ungefähr siebzig gegenseitig unverständlichen Stammesprachen gibt es eine nazionale Sprache, Sango, die überall im Land gesprochen und verstanden wird. Sie ist einfach zu erlernen, hat einen (verhältnismäßig) kleinen Wortschatz, eine durchaus regelmäßige Grammatik, und einen musikalischen Klang.

Lesen Sie weiter über Sango und seien Sie der/die Erste in Ihrer Straße, Sango sprechen zu können!

Hier sind einige Lieder in Sango:


Gucken Sie mal auf die Hauptseite der Freunde der ZAR


Für weitere Informationen über die Zentralafrikanische Republik, folgen Sie diesen Verkettungen zu anderen Quellen:


Ich war Volontär im U.S. Peace Corps in der Zentralafrikanischen Republik 1988-1990, wo ich Mathematik im Gymnasium unterrichtete. Wenn Sie Fragen oder Kommentare über Sango, die ZAR, oder das U.S. Peace Corps haben, bitte schicken Sie mir (Dan Weston) e-mail an ddweston@earthlink.net. Ich sehne mich nach Zentralafrika und rede gerne darüber!

Zuletzt am 31. Mai 1998 erneuert

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