Sie sehen einen Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Shoah“ des Franzosen Claude Lanzmann. Der Dokumentarfilm wurde 1985 fertiggestellt. Er dauert 9 Stunden (von insgesamt 350 Stunden Material, das Lanzmann während über 10 Jahren gedreht hat.) „Shoa“ ist einer der berühmtesten und zugleich wichtigsten Dokumentarfilme über den Holocaust. In „wikipedia“ (1.6.13) heisst es über diesen Dokumentarfilm: „Shoah ist ein vierteiliger Dokumentarfilm des Regisseurs Claude Lanzmann aus dem Jahre 1985, in dem Zeitzeugen des Holocaust befragt werden. Shoah ist eine Dokumentation über das Erinnern an den Holocaust. Regisseur Lanzmann reiste 11 Jahre lang – von 1974 bis 1985 – durch Europa, in erster Linie durch Polen, um Zeitzeugen zu befragen. Der gesamte Film enthält nur Aufnahmen von Treblinka und Auschwitz, Chelmno und Warschau aus diesem Zeitraum, keinerlei Archivmaterial.
Das zentrale Thema der Befragungen sind die Konzentrations- und Vernichtungslager, die während des Zweiten Weltkriegs bestanden. Und über das Schicksal des tschechischen Familienlagers in Auschwitz und das Warschauer Ghetto. Lanzmann stellt die Zeugen in den Interviews auf eine harte Probe: Er lässt sie ununterbrochen filmen, auch wenn sie die Fassung verlieren, weil sie die grausame Erinnerung nicht mehr ertragen können. Neben den Opfern, die den Holocaust überlebt haben, lässt Lanzmann auch Täter zu Wort kommen.
Der Film zeigt zudem ausführlich, wie die Stätten der damaligen Lager zum Zeitpunkt des Drehs aussehen. An manchen Orten gibt es Gedenkstätten, an anderen findet er nur pflanzenüberwucherte Reste. Die Bilder von tristen Gegenden überlappen sich oft mit den Stellungnahmen der Überlebenden.“
Im Filmausschnitt hört und sieht man Claude Lanzmann in einem Gespräch mit Walter Stier, der während des Krieges als Direktor bei der Deutschen Reichsbahn gearbeitet hat. Er hat die Transporte von sogenannten „Sonderzügen“ bzw. „Aussiedlerzügen“ organisiert, in denen Juden und andere Verfolgte zu Hunderttausenden per Zug in die Konzentrationslager – und damit in den Tod – gebracht wurden. Walter Stier hat diese Aufgabe u.a. auch in Polen, in der Stadt Krakau, ausgeübt, in dessen Nähe sich die Lager von Auschwitz-Birkenau befanden.
Aufgabe 8
Notieren Sie Ihre Gedanken oder Empfindungen zum Ausschnitt auf.
Wie würden Sie die Frage- bzw. Interviewtechnik von Lanzmann beschreiben? Wie geht er vor und was will er erreichen?
Walter Stier lügt, wenn er sagt, dass er nicht gewusst hat, was mit den Abertausenden von Menschen geschah, die in die Bahnwaggons gepfercht und in die Konzentrationslager gefahren worden waren. Beschreiben Sie eine Stelle im Film, wo man erahnen kann, dass er lügt. Beachten Sie dabei auch die Stimme und die Körpersprache von W. Stier.
Wie verteidigt sich W. Stier? Erläutern Sie seine „Verteidigungs- und Rechtfertigungstaktik“.