Wurde auch mal Zeit, dass ich diese Reihe lese!
Beginn des Buches
Wer meine Live-Rezensionen verfolgt hat, kann diesen Abschnitt getrost überspringen. Ich denke, ich kann mich hier nur wiederholen: Der Anfang ist ist furchtbar. Noch keine Geschichte, nur ein Prolog voller Fakten, die größtenteils noch nicht einmal interessant sind. Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen Hintergrundwissen. Ich bin mir sicher, dass Hardcore-Fans den Prolog durchaus interessant finden würden. Aber man ist nun einmal noch kein Hardcore-Fan, wenn man gerade erst die erste Seite aufschlägt. Das einzige, was wirklich gut zu wissen war, war die Geschichte vom Ringfund. Den Rest hätte man problemlos mit anderen Trivialfakten als Extra-Taschenbuch herausbringen oder später in der Geschichte nebenbei erwähnen können. Das zweitgenannte wurde sogar getan, weshalb ich den Sinn dieses Prologs gleich noch mehr hinterfragt habe.
Einstieg in die Geschichte
Als die eigentliche Geschichte dann losging, war die Stimmung schon deutlich besser. Es beginnt richtig an der Stelle, als Bilbo plötzlich auf deiner eigenen Geburtstagsfeier ankündigt, jetzt zu verschwinden, und das auch tut. Und es geht auch sehr interessant weiter. Die Einführung der Figur Gandalf, dem wohl bekanntesten Charakter der Reihe, ist, wie ich finde, auch gut gelungen. Jedenfalls war er mir auf Anhieb sympathisch. Das war schon irgendwie cool, das kann ich nicht leugnen. Ich würde aber lügen, wenn ich sagen würde, dass ich hier schon gehyped war. Das kam erst später. Deutlich später. Und damit knüpfe ich quasi nahtlos an den nächsten Abschnitt dieser Rezension an, denn der besagt schon bei der Überschrift, wieso es mir so schwer fiel, gehyped auf das Buch zu sein. Der Schreibstil.
Schreibstil
Schon öfters habe ich gesagt, dass beim Schreibstil noch deutlich Luft nach oben wäre, und bei dieser Ansicht bleibe ich auch. Er wird zwar gegen Ende immer besser, kommt aber meiner Meinung nach an den Schreibstil anderer guter Fantasy-Bücher, die ich cool finde, wie Animox, Woodwalkers, oder Harry Potter wirklich bei weitem nicht heran. Vor allem stört mich, dass Szenen, in denen einfach nur eine Pause gemacht wird und Lieder gesungen werden, deutlich ausführlicher beschrieben sind als wirklich interessante Kampfszenen, die, wie es mir scheint, so schnell wie möglich beendet werden wollten. Mehr als einmal war es sogar auch so, dass der Schreibstil die Geschichte langweiliger gemacht hat. Ein guter Schreibstil macht beim Lesen mehr aus, als man vielleicht denkt. Von ihm hängt die Lust ab, weiterzulesen, und damit auch ein Großteil des Hypes.
Charaktere
Nachdem ich bis jetzt ziemlich viele Kritikpunkte genannt habe, kommt jetzt endlich etwas, was ich wirklich gelungen finde: Die Charaktere. Besonders mag ich Fan von Frodo, Sam, Gandalf und Boromir. Sie sind unglaublich gut getroffen und haben definitiv den Wiedererkennungswert, den sie brauchen.
Auch hier kann ich allerdings ein Negativbeispiel nennen: Tom Bombadil. Er ist einfach nur sinnlos und anscheinend irgendwie im op-mode. Wenn er in den späteren Teilen noch eine wichtige Bedeutung bekommt, überdenke ich meine Meinung über ihn vielleicht noch mal, aber in den ersten Teil haben seine Auftritte für mich einfach viel zu viele Seiten beansprucht. Seiten, die man sinnvoller hätte nutzen können.
Er ist aber wirklich der einzige Charakter bisher, den ich wirklich nicht mag. Sonst sind alle anderen wirklich extrem interessant beschreiben.
Finale und Abschluss der Geschichte
Kommen wir nun zum Allerbesten an der Geschichte. Dem letzten Kapitel. Es war einfach nur legendär. Kurz vor dem Ende wurde noch ein Plottwist enthüllt, mit dem ich wirklich nicht gerechnet habe, und dann, auf der letzten Seite, passiert genau das, was die dem Titel des Kapitels schon grob entnommen werden kann: Die Wege trennen sich. Darunter kann man sich jetzt zwar sehr viel vorstellen, aber dass die Geschichte, nachdem sie in den Kapiteln davor eher zu wünschen übrig gelassen hat, noch einmal so krass auf den nächsten Teil hyped, hätte ich nicht erwartet.
Storyline
Ich hab mal den Spannungsbogen der Geschichte, so wie er meiner Meinung nach aussieht, gezeichnet:
Ich gebe zu, dass sieht jetzt nicht unbedingt nach dem geistreichsten "Bogen" aus, den man sich vorstellen kann, aber genau so ist es mit dieser Geschichte. Sie wird im regelmäßigen Abstanden immer besser. Das erste Buch, welches zwölf Kapitel enthält, ist der Graph bis zum Schnittpunkt bei (20|20). Im zweiten Buch, welches nur aus Zehn Kapiteln besteht, geht der Graph dann weiter bis zum Ende. Die deutliche Mehrheit der Spannung und anderer guter Elemente der Geschichte kommt also vom zweiten Buch (Versteht man das? xD). Von mir aus hätte diese Unterteilung in zwei Bücher nicht sein müssen. Wäre der Prolog bis auf das letzte fünftel komplett weggelassen und das erste buch massiv gekürzt worden, wäre die Geschichte ein echter Hammer gewesen. So ist sie leider kein Oberhammer, aber auf jeden Fall trotzdem (extrem) gut.
Abschließende Bewertung
Der erste Teil erhält von mir mit 59 / 100 Punkten keine wirklich gute Punktzahl. Das liegt vor allem an den Schreibstil, an der Einleitung und teilweise an der Geschichte selbst. Auf jeden Fall hätte ich viel mehr erwartet, weil diese Reihe ja wirklich extrem bekannt und beliebt ist und mir aus meinem näheren Umfeld immer wieder empfohlen wurde. Aber wie gesagt: Für den zweiten Teil sehe ich wirklich großes Potenzial - wenn es sich so weiterentwickelt, wie ich hoffe.
Während ich "Der Herr der Ringe 1 - Die Gefährten" gelesen habe, habe ich eine sogenannte Live-Rezension geschrieben - immer nur im Abstand von wenigen Kapiteln. Diese Rezensionen enthalten meine Eindrücke, als ich noch keine Ahnung hatte, wie es immer nach dem Kapitel, wo ich aufgehört habe zu lesen, weiterging. Hier kann man die Live-Rezensionen auch noch nachträglich lesen:
Zunächst muss ich sagen, dass ich in Herr der Ringe ernsthaft gutes Potenzial sehe. Diese Annahme basiert vor allem auf das, was ich über diese Reihe schon gehört habe und darauf, dass ich generell diese Art von Fantasy-Büchern mag. Aber ganz ehrlich: Der sogenannte Prolog am Anfang ist größtenteils der schlechteste Einstieg, den ich je für ein wahrscheinlich so guten Fantasy-Roman gelesen habe. Man wird tatsächlich bis Seite 32 (Vorwort endet bei Seite 15) mit unnützem Wissen über Hobbits zugedröhnt. Manch einer mag es interessant finden, seit wann Hobbits in Höhlen leben, was für ein Kraut sie rauchen und wo sie ihren Bürgermeister wählen. Vielleicht würde mich das später auch interessieren. Betonung auf später. Aber wenn man ein Buch aufschlägt, wo man sich lange drauf gefreut hat, es endlich zu lesen, möchte man auch mit der Geschichte anfangen. Das meiste, was im Prolog steht, hätte man ohne Probleme in einem Nebensatz in der Geschichte selbst erwähnen können. Und über die etwas größeren Geschichten hätte man zusätzliche Sachbücher schreiben können, wie bei Harry Potter Quidditch im Wandel der Zeiten. Das hätte mich deutlich weniger gestört. Aber den Leser zu zwingen, all diese Trivialfakten zu lesen, bevor es überhaupt losgeht, finde ich zumindest bei dieser Geschichte definitiv die falsche Art, einzusteigen. Bei anderen Büchern hätte das eventuell besser gepasst, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen.
Eine Ausnahme gibt es jedoch: Das Kapitel Der Ringfund. Diese Geschichte war als Einstieg durchaus spannen und hat sich gelohnt, vor der eigentlichen Geschichte zu lesen. Außerdem fühlte es sich erstmals nicht wie ein stumpf geschriebenes Sachbuch an, sondern hatte einen erkennbaren Schreibstil. Dieses Kapitel, und damit auch der ganze Prolog, endet schließlich auf Seite 37 mit dem Satz "Und hier beginnt unsere Geschichte." Im Glauben, den nervigen Prolog jetzt endlich überwunden zu haben und endlich mit der Geschichte zu starten, blättert man um und sieht Anmerkung zu den Auenländischen Geschichtsbüchern. Und auf S. 45 geht es dann endlich los.
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