Ziel: Unterrichtsthema bestimmen, vertiefte Auseinandersetzung mit der Situation, der Sache und deren Bedeutung.
In der Planungsphase Klären geht es darum, ein Thema zu bestimmen, möglichst angemessen Informationen zusammenzutragen und grundlegende Fragen zu klären. Dieser Planungsprozess orientiert sich an der Situations- und, Sachanalyse sowie der Didaktischen Analyse.
Das Fachverständnis der Lehrperson bildet die Grundalge für die Planung des Unterrichts. Das Fachverständnis sollte also vorgängig geklärt worden sein .
Am Anfang der Planung steht die Wahl des Themas. Ausschlaggebend können zahlreiche Faktoren sein. Für das Textile und Technische Gestalten gibt es keinen verbindlichen Inhaltskatalog. Nach LP21 geht «die Planung eines Unterrichtsvorhabens […] von der Lebenswelt, den Interessen und dem Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aus. Ausgehend von den Themenfeldern Spiel/Freizeit, Kleidung/Mode, Bau/Wohnbereich, Mechanik/Transport und Energie/Elektrizität planen Lehrpersonen konkrete Lernumgebungen und Unterrichtsvorhaben, in denen Schülerinnen und Schüler handwerkliche und gestalterische Fertigkeiten, Wissen und Haltungen erwerben. Themenfelder beinhalten gesellschaftlich bedeutsame Themen aus Design und Technik, die über das Handeln, das Herstellen und das Reflektieren erschlossen werden» (LP21 TTG, Didaktische Hinweise).
Weitere Faktoren, welche die Themenwahl beeinflussen
• Lehrmittel, Unterrichtsmaterialien
• Produkte, Materialien, Verfahren, Kontexte
• Schule: Jahresthemen, Anlässe
• Lehrperson: Fachverständnis, Interessen, Können
• Klasse: Stufe, Niveau
• Schüler:innen: Lebenswelt, Vorwissen, Können
• Gesellschaftliche Themen, Trends
• Vorgaben: Abmachungen, Praktikum, Studium, Zyklusplanung
Themenvorschläge entlang der Themenfelder LP21
Spiel/Freizeit: Sport, Gruppenspiel, Pausenplatz, Geschicklichkeit, Draussen unterwegs, Feuer und Flamme.
Mode/Bekleidung: Tragen, Transportieren, Schützen, Identität, Textilindustrie, Sport, Sommer.
Bau/Wohnbereich: Ordnung, Arbeitsplatz, Licht/Leuchten, Kleinmöbel, Sitzen, Chillen, Wohlfühlen.
Mechanik/Transport: Fliegen, Automat, Mechanik.
Elektrizität/Energie: Lichtspiel, Robotik, Physical Computing, Sonne, Wind.
Weitere Vorschläge finden sich im Ideenkatalog von TuD: https://www.tud.ch/ideenkatalog/
Mögliches Vorgehen
Vorerst kann ein übergeordnetes Thema oder auch ein Themenfeld gewählt werden. Unter Einbezug der weiteren Klärungspunkte wird das Thema geschärft. Wenn die Wahl von Themenfeld und Thema in einer vorläufigen Form getroffen ist, kann ein Arbeitstitel gesetzt und erste Überlegungen diskutiert und notiert werden. Falls nicht: Die Themenvorschläge und oben genannten Punkte, insbesondere Lehrmittel, können helfen, ein Thema zu finden. Auch ein Gespräch mit einer TTG-Lehrperson, ein Museumsbesuch oder bereits vorhandene Materialien können inspirieren.
Bevor ein Thema definitiv festgelegt wird, ist es sinnvoll, mit involvierten Personen (Lehrpersonen, Dozierenden …) Rücksprache zu nehmen.
Ziel der Situationsanalyse ist es, Bedingungen bezüglich der Schulsituation zu klären. Dazu gehören beispielsweise Räume und Infrastruktur, Zusammensetzung der Klasse, Vorkenntnisse und Erfahrungen. Im TTG wird ein besonderer Fokus auf das Klären der Infrastruktur und vorhandenen Materialien gelegt.
Klärungspunkte Situation
Klasse
Wie gross ist die Gruppe und wie ist diese zusammengesetzt (Heterogenität z.B. in Bezug auf Niveau, Gender, Herkunft, Sprache)? Welche Klassenregeln hat die Gruppe? Welche Routinen sind etabliert? Wie ist die Motivation im Fach?
Fachrelevante Voraussetzungen
Welche Lern- und Arbeitsstrategien sind erprobt? Welches Vorwissen und welche Präkonzepte bringen sie mit? Wie ist das Interesse? Über welche Fach-, Medien-, Selbst- und Sozialkompetenzen verfügen die Lernenden? Welche Themenfelder und Kompetenzen wurden bereits erarbeitet? Welche Verfahren und Methoden sind bekannt? In welcher Weise wurde bisher entlang des Designprozesses gearbeitet?
Infrastruktur / Material
Welche Materialien, Medien, Lehrmittel, Maschinen und Werkzeuge stehen zur Verfügung? Wie sind diese geordnet, wo sind sie zu finden? Braucht es Reservationen (z.B. für Computer?). Was muss beschafft werden?
Sicherheit
Welche Maschinen, Werkzeuge und Geräte dürfen von den Lernenden selbständig, unter Aufsicht oder in keinem Fall bedient werden? Gibt es eine Sichtverbindung zu den Maschinenräumen?
Räumliche Situation
Liegen Holz-, Metall- und Textilraum nebeneinander? Wo sind Lagermöglichkeiten für SuS-Arbeiten? Gibt es einen Aussenraum? Ausstellungsmöglichkeiten?
Budget
Wie hoch ist das Budget?
Anmerkung: Eine verbindliche Angabe zum Budget im Kanton Bern zum TTG gibt es nicht, weil dies in der Verantwortung der Schulgemeinde liegt. Als Richtwert für einen Materialkredit können folgende Annahmen für ein Schuljahr getroffen werden: 7. Klassen 70.-, 8. Klassen 80.-, 9. Klassen 90.- und 100.- Pauschale pro Klasse.
Fächer- und klassenübergreifende Themen
Gibt es einen Stoffplan? Welche für Fragen sind in der Schule aktuell? Gibt es im Schulhaus ein Jahresthema? Gibt es regionale Besonderheiten?
Dokumentation
Welche Möglichkeiten zum Dokumentieren des Designprozesses stehen zur Verfügung? Welche Methoden kennen die Schüler:innen?
(Schul-)Team
Welche weiteren Personen sind bei dieser Schüler:innengruppe involviert? Z.B. Teamteaching, Heilpädagog:innen, DaZ-Lehrpersonen, Klassenassistenzen, Fachteams.
Zeitliche Vorgaben
Wie ist der Stundenplan? Welches Zeitfenster steht für das Unterrichtsvorhaben zur Verfügung? Wann ist der Notenschluss? Welche Termine (z.B. Ausfälle) sind bekannt?
Mögliches Vorgehen
Tragen Sie die nötigen Informationen zusammen und halten Sie diese in Stichworten fest. Bei Unklarheiten können Annahmen zu den Voraussetzungen getroffen werden. Diese können später angepasst werden. Umstände beachten (z.B. fehlende Infrastruktur), die eine Umsetzung des geplanten Vorhabens verunmöglichen.
Die Sachanalyse zielt darauf ab, das eigene Wissen und Können zu klären, zu erweitern, zu ordnen und strukturiert festzuhalten. Die Inhalte sollen sich dabei am Lehrplan orientieren. Im TTG sind praktische Erprobungen zentral. Weiter werden Lehrmittel/Unterrichtsmaterialien/Medien/Bilder konsultiert und deren relevanten Inhalte geordnet.
Klärungspunkte Sachanalyse
Lehrplanbezug
Welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen bieten sich als Anknüpfungspunkte an? Welche Querbezüge zu anderen Fachbereichen und überfachlichen Kompetenz sind möglich? Können Bezüge zu den LP21-Modulen «Medien und Informatik» oder «Berufliche Orientierung» hergestellt werden? Welche Leitideen der «Nachhaltigen Entwicklung» können aufgegriffen werden?
Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien
Worauf kann zugegriffen werden? Welche Absicht liegt dem Unterrichtsvorhaben, den Lernmaterialien zugrunde? Wie sind die Lehrmittel durch den Designprozess strukturiert? Wie sind die Aufgaben ausgestaltet? Welche Methoden werden eingesetzt?
Wissen (Theoretische Auseinandersetzung)
Welches Wissen ist vorhanden, was muss aufgefrischt oder erweitert werden? Welche Kontexte eröffnen sich mit dem Thema? Wie sieht ein mögliches Produkt aus? Welche Varianten gibt es? Welche Anleitungen/Tutorials gibt es? Welches Wissen zu den Themenaspekten Funktion, Konstruktion, Gestaltungselemente, Material, Verfahren, Werkzeug und Maschinen ist bekannt, respektive muss erarbeitet werden?
Können (Praktische Erprobung)
Welche technologischen und gestalterischen Auseinandersetzungen verlangt das Produkt? Welche Eigenschaften haben bestimmte Materialien? Wie können sie bearbeitet werden? Welche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen sich? Welche Stolpersteine werden erkannt? Welche alternativen Vorgehensweisen sind möglich? Was muss nach Anleitung umgesetzt werden? Wo können eigene Lösungen entwickelt werden? Wo ergeben sich Möglichkeiten für eine Analyse oder ein Experiment? Wo wird ein Lehrgang benötigt? Welche Differenzierungsmöglichkeiten ergeben sich?
Mögliches Vorgehen
Nicht alle Aspekte müssen/können von Beginn an geklärt sein. Ein erweitertes Verständnis zu den Kontexten und den Produkten hilft, um Inhalte und Aufgaben auszuwählen. Sind Inhalte bestimmt, Entscheiden kann man sich gezielt in relevante Aspekte vertiefen. Je offener eine Aufgabe, desto breiter muss das Wissen und Können der Lehrperson sein (vgl. Fraefel 2023).
Die Recherche in Lehrmitteln und Unterrichtsmaterialien eröffnet ein Verständnis für mögliche Aufgaben und zeigt gleichzeitig auf, welches Wissen und Können benötigt wird. Weiter finden sich in den didaktischen Kommentaren oft Sachanalysen zum Thema eines Unterrichtsvorhabens.
Mögliche Abfolge
Eine breit angelegte Sachanalyse durchführen, um Kontext und Produkt zu erschliessen. Festhalten der Inhalte z.B. mit Mindmap, Dateiablage, Bildersammlung.
Fachpraktische Auseinandersetzungen werden frühzeitig im Planungsprozess durchgeführt. Dabei wird die Anwendung von fachspezifischen Methoden > Entwerfen geprüft und Teilarbeiten / Prototypen / Produkte erstellt.
Knackpunkte des Entwicklungsprozesses bzw. des Produktes werden erkannt und festgehalten. Der Prozess der Herstellung fotografisch dokumentiert, damit das Bildmaterial für den Unterricht genutzt werden kann.
Bei der Didaktischen Analyse geht es darum, den Bildungsgehalt eines Themas zu prüfen. Die Frage ist hier, warum die Inhalte von persönlicher, schulischer oder gesellschaftlicher Bedeutung sind (LP21). Eng verknüpft mit der Bedeutung ist das eigene Fachverständnis. Dieses sollte vor der Didaktischen Analyse geklärt werden.
Wie im Abschnitt Themenfindung (oben) dargelegt, bilden die Themenfelder die Grundlage für die Wahl eines Themas. Die Themenfelder bringen die Lebenswelt der Lernenden mit gesellschaftlich bedeutsamen Themen in Verbindung. Folgende Leitfragen können hilfreich bei der Klärung der Bedeutung sein:
Exemplarität, Gegenwarts- und -Zukunftsbedeutung (nach Klafki): Wofür steht das Thema? Welche Bedeutung hat es für Lernende heute und in Zukunft? Welche Perspektiven eröffnen sich?
Welchen Beitrag leistet das Thema zur Entwicklung eines Design- und Technikverständnisses?
Welche Sinn- und Wertfragen im Kontext der Herstellung, der Gestaltung, dem Gebrauch und der Entsorgung von Produkten werden thematisiert? (LP21 TTG, Bedeutung und Zielsetzung)
Welche Zusammenhänge von technischen und kulturellen Entwicklungen und Produkten werden aufgezeigt und kritisch betrachtet? (LP21 TTG, Bedeutung und Zielsetzung)
Inwiefern kann die Problemlösefähigkeit gefördert werden?
Wird eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit ermöglicht?
Welchen Beitrag leistet das Thema bezüglich BNE?
Mögliches Vorgehen
Eigenes Fachverständnis klären. Mithilfe der Leitfragen den Bildungsgehalt des gewählten Themas begründen.