Peru hat nach diversen Protesten und einem Misstrauensvotum spontan einen neuen Präsidenten. Warum ich das hier erwähne: Weil ich die Medienkultur dazu interessant finde. Auf den YouTube-Kanal von 24 Horas, einen der größten peruanischen Nachrichtensender, den ich schon vor meiner Ausreise immer mal wieder geschaut habe, habe ich fast nichts davon mitbekommen. Von den Protesten in Lima hin und wieder mal, aber bei weitem nicht in der Intensität, wie in Deutschland letztes Jahr über den vorzeitigen Regierungswechsel berichtet wurde. Ein kurzes Gespräch mit Cesiah (Liebe Grüße!) bestätigte meine Vermutung: Politik findet hier kaum mediale Präsenz. Vermutlich einfach, weil sie sich weit entfernt von der Lebensrealität vieler Menschen abspielt. Stattdessen waren die Schlagzeilen in den letzten Monaten immer voll von Berichten über Erfolge im Kampf gegen die hohe Drogen- und Gewaltkriminalität in Lima und im Süden Perus oder Verkehrsunfällen. Der Stil der Nachrichten ist also ein grundsätzlich anderer als in Deutschland: Anstatt peruweite oder gar internationale Themen werden viel mehr die alltäglichen Probleme in den Fokus gerückt. Dafür wird jetzt nach dem Regierungswechsel deutlich mehr darüber berichtet als zuvor über die politische Entwicklung bis zu diesem Punkt, ein großes Gesprächsthema ist es zumindest hier in Iquitos allerdings weiterhin nicht.
Aber nun individueller zu meinen Erlebnissen:
Die Tage unter der Woche waren seitens der Arbeit relativ unspektakulär. Am Samstag fand aber ein von der Uni organisiertes Kulturfest statt, auf dem die Nationen aller Fremdsprachen, die dort unterrichtet werden, zur Schau gestellt werden sollten: Also hauptsächlich Großbritannien, die USA, Deutschland und Frankreich, aber auch ein Teil anderer Südamerikanischer Länder wurde repräsentiert. Auch ich als Person wurde bei diesem Event noch einmal vorgestellt. Ein Teil meiner Deutschgruppe hat ein kurzes Anspiel auf Deutsch präsentiert, das sich die Schüler ausgedacht und in den letzten zwei Wochen mit meiner Unterstützung eingeübt haben. Der Inhalt lässt sich wohl am besten als Halloween-Komödie beschreiben, die aus welchem Grund auch immer mit einer Choreografie zu "Thriller" von Michael Jackson endete.
Ich kann ihnen diese wilde Mischung nicht übelnehmen. Ich würde auf keinen Fall sagen, dass Deutschland nicht kulturreich wäre. Vor allem die Musik- und Kirchengeschichte hat Deutschland viele Jahrhunderte geprägt. Gerade letzte Woche habe ich gemeinsam mit Karina den Luther-Film gesehen, da sie dieses hier meist völlig unbekannte Thema in der Schule hat. Jedoch ist diese historische Kultur nichts, was sich anschaulich präsentieren ließe. Die moderne deutsche Kultur ist stark von der Globalisierung geprägt, was hier für viele kaum vorstellbar ist. Immer wieder nehme ich Unverständnis als Reaktion wahr, wenn ich zum Beispiel auf die Frage, was denn das deutsche Nationalgericht sei, antworten muss, dass es so etwas spezifisches nicht gibt. Dass die beliebtesten Straßensnacks häufig ausländischer Herkunft sind, wie etwa Döner. Dass die beliebtesten Popsongs häufig auf Englisch sind. Peru macht es einem deutlich einfacher, spezifische Merkmale des Landes vorzustellen. Und ich gebe mein Bestes, das hier im Blog und nach meiner Rückkehr zu tun.
Ich auf dem Kulturfest
Anspiel der Deutschgruppe
Peruanische Band auf dem Kulturfest
Hauptkirche am Plaza de Armas von innen
(ich habe dort keinen Gottesdienst besucht, war aber kurz zum anschauen drinnen)