Die Stadt La Paz, eingebettet im Herzen des bolivianischen Altiplano, erlebt eine komplexe und herausfordernde Beziehung zwischen Wasser und Landwirtschaft . Ihre bergige Topografie und tiefe Täler, die ihr einen majestätischen und einzigartigen Charakter verleihen, haben auch die Grenzen und die kreativen Lösungen geprägt, die ihre Bevölkerung entwickelt hat, um die Wasser- und Ernährungssicherheit zu gewährleisten.
LANDWIRTSCHAFT
Wie sieht die Versorgung der Bevölkerung auf 3.600 Meter Höhe aus?
Über 3600 Meter über dem Meeresspiegel, in La Paz, wachsen Pflanzen mehr denn je und benötigen kleinste Mengen Sauerstoff. Vor Hunderten von Jahren entwickelten die Indigenen in La Paz, clevere Anbaumethoden, um die schwierigeren Bedingungen des Hochlands auf extremer Höhe zu überleben. Sie nutzten Terrasen, um den Boden vor Erosion zu schützen, und "Waru Warus", erhöhte Beete mit Wasserkanälen, die die Pflanzen vor Kälte schützen und den Boden fruchtbar machten. Diese Techniken entstanden durch genaue Beobachtung der Natur und wurden über Generationen weitergegeben. Die Indigenen hatten aber die Hilfe von Pachamama (Mutter Erde auf Quechua, Sprache der Inkas) gehabt. Die Pachamama ist den Glaubensvorstellungen der indigenen Völkern Südamerikas wie eine liebevolle Mutter für die Erde, die alles nährt und beschützt.
Auf dem Altiplano, wo die Temperaturen erbarmungslos niedrig sind, bauen die Bauern mit Stolz traditionelle Produkte wie Kartoffeln, Quinoa, Amaranth und Cañahua an. Diese Samen der Pachamama nähren nicht nur die lokalen Gemeinschaften und die Stadtbevölkerung, sondern haben auch einen besonderen Platz in der Welt.
Andererseits, in den "interandinen Tälern" verändert sich die Landschaft: Die tiefergelegenen, wärmeren und fruchtbaren Böden werden für den Anbau von Mais, Früchten wie Pfirsichen, Mandarinen, Trauben und Gemüse, die die Tische von La Paz und El Alto versorgen, genutzt.
Eine ganz andere Szenerie bieten die “Yungas", eine tropische Perle, keine drei Stunden von La Paz entfernt. Diese Region, mit ihren grünen Hügeln, trägt eine landwirtschaftliche Tradition, die Altes und Modernes vereint. Trotz der Herausforderung durch die steile Geographie belohnt das Land hier die Mühe mit unvergleichlichem Reichtum. In der Feuchtigkeit und Wärme der Bergnebelwälder gedeiht das Wachstum von aromatischen Kaffeepflanzen, Kakaoplantagen, saftigen Zitrusfrüchten und der symbolträchtigen Coca. Alles Produkte, die sich auf den (Straßen-)Märkten und Supermärkten von El Alto und La Paz wiederfinden lassen.
Das Cocablatt, ein Symbol in Bolivien, ist nicht nur von zentraler Bedeutung für die Kultur und Wirtschaft des Landes, sondern wird auch in traditionellen Ritualen wie der Coca-Lesung auf dem Hexenmarkt oder der Ceja von El Alto verwendet, um die Zukunft zu deuten und spirituelle Orientierung zu erhalten. Man kann in La Paz eine Coca-Weissagung in der Sagarnaga Strasse machen.
In der Landwirtschaft in La Paz, ist die Verbrennung von Vegetation für die Gewinnung von nutzbaren Landflächen eine gängige Praxis, die "Chaqueo" genannt wird. Das stellt jedoch ein erhebliches Umweltproblem dar, da sie zur Bodendegradation und dem Anstieg der Treibhausgasemissionen und damit zur Luftverschmutzung beiträgt und zudem das Risiko unkontrollierter Brände mit sich bringt. Der Anstieg von Treibhausgasemissionen, führt zu Dürren, die die landwirtschaftliche Produktion beschädigen und den Konsum erschweren. Die neueren Wetterkapriolen und die Gletscherschmelze durch den Klimawandel tun ihr übriges, um die Lebensmittelversorgung der großen Städte zu erschweren.
Dank der regionalen Vielfalt und der Weisheit der traditionellen Methoden beweist die Landwirtschaft auf 3.600 Metern Höhe, wie Mensch und Natur zusammenarbeiten und Wetterextremen trotzen können, um selbst unter extremen Bedingungen erfolgreich zu sein.
Altiplano
interandinen Tälern, Apolobamba
Los Yungas
WASSER
Wasser ist eine essenzielle Ressource für das Leben in La Paz, aber seine nachhaltige Bewirtschaftung erfordert eine Kombination aus technologischen, staatlichen und gemeinschaftlichen Anstrengungen. Die langfristige Versorgungssicherheit hängt von innovativen Lösungen und einem verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Wasserressourcen ab.
Die Wassergewinnung für den menschlichen Verbrauch und die Landwirtschaft hängt von einem komplexen System aus Staudämmen und Wasserreservoirs ab, wie dem Hampaturi-Staudamm, der Regen- und Schmelzwasser sammelt. Die steigende Nachfrage, angetrieben durch das städtische Wachstum und den Druck auf die Ressourcen, hat jedoch zu Episoden der Wasserknappheit geführt, wie der Wasserkrise von 2016, die Tausende von Haushalten in La Paz betraf und Besorgnis über die zukünftige Wasserversorgung auslöste.
Hampaturi - Staudamm
In den letzten zwei Jahrzehnten hat Bolivien bedeutende Fortschritte beim Zugang zur Wasserversorgung gemacht. Es wurden zahlreiche neue Stauseen angelegt und auch die traditionelle Methode der Inka zur Wasserversickerung wurde wiederentdeckt. Dennoch ist die Qualität dieser Dienstleistungen weiterhin unzureichend, insbesondere für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Rund 86% der Gesamtbevölkerung haben Zugang zu Trinkwasser, während dieser Anteil in ländlichen Gebieten nur 67% beträgt. Gleichzeitig werden lediglich 27 % der Abwässer behandelt. Dies führt zu einer erheblichen Verschmutzung von Wasser und anderen natürlichen Ressourcen sowie zu Gesundheitsproblemen für die Bevölkerung.
Die Städte La Paz und El Alto beziehen ihr Wasser aus acht Wassereinzugsgebieten: Codoriri, Tuni, Huayna Potosí, Milluni, Choqueyapu, Incachaca und Hampaturi. Die Hauptwasserversorgung erfolgt durch die Stauseen Pampahasi, Achachicala, El Alto und Tilata. In dieser Region hängt die Wiederauffüllung der Wasservorräte hauptsächlich von Regenfällen ab, die die Dämme speisen. Diese Dämme liegen oft am Fuße der Gletscher, deren Schmelzwasser ebenfalls genutzt wird.
Eine der größten aktuellen Herausforderungen in La Paz ist die Abwasserbewirtschaftung. Um der Wasserknappheit zu begegnen, hat die Stadt Projekte zur Abwasseraufbereitung für die landwirtschaftliche Bewässerung vorangetrieben. Obwohl diese Maßnahmen den Anbau in periurbanen Gebieten ermöglichen, stehen ihrer Umsetzung technologische und regulatorische Einschränkungen entgegen, die eine sichere und nachhaltige Nutzung erschweren. Die Landwirte müssen die Vorteile der konstanten Verfügbarkeit von aufbereitetem Wasser gegen potenzielle Gesundheits- und Umweltrisiken abwägen. Aktuell verfügt La Paz über keine zentrale Kläranlage (PTAR), wodurch häusliche und industrielle Abwässer unbehandelt in den Fluss Choqueyapu geleitet werden. Dies führt dazu, dass Gemeinden wie Mecapaca Abwässer der Stadt erhalten, darunter Krankenhausabfälle, Giftstoffe, Schlachtabfälle sowie Grauwasser und Schwarzwasser. Diese Situation stellt ein erhebliches Risiko für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit dar. Es besteht daher ein dringender Bedarf an der Entwicklung und Umsetzung von Strategien für ein integriertes Wasserressourcenmanagement, um die Verschmutzung zu verhindern, eine Übernutzung zu vermeiden und eine angemessene Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen sicherzustellen.
El Alto strebt die Modernisierung und Erweiterung der bestehenden Infrastruktur zur Abwasserbehandlung an, um die Verschmutzung des Flussbeckens des Río Katari zu verringern. Aus diesem Grund wurde das Projekt zur Verbesserung und Erweiterung der Kläranlage (PTAR) Puchukollo durchgeführt. Es ist Teil der nationalen Bemühungen, die Grundversorgung mit Abwasserentsorgung zu verbessern und die Wasserressourcen in Bolivien zu schützen.
Planta de Tratamiento de Aguas Residuales (PTAR) Puchukollo - El Alto, http://....
Wasserdämme in La Paz und ihre Kapazität:
El Alto, Viacha, Tiahuanacu, Achacachi, Pucarani, Cohana und Ancoraimes beziehen ihr Wasser aus dem Titicacasee. Andere Städte wie Nazacara, Sorata, Desaguadero, Luribay, Colquiri, Chulumani, Coroico, Copacabana und Caranavi sind auf lokale Flüsse angewiesen.
Die Trinkwasserversorgung wird größtenteils von Unternehmen wie EPSAS (Empresa Pública Social de Agua y Saneamiento) verwaltet. Dennoch haben höher gelegene Viertel häufig Schwierigkeiten beim Zugang zu Wasser und müssen auf unregulierte Quellen wie natürliche Quellen oder mobile Wassertanks zurückgreifen, was die Wasserqualität negativ beeinflusst.
Die Mondinsel
Die Mondinsel ist ein Ort von großem, natürlichem und kulturellem Wert. In den letzten Jahren ist sie jedoch zunehmend von Umweltverschmutzung durch die Ansammlung fester Abfälle betroffen. Der Mangel an angemessenem Abfallmanagement wirkt sich direkt negativ auf das Ökosystem aus und beeinträchtigt sowohl die Biodiversität als auch die Lebensqualität der lokalen Gemeinschaft.
Die Gewässer des Titicacasees haben sich allmählich in ein Auffangbecken für Abfälle verwandelt. Tag für Tag gefährdet die Verschmutzung durch feste Abfälle die Tierwelt des Sees, was zum Aussterben verschiedener einheimischer Fischarten führt. Dies ist auf das Fehlen von Umweltbildung und die mangelnde Förderung von Umweltpolitik durch die Gemeinde Copacabana zurückzuführen.
Zudem verfügen die Bewohner der Insel über keine Kläranlage und sind gezwungen, das Wasser des Sees zu trinken. Das bedeutet, dass nicht nur Fische und andere Arten betroffen sind, sondern auch die Bevölkerung selbst, die aus verschiedenen Familien besteht. Der Trinkwasserkonsum und die Fischproduktion sind stark durch dieses Missmanagement gefährdet.
Das Projekt Phaxsi setzt sich auf der Mondinsel im Titicacasee für sauberes Trinkwasser ein, indem es günstige Wasserfilter verteilt und die Bevölkerung in nachhaltigem Umgang mit Wasser schult.