...gibt es verdammt viel zu entdecken. Von allen Arten der Fotografie hat mich besonders die sogenannte "Streetphotography", also die Straßenfotografie, in den Bann gezogen. Warum das so ist, habe ich bereits in meinem anderen Blog thematisiert. Damit Ihr nicht dem Link folgen müßt, hier ein Auszug von dem, was ich bereits zu dem Thema verfaßt habe.
"Das meiner Meinung nach herausragende Element an der Straßenfotografie ist der Umstand, daß die dort entstehenden Bilder eigentlich nichts Ungewöhnliches zeigen. Meist sind es lebensnahe Szenen. Abschnitte, die in dem Bruchteil einer Sekunde die Zeit einfrieren, und den Augenblick konservieren. Optische Eindrücke, die sich bei jedem von uns tagtäglich auf die Netzhaut brennen, und doch so schnell vergessen werden, wie sie erschienen sind. Die Kunst bei der Streetphotography ist es, das Besondere an dem Profanen zu sehen, und es für andere sichtbar zu machen. Für mich hat das etwas Magisches!
Wenn man sich diesem Hobby annähert, sich ausprobiert, seine Technik verfeinert, und sich weiterentwickelt, verändert sich der eigene Blick auf seine Umwelt. Man sieht Dinge anders. Oft, wenn ich ohne Kamera unterwegs bin, entdecke ich nicht selten Motive, die es wert gewesen wären, hier und jetzt, in diesem Augenblick, von mir verewigt zu werden. Doch, auch wenn jede Sekunde unwiederbringbar verloren geht, gibt es trotzdem keinen Grund, traurig zu sein. Denn, man weiß nun, daß die verrückte Welt einem aufmerksamen Beobachter mit dem neuen Wissen Millionen neuer Motive schenkt, die alle nur darauf warten, entdeckt zu werden.
Mit dem Fotoapparat durch seine Umgebung zu schlendern hat etwas von einer Schatzsuche. Und wenn man zu Hause sein Netz voller in Bildern festgehaltener Zeitabschnitte aus dem Wasser zieht, ist es jedes Mal erneut spannend, welchen Fang man an diesem Tag eingeholt hat."
Ich denke, daß beschreibt den Reiz, den diese Art der Fotografie auf mich ausübt - und dabei bin ich nicht der Einzige. Es gibt unzählige Fotografen, die dieser Art der Darstellung verfallen sind, und unzählige Menschen, die diese Bilder verschlingen.
Eher durch Zufall habe ich von dem berühmter Streetphotographer Joel Meyerowitz folgendes Zitat in einem der vielen Youtube-Videos, die sich mit dem Thema befassen, gefunden:
Ich finde, besser hätte man es nicht ausdrücken können.
Hier folgend zeige ich Euch einige Bilder, die ich im besten Sinne der berühmtesten Straßenfotografen aufgenommen habe. Bitte habt jedoch ein wenig Nachsicht mit mir. Ich bin noch ein blutiger Anfänger, und muß erst meinen eigenen Stil finden. Auch, wenn ich ältere Bilder von mir bereits mit einem anderen Blick betrachte, als noch vor einigen Jahren, so möchte ich nachfolgend einige der Bilder zeigen, die ich bis dato für gelungen halte, und die mir aus manchmal unbekannten Grund, besonders gut gefallen.
Als ich mit der SF begonnen habe, fand ich es anfänglich komisch, mit einem Fotoapparat in der Stadt herum zu schlendern, und, für andere Passanten vermutlich verwunderlich, unspezifische Dinge zu fotografieren. Ich habe mich deshalb viel auf Architektur, Strukturen, und Farben fokusiert. Ich wollte jedoch mehr. Menschen mußten ins Bild. Gerade hier in Deutschland sind die Leute jedoch sehr sensibel, was gerade für SF ein Hemmnis ist. Die Lösung, die auch oft von erfahrenen Fotografen vorgeschlagen wird, sind Aufnahmen von Menschen "ohne Gesicht". Also von hinten fotografiert, oder in Ausschnitten. Dieses Bild, daß ich an einem herbstlich grauen Tag in Landsberg am Lech aufgenommen habe, ist ein gute Beispiel dafür, wie man einen Menschen aufnehmen kann, ohne ihn jedoch persönlich erkennbar zu zeigen.
Das reizvolle an der Aufnahme finde ich neben dem unscharfen Radfahrer die etwas heruntergekommene Jalousie im Hintergrund, und das Spiegelbild des Radfahrers im Fenster hinter ihm.
Als Einsteiger bekommt man oft das Gefühl vermittelt, wahre Streetphotography muß immer in schwarzweiß aufgenommen werden. Zwar haben Fotos in Grautönen ihren ganz besonderen reiz. Manche Szenen aber wirken farbig am besten. Ein solches Beispiel dafür ist dieser Shot einer Szene, die ich in Memmingen aufgenommen habe, und die ich in vielerlei Hinsicht für gelungen erachte.
Ein wichtiges Element dieses Fotos ist der rote Sonnenschirm, der einem, schon fast ungewollt, direkt ins Auge springt, und den Vordergrund des Bildes prägt. Nach hinten abgestuft erkennt man dann den Mann an der Ziegelwand, der gebannt auf sein Smartphone blickt, oder auch das wunderschön blaue Straßenschild über ihm, daß sich auffällig von der grauen Hauswand abhebt. All diese Nuancen des Bildes würden vermutlich in schwarzweiß nicht so zur Geltung kommen, weswegen Farbe bei manchen Bildern einfach ein "muß" für mich sind.
Ja, es stimmt: Viele Streetphotos sind in den urbanen Dschungeln unserer Großstädte aufgenommen worden. Die Möglichkeiten, die sich dort bieten, originelle Motive zu finden, scheinen nahezu unbegrenzt. Es muß jedoch nicht immer die große Stadt sein, die einen mit einer Vielzahl an guten Szenen belohnt. Auch auf dem Land, in Dörfern, oder bei Familienfeiern kann man genug Motive entdecken, die es Wert sind, aufgenommen zu werden.
Das nebenstehende Bild habe ich bei einem Ausflug mit einem meiner Bikes aufgenommen. Durch das Treppengeländer im Vordergrund hat das Bild genug Tiefe, und zeigt dem Betrachter das Motorrad so, als hätte er es gerade beim Zubinden seiner Schuhe entdeckt. Ist man kreativ genug, findet sich immer ein guter Schuß, der einem mit einem außergewöhnlichen Foto belohnt.
Das nebenstehende Bild wurde von überraschend vielen Usern auf Flickr als Favorit vermerkt. Der Grund hierfür wird wohl eine gelungene Bildkompositon sein, die mir beim Aufnehmen der Fotos jedoch noch gar nicht klar war.
Durch Turorials wird man als angehender SF auf Regeln für eine gute Bildkompositon hingewiesen, wie "the rules of thirds", oder "guiding lines", welche dafür Sorge tragen, daß ein Foto in sich stimmig ist, und nicht als eine Anordnung von zusammenhanglosen Dingen wahrgenommen wird.
Bei dem hier gezeigten Bild fällt vor allem das Verkehrschild rechts ins Augen, daß die Baustelle des links dahinter befindlichen, alten Gasthofs erklärt. Aufgenommen habe ich das Foto, als ich mit dem Motorrad eine kleine Tour durch meine unmittelbare Nachbarschaft machte, und dabei dieses Haus entdeckte.
Was fasziniert an Bildern, wie dem obigen? Gerade, wenn Fotos wie dieses an einem herbstlichen Tag im Oktober aufgenommen worden sind, erinnern sie an die Vergänglichkeit.
Bot die Bank im Sommer bei Sonnenschein noch etlichen Spaziergängern einen Platz zur Rast, so scheint sie nun unbeachtet, und verlassen auf dem feuchten, klammen Waldboden zu stehen.
Vergessen, zurückgelassen, und einsam.
Manche Fotos erstaunen - und daß, obwohl auf ihnen augenscheinlich nichts Besonderes zu sehen ist. Eine gute Bildkomposition sorgt dafür, daß das Auge des Betrachters an einem Foto hängen bleibt. So geht es mir, wenn ich dieses frühe Foto von mir betrachte, daß ich an einem hellen Frühlingstag in Kaufbeuren aufgenommen habe.
Zuerst fällt der Zick-Zack der Straßenbeschriftung in das Blickfeld, bevor man im Hintergrund den Mann entdeckt. Warum er sich da wohl versteckt hat?