Verhandlungsstrategische Funktionen des Code-Switchings in den multilingualen (deutsch-, englisch-, litauisch-, russischsprachigen) Geschäftsverhandlungen
_______________________________
Vytautas Magnus University, Lithuania
ruta.eidukeviciene@vdu.lt, gintare.gelunaite-malinauskiene@vdu.lt
ABSTRACT
Bei den mit deutschen Partnern zusammenarbeitenden litauischen Unternehmen sowie den in Litauen ansässigen deutschen Unternehmen ist in der letzten Zeit ein Bedarf an Kenntnissen über effektive Zusammenarbeit entstanden, was sich auch in der wachsenden Anzahl an Fachseminaren zur interkulturellen Kommunikation widerspiegelt. In Litauen fehlen jedoch valide sprach- bzw. kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen, die die deutsch-litauische Geschäftskommunikation eingehend erläutern, geschweige denn aufgrund des authentischen Materials aus der Arbeitspraxis analysieren. In dem Vortrag sollen multilinguale interkulturelle Geschäftsverhandlungen am Beispiel der ausgewählten mehrsprachigen Gespräche analysiert werden, wobei ins Zentrum des Interesses die Fragen nach den verhandlungsstrategischen Funktionen des Code-Switchings rücken. Obwohl in den Gesprächen die dominierende Kommunikationssprache Englisch oder Deutsch ist, können mehrere Fälle des Code-Switchings nicht nur ins Deutsche oder Englische, sondern auch ins Russische festgestellt werden. Die Beteiligten gehen in einer Geschäftsverhandlung von verschiedenen Zielvorstellungen aus, wollen aber eine gemeinsame Vereinbarung treffen, sodass man annehmen kann, dass der Sprachwechsel in diesen Kommunikationssituationen gezielt eingesetzt wird und zur Realisierung von unterschiedlichen Strategien dienen soll. Im ersten Schritt wird die Analyse der Grobstruktur der Gespräche durchgeführt, um feststellen zu können, ob ein Ziel / Teilziel erreicht wird. Danach folgt die gesprächslokale Mikroanalyse des Code-Switchings, um aufzeigen zu können, auf welche Weise und wozu die Sprache gewechselt wird und welche verhandlungstrategischen Funktionen das Code-Switching in den konkreten Gesprächen erfüllt. Abschließend soll in Bezug auf die theoretischen Ansätze der interaktionalen Soziolinguistik festgestellt werden, wie die Beteiligten sich jeweils dabei helfen, mithilfe von Sprachwechsel das Gesprächsziel zu erreichen. Die exemplarische Analyse bezieht sich auf die theoretisch-methodologischen Ansätze von Schegloff, Kallmeyer, Blom, Gumperz, Auer, David.
Keywords
interkulturelle Fachkommunikation; multilinguale Geschäftsverhandlungen; Code-Switching; interaktionale Soziolinguistik; Konversationsanalyse.
References
Auer, P., & Eastman, C. E. (2010). Code-Switching. Handbook of Pragmatics. John Benjamins Publishing Company.
David, M. K. (2003). Role and Functions of Code-Switching in Malaysian Courtrooms. Multilingua-Journal of Cross-Cultural and Interlanguage Communication, 5-20. https://doi.org/10.1515/mult.2003.005
Gumperz, J. J. (1970). Verbal Strategies in Multilingual Communication. Working Paper Nr. 36 Language-Behavior Research Laboratory. University of California, Berkeley.
Gumperz, J. (2001). Interactional sociolinguistics: A personal perspective. In D. Schiffrin, D. Tannen, & H. Hamilton (Ed.) The Handbook of Discourse Analysis (pp. 215–228). Blackwell.
Kallmeyer, W., & Schütze, F. (1976). Konversationsanalyse. Studium. Linguisitk, 1, 1–28.
Schegloff, E. A. (2007). Sequence organization in interaction. A primer in conversation analysis. Band 1. Cambridge University Press.