Geschichte

Die Landesversicherungsanstalt Berlin kaufte im Jahre 1898 von der Stadt Beelitz ein etwa 140 Hektar großes Waldgelände für den Bau einer Lungenheilanstalt und eines Sanatoriums. Ende des 19. Jahrhunderts machte die Medizin gerade in Bezug auf die Behandlung von Lungentuberkulose gute Erfahrungen mit Kuraufenthalten an Orten mit sauberer Luft - die Waldgebiete rund um Beelitz, etwa 50 Kilometer von der Berliner Innenstadt entfernt - schienen der Anstalt für ein solches Bauprojekt als äußerst passend.

Im Frühjahr 1902 fand die erstmalige Belegung der neuerbauten Heilstätten mit einer Kapazität von 600 Betten statt. Die Architekten Schmieden & Böthke hatte zwischen 1898 und 1902 auf dem Gelände eine Lungenheilstätte für Frauen, eine Lungenheilstätten für Männer sowie zwei getrenntgeschlechtliche Sanatorien mit Infrastrukturgebäuden für den gesamten Klinikbetrieb errichtet.
Doch die Kapazität von 600 Betten reichte bei der damals sprunghaft ansteigenden Zahl von Lungenkranken schon bald nicht mehr an. Im Jahre 1904 wurde von der Landesversicherungsanstalt beschlossen, weitere Krankenhausbauten (in Beelitz "Pavillons" genannt) zu errichten. Zu diesem Zweck wurde eine eine eigene Bauabteilung gegründet, die im Frühjahr 1905 ihren Dienst aufnahmen und mit dem Bau von Häusern für etwa 600 weiteren Betten sowie für die Errichtung weiterer Infrastruktureinrichtungen beauftragt wurde. Ein Pavillon hatte eine Kapazität von etwa 300 Betten, die Kranken waren in Zwei- oder Vierbettzimmern (18 bzw. 36 m² groß) untergebracht. Im Erdgeschoss der Pavillons befanden sich Wirtschaftsräume, Patienten-Aufenthaltsräume sowie Besuchszimmer, im Dachgeschoss waren Bedienstetenwohnungen eingerichtet, und unter dem obligatorischen Dachturm war Platz für ein großen Wasserbehälter, der per Druck die Wasserversorgung im Pavillon aufrecht erhielt.
Vor den Pavillons befanden sich Liegehallen - denn zur Tuberkulosebehandlung der damaligen Zeit gehörte die sog. "Liegekur", das stille Liegen an frischer Luft, dafür wurden insgesamt zwischen 250 und 350 lange Meter Liegehallen errichtet. Außerdem wurde für die Patienten eine eigene Kirche errichtet, die Platz für 200 Gläubige bot. Die Gottesdienste wurden abwechselnd katholisch oder protestantisch durchgeführt (die Kirche ist übrigens das einzige im Zweiten Weltkrieg in Gänze zerstörte Gebäude der Heilstätten).

Zwischen der Eröffnung der Heilstätten 1902 und dem Jahr 1926 waren bereits 66.445 Männer, 43.953 Frauen und 6.559 Kinder als Patienten aufgenommen wurden. Insgesamt gab 1929 es 1.338 Betten, davon 950 für Lungenkranke und 400 Betten für Patienten mit Nervenschwäche, Rheuma, Magen- und Herzleiden. Oberstes Ziel der Behandlung in den Heilstätten war die "Verhütung von Invalidität" und die "Wiederherstellung von Erwerbsfähigkeit" der Kranken.

Im Sommer 1907 wurde das Heilstättengelände um sieben Mehrfamilienhäuser für Angestellte und Handwerker erweitert. Um dem - bei Belegung von nahezu 1200 Betten - gestiegenen Postverkehr in den Heilstätten gerecht zu werden, erbaute man 1907/08 ebenfalls ein eigenes Postgebäude in der Nähe des Bahnhofes. Der großen Anzahl von Kranken geschuldet war auch, dass für die Eigenversorgung der Heilstätten eine eigenen Bäckerei und eine eigenen Fleischerei eingerichtet, sowie die Obst- und Gemüseanbaufläche vergrößert und zwei Gutshöfe in der Nähe angekauft werden mussten. Diese Infrastruktureinrichtungen entstanden sämtlich auf der Seite der Sanatorien (also südlich der Berlin-Wetzlarer Bahn, heute RE 7), wo auch schon das Heizkraftwerk (das größte seiner Art zur damaligen Zeit im Deutschen Reich), das Wasserwerk und eine "elektrische Licht- und Kraftanlage" erbaut worden waren.

Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, am 3. August 1914 wurden alle transportfähige Patienten aus den Heilstätten entlassen, da das Klinikgelände zum Vereinslazarett des Roten Kreuzes wurde. In der Kriegszeit standen 1.525 Betten zur Verfügung, 12.586 Soldaten wurden verpflegt, darunter auch der damals noch unbekannte Gefreite Adolf Hitler. Erst 1920 wurde aus dem Lazarett wieder die Lungenheilstätte. Da sich 1920 auch das Stadtgebiet Berlins per Gesetz erheblich vergrößerte, wurden der Landesversicherungsanstalt immer mehr Pflegebedürftige zugewiesen, dies führte zu Kapazitätsengpässen in Beelitz. Für die nächsten drei Jahre wurden nur noch Frauen in die Heilstätte aufgenommen. Männliche Patienten wurden in Heilstätten an der See oder im Gebirge verschickt. Die Inflation 1923 zwang die Heilstätten zum Aufnahmestopp. Fast ein Jahr lang standen die Heilstätten leer, mit Lagebesserung und Wiedereröffnung 1924 wurden dann auch wieder Männer als Patienten aufgenommen.

Im Jahre 1928 wurde noch einmal das Heilstättengelände durch Zukauf von Waldfläche auf fast 200 Hektar vergrößert. Auf den neuen Flächen wurde u.a. ein Krankenhaus für die chirurgische Behandlung von Tuberkulosekranken (eine noch recht junge, denn erst seit 1925 etablierte medizinische Disziplin) erbaut. In der Chirurgie wurden ab dato die "neuartigen" Behandlungseingriffe durchgeführt: der Pneumothorax und die Phrenicusexairese). Desweiteren wurde in den Jahren 1927/1928 ein größeres Wäschereigebäude und eine Ladenzeile mit sechs Geschäften: Schuhmacher, Schreibwarenhändler, Seifenwerkstatt, Bäcker, Schneiderei) errichtet.
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