Aus den griffbrettlosen Psalterien entwickelten sich 1880 die Gitarrenzithern sowie die Manual –und Tastenzithern. Mit diesen Instrumenten wurde vielerorts der Forderung nach einfach und problemlos – wenn möglich ohne Notenkenntnisse – zu erlernenden, preiswerten und vielfältig nutzbaren „Volksinstrumenten“ Rechnung getragen. Die Fertigung erfolgte industriell und die große Nachfrage animierte die Instrumentenindustrie zu unzähligen Neuentwicklungen mit wohlklingenden Namen, die allerdings eher irreführend sind.
Die Erfindungen in diesem Bereich der griffbrettlosen Zithern teilten sich in drei Richtungen: In Zithern nur mit Melodiesaiten, in Zithern nur mit Akkorden als reines Begleitinstrument und in Zithern, die eine Kombination aus den beiden vorangegangenen Arten darstellte. Diese letzteren werden heute (nicht ganz korrekt) als Akkordzithern aber auch als Gitarren- / Gitarr-/ Guitarre-Zithern bezeichnet. Die Namensgebung orientierte sich hierbei weniger an der Bauart als an dem Klang, den man mit dem Instrument erreichte bzw. erreichen wollte.
Harpeleik
Akkordzither
Eigens für die Akkordzithern wurden von Theodor Meinhold 1891 Unterleg-Notenblätter erfunden, die dem notenunkundigen Nutzer das Abspielen von Melodien ermöglichten.
1894 wurde dem Berliner Friedrich Menzenhauer eine „Gitarr-Zither“ patentiert, die u.a. von der Firma Oscar Schmidt (Menzenhauer& Schmidt) in Berlin, aber auch in New Jersey USA hergestellt wurde.
Eine Variante stellte die Verdoppelung der Melodiesaiten nach Mandolinen-Vorbild dar, die so genannte „Mandolin-Gitarr-Zither“
1900 wurde dem Markneukirchener Max Kleiber eine Lyra-Zither patentiert, eine Guitarre-Zitter mit zwei durch Säulen verbundene Harfenköpfen.
Ebenfalls zur Gruppe der griffbrettlosen Kastenzithern gehören die Violinenzithern, auch Violinenharfen genannt. Hierbei streicht man die speziell angeordneten Melodiesaiten mit einem ca. 50 cm langen Geigenbogen, wodurch man den Klang der Violine erzielt.
Violinenzither
Ein weiterer führender Anbieter dieser ausschließlich industriell produzierten Zithern Ende der dreißiger Jahre war die Firma Meinel & Herold aus Klingenthal/Vogtland.
Die Tradition des Zitherbaues wurde auch nach dem 2. Weltkrieg in dieser Region fortgesetzt. So wurden z.B. Akkordzithern u.a. unter der Marke Musima 1953-1990 vom VEB Musikinstrumentebau Kombinat Markneukirchen im Vogtland produziert. Und auch die Marke Jubeltöne kommt aus dieser Region.
Eine Firma, die noch heute Akkordzithern in Klingenthal herstellt ist die 1901 gegründete Firma Carl Robert Hopf.
Der Vertrieb der Zithern erfolgte u.a. über Handelsvertreter, die die Zithern unter eigenem Label vertrieben.
So vertrieb z.B. Max Lausmann die Zithern der Firma Hopf unter dem Label Max Lausmann, Hopf’s Jubelklänge und Jubeltöne.
Gebaut werden heute Akkordzithern üblicherweise mit 5 und 6 Akkorden und 21 bzw. 25 Melodiesaiten. Es werden aber durchaus auch Zithern mit 9 bis 20 Akkorden hergestellt.
Über die Jahre sind die Griffbrettlosen Zithern immer weiter in Vergessenheit geraten, bis Ende der 1980-iger Jahre Hermann Veeh die erste Veeh-Harfe für seinen mit Down-Syndrom geborenen Sohn baute. ...