Geschichtliches Spiegelbild: Der Dorfbrunnen
Komprimierter Vortrag von Wilhelm Terhorst zur Erklärung der Geschichte Schepsdorfs, anhand der 24 Reliefs am Dorfbrunnen.
Da die Geschichte Schepsdorfs eng mit der Kirchengeschichte zusammenhängt, befas-sen sich die ersten sechs Reliefs mit den Anfängen unserer Kirchengeschichte.
Das erste Relief zeigt das alte Kirchensiegel. Man sieht ein Schiff und darauf ein Kreuz. Das Schiff deutet auf die Namensgebung unseres Ortes hin, wie die namenkundliche Forschung ergeben hat, früher „Skipestorp“, heute Schepsdorf.
Das zweite Relief zeigt den Ursprung unseres Ortes. Es soll auf die Wallfahrerströme hinweisen, die nach der Überführung der Gebeine des heiligen Alexander im Jahre 851, von Rom nach Wildeshausen, aus den Niederlanden einsetzten. Viele dieser Pilger nutzten den Emsübergang in dem Kreuzungsbereich der Flämischen- und der Friesischen Straße.
Das dritte Relief weist auf den ersten nachgewiesenen Kirchenbau im 12. Jahrhundert in Schepsdorf hin.
Das vierte Relief soll auf unsere Kirche im Wandel der Zeit hinweisen von der romanischen zur gotischen Kirche.
Das alte Schepsdorfer Taufbecken ist auf einem weiteren Relief zu sehen.
Das Wappen des Bischofs von Münster erinnert daran, dass Schepsdorf von seiner Entstehung bis zum Jahre 1824 kirchlich dem Bischof von Münster unterstand.
Der Fährmann auf diesem Relief soll auf die natürliche Grenze zu Lingen, die Ems, hinweisen. Die Emsfähre war eine Einnahmequelle und verhalf den Schepsdorfern zu Wohlstand.
Ein weiteres Relief weist auf die große Anzahl der Hollandgänger hin, die als Saisonarbeiter hauptsächlich vom Frühjahr bis zum Herbst dort als Torfstecher, Grasmäher oder Erntehelfer Geld für den Unterhalt ihrer Familien verdienten. Zu diesem besonderen Thema haben wir im Heimathaus eine Dauerausstellung eingerichtet.
Erst im Jahre 1824 wurde die erste Holzbrücke über die Ems bei Schepsdorf gebaut. Diese wurde, wie auf dem Relief zu sehen ist, im Jahre 1910 durch eine sehr schöne Stahlbrücke, (die sogenannte Hannoversche Brücke mit dem Niedersachsenwappen), ersetzt. Die heutige Stahlbetonbrücke wurde 1950 erbaut, jedoch im Jahre 2001 in Anlehnung an die alte Hannoversche Brücke neu gestaltet.
Das Relief weist auf die direkte Wegeverbindung als alte Handelsstraße von Amsterdam nach Hamburg hin.
Ein weiterer Beweis für den regen Verkehr auf der friesischen wie auf der flämischen Straße mit dem in Schepsdorf befindlichen Emsübergang weist das Relief mit der Aufschrift „Ausspann“ hin. Hauptsächlich diente der Ausspann jedoch den vielen Pferden mit Ihren Kutschen, die aus Lohne, Nordlohne, Rheitlage, Darme, und Herzford an Sonn- und Feiertagen die Schepsdorfer Kirche besuchten. In Schepsdorf gab es allein drei Gaststätten mit Ausspann.
Da sich die beiden Hauptverbindungswege von Ost nach West und von Nord nach Süd im Bereich Schepsdorf kreuzten, befand sich hier die Hauptpoststelle. Hier wurde die Post neu sortiert und Pferde und Kutschen wurden gewechselt. die letzte Postkutschenfahrt fand 31. Dezember 1909 statt.
Die Schepsdorfer Schule auf diesem Relief wurde zunächst um 1840 als einklassige Schule erbaut und 1909 um eine zweite Klasse erweitert. Sie stand bis 1965 auf dem Platz des jetzigen Pfarrhauses (Schmeinck).
Das Bild der alten Schmiede soll das florierende Handwerk der Schmiede- und Stellmacherei versinnbildlichen. Allein in Schepsdorf gab es zur Blütezeit im 19. Jahrhundert drei Schmiede-Werkstätten. Pferdefuhrwerke belebten die beiden Haupthandelsstraßen, aber auch die Fuhrwerke der vielen Hollandgänger waren immer wieder auf das Schmiede- und Stellmacherhandwerk angewiesen.
Das sogenannte alte „Brauhaus“, es stand bis 1964 zwischen der Kirche und dem Hof Pott, heute Wohn- und Geschäftshaus stammt aus der ersten wirtschaftlichen Blüte Schepsdorfs. Der Vorbesitzer des heutigen Hubertushofes, ein gewisser Kaufmann Agnes erwarb im Jahre 1740 eine Gastwirt- und Brennereikonzession und hat dann wohl das Brauhaus errichtet und betrieben.
Auf diesem Relief sehen wir die Landschaft in und um Schepsdorf zu früheren Zeiten. Schepsdorf war geprägt von einer großen Heidelandschaft mit sehr kargem, sandigem Boden. Durch das Abplaggen von größeren Heideflächen kam es zu starken Sandverwehungen. Es bildeten sich über Eintausend Sandhügel in einer Höhe von 3 bis 35 Metern Höhe, die sogenannten „Emssanddünen oder Schepsdorfer Alpen“.
Die schöne Emslandschaft bei Rheitlage mit der leichten Hügellandschaft, den jahrhundertalten Buchenbestand und die Emsschleife soll das Relief versinnbildlichen.
Wie auf diesem Bild zu sehen ist, gab es wegen der großen Heideflächen noch bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts mehrere große Schafherden bei den beiden Großbauern Lübbers und Cordes in Rheitlage.
Dieses Relief zeigt das herrschaftliche Schloss Herzford, umgeben von einem Wassergraben.
An einem Nebengebäude die Statue des hl. Nepomuk, dem sogenannten Brückenheiligen.
Zum Gut Herzford gehörte noch eine eigene Bockwindmühle, die leider vor achtzig Jahren abgerissen wurde.
Auf diesem Relief sieht man wiederum eine große Menschenmenge. Sie sollen auf die vielen Vertriebenen hinweisen, die nach dem letzten Krieg aus den Ostgebieten zu uns kamen und hier in Schepsdorf ein neues Zuhause fanden. Sie bauten auf den ehemaligen Wehrmachtsschießplatz die sogenannte „Weiße Siedlung“.
Dieses Relief weist auf die erste Industrieansiedlung in Schepsdorf hin. Nachdem die Hollandgängerei Anfang des Zwanzigsten Jahrhundert seinem Ende zuging, sorgte unter anderem der Pfarrer von Schepsdorf dafür, dass sich die Zelluloidfabrik Hagedorn aus Osnabrück, hier an der Ems gelegen, ansässig machte und dadurch wieder viele Leute in Arbeit kamen.
Das letzte der 24 Reliefs wurde dem ältesten Verein in Schepsdorf gewidmet. Es ist wie in vielen Orten der Schützenverein. Wie auch hier zu sehen ist, wurde er bereits 1723 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Somit wurde 1989 ein Brunnen geschaffen, an dem die Geschichte unseres Dorfesin eindrucksvoller Weise dargestellt wird.
Weitere interessante Geschichten findet Ihr auf 360 Seiten im Buch "25 Jahre Heimatverein Schepsdorf".