Abb.:26 Kartenausschnitt, Trägerbaumgruppen nach Größenklassen (anzahl der Trägerbäume) in unterschiedlichen Farben
Gemarkungsgrenze Quelle:LGL-BW (2024) - Version 2.0, www.lgl-bw.de Hintergrundkarte - Copyright Openstreetmap https://www.openstreetmap.org
Wenn man die Standorte der Trägerbäume des Grünen Besenmooses auf Maulbronner Markung auf einer Karte betrachtet, wirkt das Muster zunächst regellos. Doch bei genauerem Hinsehen erinnern die Punkte an kleine Inseln: Gruppen von Bäumen, die in Klumpen (Clustern) gehäuft stehen.
Durch Analyse mit dem Werkzeug DBSCAN-Häufung wurden die Trägerbaumgruppen (Cluster) errechnet. (Parameter der Analyse : Mindestanzahl Häufung = 2 Trägerbäume und Abstand zwischen den Trägerbaum Clustern = 70 Meter). In einem zweiten Schritt wurden die Trägerbaumgruppen nach Anzahl der Trägerbäume in sechs Größenklassen eingeteilt.
Die Dichte der Trägerbäume ist vom Angebot an potenziellen Trägerbäumen und damit durch die von der Bewirtschaftung vorgegebene Waldstruktur bestimmt.
Eine Untersuchung in litauischen Wäldern hat eine nachweislich aggregierte Verteilung der Trägerbäume in den Wäldern ergeben. An den Rändern und Zwischenräumen der Vorkommen war diese nicht mehr nachweisbar, sondern ging in eine zufällige Verteilung über [31]. Gwendoline Percel hat in Frankreich auf großen Flächen ähnliche Resultate mit aggregierten Trägerbäumen in Abständen zwischen 16 und 63 Metern (Nahverbreitung) und einem zufällig verteilten "Hintergrundrauschen" in den Zwischenräumen mit Zwischenräumen von einigen Hundert Metern ermittelt [3].
Eine räumliche Analyse (QGIS „Nächster Nachbar“) bestätigt die Häufung der Trägerbäume in den Maulbronner Wäldern eindrucksvoll. Die Ergebnisse lauten:
- Beobachteter mittlerer Abstand: 26,51 m
- Erwarteter Abstand bei Zufallsverteilung: 115,332 m
- Nächster‑Nachbar‑Index: 0.2298
- Punktanzahl: 671 Trägerbäume
- Z‑Wert: –38.1639
Der tatsächliche, durchschnittliche Abstand zum nächsten Trägerbaum ist also mehr als viermal kleiner als bei einer zufälligen Verteilung zu erwarten wäre.
Ein Nachbarindex von 0.2298 zeigt eine extrem starke Clusterung an. Der Z‑Wert liegt weit jenseits der üblichen Signifikanzgrenzen und macht deutlich, dass dieses Muster nicht zufällig entstanden sein kann.
Es wurden 36 als einzeln stehende Trägerbäume klassifiziert. Diese stehen zwischen knapp über 70 und bis zu 830 Meter von der nächsten Trägerbaumgruppe entfernt. Ob diese Einzelbäume Anzeichen einer Ausdehnung der bestehenden dichteren Besiedelung sind oder Reliktstandorte ehemals größerer Gruppierungen lässt sich nicht sicher nachweisen. Vermutlich ist letzteres wahrscheinlicher, wobei ersteres aber nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Es gibt mehrere einzeln stehende Eichen mit Durchmessern von ca. 25-40 cm, mit einem oder wenigen Polstern des Grünen Besenmooses. Einer dieser Trägerbäume mit Durchmesser 26 cm und einem einzigen Polster des Grünen Besenmooses stand im Jahr 1968 lt. Luftbild am Rand einer Kahlschlagfläche, die Entfernung zu den nächsten Trägerbaumgruppen beträgt 225-280 Meter.
Damit wird sichtbar: Dicranum viride wächst nicht gleichmäßig im Wald verteilt, sondern konzentriert sich in bestimmten ökologischen Patches – kleinräumigen Waldabschnitten mit besonderen Standortverhältnissen. Dazu gehören alte, strukturreiche Bestände, feuchte Bereiche oder Waldteile, die über lange Zeit nur wenig gestört wurden. Auch historische Waldnutzungen und die Kontinuität alter Baumgruppen spielen vermutlich eine Rolle.
Die Analyse zeigt somit nicht nur, wo das Moos vorkommt, sondern auch wie es sich im Raum organisiert: als Netzwerk kleiner, ökologisch wertvoller Inseln, die gemeinsam das Gesamtvorkommen tragen und das typische Patch‑Mosaik der Maulbronner Wälder widerspiegeln.
Die Mülldeponie Hamberg und die benachbarte ehemalige Tongrube haben eine große, langgestreckte Lücke von 23,6 ha in den Wald am Hamberg gerissen und dabei sehr wahrscheinlich auch Vorkommen des Grünen Besenmooses zerstört. Diese Lücke beeinträchtigt die angrenzenden FFH Gebiete mit Grünenbesenmoos, sie trägt erheblich zur Fragmentierung der Vorkommen bei. Umso wichtiger wäre die Wiederbewaldung der verfüllten Deponieabschnitte (siehe auch Webseite Good bye Hamberg).