Höhen und Tiefen - Aber mehr Höhen als Tiefen
Disclaimer: Spreche ich im folgenden Text von "Band" oder "Teil", meine ich die komplette Geschichte von "Die zwei Türme" (zweiter Band / zweiter Teil). Spreche ich von "Buch", meine ich die fiktive Aufteilung des Bandes in zwei Geschichtsbücher, die auch im Band klar voneinander unterteilt sind (drittes und viertes Buch).
Inzwischen habe ich auch den 2. Teil der "Herr der Ringe"-Reihe durchgelesen. Wie ich ihn fand, werde ich im folgenden Text ausführlich erläutern.
Beginn des Buches
Während ich mich über die dermaßen misslungene Einleitung des ersten Bandes weiterhin nur aufregen kann, gefiel mir der Beginn des zweiten Bandes schon deutlich besser. Um es anders zu sagen: er war perfekt. In einen kurzen und sehr informativen Text wurden die Geschehnisse des ersten Bandes zusammengefasst und in einen Satz erläutert, worum es in diesem zweiten Band gehen wird. Eine perfekte Möglichkeit, den Hype der Leser zu erwecken und diese möglichst schnell, aber weder zu lahmarschig noch zu rasant in die Geschichte einzuführen.
Einstieg in die Geschichte
Fängt man an, die Geschichte zu lesen, merkt man schnell, dass das dritte "Buch" ausschließlich aus der Sicht von Aragon, Legolas und co geschrieben ist, während das vierte die Geschichte von Frodo und Sam weitererzählt. So etwas liebe ich. Somit beginnt die Geschichte mit den Gefährten, die Sam und Frodo zurücklassen mussten und der Trauerfeier Boromirs. Bei diesen ist mir immer noch nicht ganz klar, ob er zur guten oder bösen Seite gehörte. Ich hoffe weiterhin auf zweites, weil mich das Ende des ersten Bandes mit diesen Plottwist wirklich positiv überrascht hat. Es wäre schade, wenn das wieder zunichte gemacht werden würde. Die darauf folgende kurze Action-Sequenz mit den Uruk-Hai hat mir ebenfalls gut gefallen, auch wenn man da deutlich mehr hätte rausholen können (Ich bin gespannt, wie das im Film umgesetzt wurde). Das Zusammentreffen mit den Ents war auch noch ein sehr lustiges Erlebnis ("Ich glaube, ich werde jetzt aufstehen und ein wenig schlafen. Wo wollt ihr stehen?"), aber ab dann wurde es mir zu einseitig. Ich habe dem ersten Band Gandalfs Tod sowieso nie abgenommen, weshalb ich auch von seiner Wiederkehr nicht überrascht war, sondern nur "ja, endlich" dachte. Ab diesem Punkt wollte ich mal wieder etwas ganz neues lesen - doch ich wusste, dass das erst ab dem vierten "Buch" der Fall sein würde. Deshalb ist der Einstieg in die Geschichte für mich hier vorbei.
Charaktere
Neben neuen Charakteren, die sehr gut eingeführt wurden (z. B. Faramir), ist es dem Buch vor allem gelungen, bestehende Charaktere auszubauen. Man merkt vor allem bei Frodo und Sam deutlich, dass sie die gleichen geblieben sind. Und natürlich muss ich etwas über Gollum sagen. So ein bescheuertes, vor sich hin existierendes Subjekt. Ich mag ihn überhaupt nicht,o aber dennoch ist er wichtig für die Geschichte. Man muss ja nicht jeden Charakter mögen. Voraussetzung für das Auftauchen in einer Geschichte ist nur, dass man eine Daseinsberechtigung hat. Und die hatte Gollum. Super Charakter, aber dennoch ein nerviges Subjekt. Das war auch schon alles, was ich zu ihn zu sagen hatte.
Schreibstil
Der Schreibstil hier ist zwar schon besser als der im ersten Buch, aber immer noch nicht wirklich gut. Im Grunde bleibe ich bei meiner Meinung. Was dem Schreibstil fehlt, sind auf jeden Fall mehr eigene, neue Formulierungen. Die gibt es aber so wenig, dass man sich fast so vorkommt, als würde man einen Sachtext lesen.
Finale und Abschluss der Geschichte
Auch dieser Band endet mit einen Cliffhanger, durch den man sich auf jeden Fall auf den nächsten teil freut. Leider finde ich die Erzählungen darum herum, wie es zu der Pattsituation am Ende kam, in der Frodo und Sam jetzt sitzen, nicht ganz so spannend geschrieben, wie es bei der Finalszene beim ersten Teil der Fall war. Bis auf den letzten Satz "Frodo und Sam waren gefangen" hat man, finde ich, nicht wirklich gemerkt, dass es sich um eine Finale Szene handelt. Meinem Geschmack nach sollte das Finale aber spektakulärer sein und sich von den anderen Kämpfen abheben. Dennoch ist es ein guter Abschluss und ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Storyline
Das, was ich im ersten Teil noch so langweilig fand, hat mich dieses Mal am meisten positiv überrascht. Zwar gab es auch in diesem Band unnötige Szenen, die alles total in die Länge gezogen haben (zum Beispiel der Verzehr eines Kaninchen), aber alles in allem war dieser Teil deutlich flüssiger zu lesen und hatte viel mehr Höhepunkte. Was mich besonders gefreut hat ist, dass, soweit ich mich erinnern kann, kein einziges Gedicht oder Lied vorkommt.
Abschließende Bewertung
Somit erhält "Der Herr der Ringe 2 - Die zwei Türme" von mir 74 / 100 Punkten. Eine gute Punktzahl, aber keine sehr gute.