Wie würdet Ihr den Begriff Portraitfoto am besten bescheiben? Gar nicht so einfach, findet Ihr nicht?
Als blutiger Amateur hatte ich bei Portraitfotografie immer ein bestimmtes Bild im Kopf: Ein Menschen steht/sitz/posiert in einem Fotostudio, und wird frontal von einen Fotografen aufgenommen. Das es bei Portraits, oder auch Porträts, jedoch darum geht, das Wesen eines Menschen, seinen Charakter, oder seine Gefühlslage herauszuarbeiten, und daß das auch in vielen anderen Situationen möglich ist, war mir bisher nicht bewußt. Im Grunde genommen kann dies somit auch ein Teil der Streetphotography sein, die jedoch für den Fotografen, und für die zu fotografierende Person eine besondere Herausforderung bedeutet. Interessant finde ich es gerade deswegen.
Es war eher Zufall, das ich diesen Shot absetzen konnte. Eigentlich war ich auf dem Hohenpeißenberg damit beschäftigt, Menschen, welche die schöne Aussicht ins Tal an diesem sonnigen Sommertag genossen, unbehelligt von hinten zu fotografieren. Das sich Tobias dabei umgedreht hat, als ich den Auslöser drückte, und er mich auf das Bild ansprach, war eine glückliche Fügung des Schicksals. Aktiv angesprochen hätte ich den jungen Mann nicht. Ich zeigte ihm das Foto, und es gefiel im so gut, daß er mir erlaubt hat, es zu verwenden. Bei Flickr habe ich diesem Bild deswegen den Namen "Thanx to Tobi" gegeben. Ich muß zugeben, daß mich dieses Erlebnis zuversichtlich stimmt. Ich möchte zukünftig gerne öfter Unbekannte um ein Bild von sich ansprechen, und freue mich schon auf die Menschen, die ich so kennenlernen werde.
Ganz spontan, unvorbereitet, und dementsprechend aufgeregt habe ich diese beiden Bilder aufgenommen. Folglich schlecht ist leider die Qualität dieser Fotos.
An dem Tag war ich in Augsburg unterwegs, und habe bei einem Zwischenstopp am Rathausplatz meine Bedenken, fremde Personen einfach anzusprechen, über Bord geworfen. Die beiden sehr freundlichen Damen haben sich dazu bereit erklärt, mir für ein Portrait zur Verfügung zu stehen. Dummerweise habe ich meine Kamera für die Aufnahme in dem dunklen Raum nicht entsprechend eingestellt. Der hohe Isowert verrauscht die Fotos erheblich, was man im vergrößerten Zustand gut erkennen kann.
Auch, wenn die Bilder nicht so geworden sind, wie ich es erhoffte, freut es mich dennoch. Denn, ich habe mich getraut! Ich hatte den Mut, jemanden um ein Bild zu bitten. Damit habe ich den Stein dafür ins rollen gebracht, zukünftig auch andere, mir völlig fremde Personen anzusprechen, und diese im besten Fall abzulichten. Denn, wie sonst sollte man sich als Fotograf weiterentwickeln, wenn man nicht übt?