Gleich in der Nähe des Altars befindet sich die Kanzel. Sie besteht in der Regel aus einem Kanzelfuß (außer beim Kanzelaltar), dem Kanzelkorb, dem Kanzeldeckel (Schalldeckel) und dem Kanzelaufgang.
Der Kanzelkorb – meist achteckig mit fünf sichtbaren Seiten, im Rokoko auch rund wie eine “Bütt” – weist häufig mit seinen Darstellungen von Christus als dem Retter und den Evangelisten auf den Inhalt der Predigt hin. An der Unterseite des Kanzeldeckels schwebt fast immer der Heilige Geist in Gestalt der Taube auf die Predigerin bzw. den Prediger herab. Oft fordern Schriftbänder an Kanzelkorb oder -deckel zum Hören auf das Wort Gottes auf.11
Die vier Evangelisten sind in fast allen Kirchen zu sehen. Meist haben sie ein Buch und eine Schreibfeder in den Händen. Ab dem 4. Jahrhundert werden die vier Evangelisten auch durch Evangelistensymbole dargestellt. Dabei versinnbildlicht meist ein Mensch (oder Engel) Matthäus, ein Löwe Markus, ein Stier Lukas und ein Adler Johannes.
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Zwischen dem Löwen und dem Stier entdeckt ihr die Zeichen, die ihr am Grab gesehen habt. Merkt euch die Kombination aus drei Buchstaben, die ihr im Feld darunter seht. Sie wird euch noch von Nutzen sein.
💡 Zusatzinformation:
Das Wort “Kanzel” kommt vom lateinischen bzw. italienischen “cancelli”, auf Deutsch “Gitter, Schranken”. Bis ins Mittelalter war das Lesepult (Ambo) als Ort der Predigt im Chorraum nahe der Chorschranken aufgestellt, die diesen von der Gemeinde abtrennten. Die erhöhte Kanzel ist eine Erfindung des Predigerordens im 13. Jahrhundert. Je mehr Bedeutung die Predigt bekam, umso mehr wurden die Kanzeln künstlerisch ausgestaltet. Sie haben ihren Ort an einer Säule im Kirchenschiff (noch heute z.T. mit umklappbaren Rückenlehnen im vordernen Gestühl) oder am Chorbogen. Beim Kanzelaltar ist die Kanzel in den Altaraufbau (Retabel) oder in die Altarwand integriert. Luther bevorzugte die Stellung am Chorbogen, weswegen auch in der Barockzeit manche an diesem Ort festhielten und den Kanzelaltar ablehnten. Die Kanzel wird auch als “Predigtstuhl” bezeichnet. In manchen Traditionen erfolgte die Predigt im Sitzen von einem Stuhl aus.11
Die Evangelisten: In mittelalterlichen Darstellungen tragen alle Flügel, auch Löwe und Stier. Sie sind Himmelsboten und bringen die gute Nachricht (Evangelium) zu den Menschen. Das Zeichen des Matthäus war ursprünglich ein Mensch. Er durfte die Flügel behalten und wurde zum Engel, der dem Evangelisten das Tintenfass hält oder ihm die Worte ins Ohr flüstert. In den Jahrhunderten nach der Reformation tragen die Evangelisten meist keinen Heiligenschein. Sie sind Boten und verkünden die Botschaft von Jesus Christus, dem Heil der Welt. Oft flankieren sie ihn auf dem Kanzelkorb. Auf ihren Büchern sind manchmal wichtige Verse aus ihrem Evangelium zu lesen.12
Matthäus mit Engel
Markus mit Löwe
Lukas mit Stier
Johannes mit Adler
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