EINE ERHÖHUNG DER LÖHNE LÖST DAS PROBLEM DER ÜBERPRODUKTIONSKRISE NICHT
EINE ERHÖHUNG DER LÖHNE LÖST DAS PROBLEM DER ÜBERPRODUKTIONSKRISE NICHT
Es ist eine reine Tautologie zu sagen, daß die Krisen aus Mangel an zahlungsfähiger Konsumtion oder an zahlungsfähigen Konsumenten hervorgehn. Andre Konsumarten, als zahlende, kennt das kapitalistische System nicht, ausgenommen die sub forma pauperis1* oder die des „Spitzbuben". Daß Waren unverkäuflich sind, heißt nichts, als daß sich keine zahlungsfähigen Käufer für sie fanden, also Konsumenten (sei es nun, daß die Waren in letzter Instanz zum Behuf produktiver oder individueller Konsumtion gekauft werden).
Will man aber dieser Tautologie einen Schein tiefrei" Begründung dadurch geben, daß man sagt, die Arbeiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eignen Produkts, und dem Übelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größern Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so ist nur zu bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die Arbeiterklasse realiter größern Anteil an dem für Konsumtion bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält. Jene Periode müßte - von dem Gesichtspunkt dieser Ritter vom gesunden und „einfachen" (!) Menschenverstand - umgekehrt die Krise entfernen. Es scheint also, daß die kapitalistische Produktion vom guten oder bösen Willen unabhängige Bedingungen einschließt, die jene relative Prosperität der Arbeiterklasse nur momentan zulassen, und zwar immer nur als Sturmvogel einer Krise.46)
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*Konsumart des Armen
Marx K., Engels F. Werke. Band 24. Dietz Verlag Berlin,1963. S.409-410.
«Pro tanto fließt das der Zirkulation des Mehrprodukts vorgeschoßne Geld - bei normalem Verlauf - an die verschiednen B's zurück, in derselben Proportion, worin sie solches zur Zirkulation ihrer respektiven Waren vorgeschossen haben» [1]
[Wir reden hier davon, dass Geld immer zu dem zurückkommt, der es in den Warenkreislauf (Produktion) geworfen hat. Wenn der Gläubiger der letzten Instanz Geld in den Umlauf wirft, dann wird das Geld unter allen anderen Bedingungen zu ihm zurückkehren... Wir sprechen auch von der Tatsache, dass, um den Umlauf einer neuen Masse produzierter Güter sicherzustellen, zuvor Es war notwendig, zusätzlich Gold aus den Minen zu gewinnen, das in Geld umgewandelt wurde.
In entwickelten Beziehungen werden Metallgeld, dann Papiergeld und später auch diese einfach durch einen Kredit vom Kreditgeber der letzten Instanz ersetzt. Ein Kredit, der genau der neu produzierten Gütermasse entspricht, da der Kredit nun als neues Geld fungiert.]
Der direkte Rückfluß des in variablem Kapital vorgeschoßnen Geldkapitals, der nur stattfindet für die Kapitalistenabteilung IIa, die notwendige Lebensmittel produziert, ist nur eine durch spezielle Bedingungen modifizierte Erscheinung des früher erwähnten allgemeinen Gesetzes, daß den Warenproduzenten, die der Zirkulation Geld vorschießen, selbes zurückkehrt bei normalem Verlauf der Warenzirkulation. Woraus beiläufig folgt, daß, wenn hinter dem Warenproduzenten überhaupt ein Geldkapitalist steht, der wieder dem industriellen Kapitalisten Geldkapital (in dem strengsten Sinne des Worts, also Kapitalwert in Geldform) vorschießt, der eigentliche Rückflußpunkt dieses Geldes die Tasche dieses Geldkapitalisten ist. In dieser Weise, obgleich das Geld durch alle Hände mehr oder weniger zirkuliert, gehört die Masse des zirkulierenden Geldes der in Form von Banken etc. organisierten und konzentrierten Abteilung des Geldkapitals; die Art, wie diese ihr Kapital vorschießt, bedingt den beständigen finalen Rückfluß in Geldform zu ihr, obgleich dies wieder vermittelt ist durch die Rückverwandlung des industriellen Kapitals in Geldkapital»[2].
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1.Marx K., Engels F. Werke. Band 24. Dietz Verlag Berlin,1963. S.496.
2.Marx K., Engels F. Werke. Band 24. Dietz Verlag Berlin,1963. S.411
Die Ursachen der Krise der Überproduktion werden durch die moderne organische Struktur des Kapitals bestimmt. Darüber hinaus wird die Krise durch die ungleiche Verwendung von Produktionsmitteln bestimmt, die Endverbrauchsgüter herstellen. Unter modernen Bedingungen handelt es sich dabei um Güter für den persönlichen und öffentlichen Konsum.
Die moderne Struktur der organischen Kapitalstruktur ab 1825 strebt danach, die menschliche körperliche Arbeit aus der materiellen Produktion zu verdrängen und gleichzeitig die Produktivität der menschlichen Arbeit mit jedem neuen Entwicklungszyklus um eine Größenordnung zu steigern. Dadurch steigen gleichzeitig die Kosten langlebiger Güter und sinken die Kosten alltäglicher Güter. In dieser widersprüchlichen Entwicklung des kapitalistischen Umsatzes kann eine Person, die im Vergleich zum vorherigen Technologiezyklus sogar mehr Einkommen als zuvor erhält, mit ihrem Lohn keine dauerhaften Güter kaufen, ohne auf Kredite zurückzugreifen. Jedes Mal erweisen sich langlebige Güter als „teuer“. Die gleiche Struktur der organischen Struktur des Kapitals erfordert eine Erhöhung des Anfangskapitals für die Gründung eines Unternehmens (Umsatz), was es dem Kleinkapital unmöglich macht, mit dem Großkapital zu konkurrieren, was die ohnehin schon gigantische Konzentration der Produktion und die Monopolisierung des gesamten Prozesses erhöht . [...]
Der ungleichmäßige Rückzug eines Teils des Geldkapitals aus der Zirkulation aufgrund der Notwendigkeit, die Produktionsmittel in der Abteilung II abzuwerten, festigt die Bedingungen für die Unvermeidlichkeit der nächsten Überproduktionskrise.
«Ist die kapitalistische Form der Reproduktion einmal beseitigt, so kommt die Sache darauf hinaus, daß die Größe des absterbenden und daher in natura zu ersetzenden Teils des fixen Kapitals (hier des in der Erzeugung der Konsumtionsmittel fungierenden) in verschiednen sukzessiven Jahren wechselt. Ist er in einem Jahr sehr groß (über die Durchschnittssterblichkeit, wie bei den Menschen), so im folgenden sicher um so geringer. Die zur jährlichen Produktion der Konsumtionsmittel nötige Masse von Rohstoffen, Halbfabrikaten und Hilfsstoffen - sonst gleichbleibende Umstände vorausgesetzt - nimmt deswegen nicht ab; die Gesamtproduktion der Produktionsmittel müßte also im einen Fall zunehmen, im andren abnehmen.
Diesem kann nur abgeholfen werden durch fortwährende relative Überproduktion; einerseits ein gewisses Quantum fixes Kapital, das mehr produziert wird, als direkt nötig ist; andrerseits und namentlich Vorrat von Rohstoff etc., der über die unmittelbaren jährlichen Bedürfnisse hinausgeht (dies gilt ganz besonders von Lebensmitteln). Solche Art Uberproduktion ist gleich mit Kontrolle der Gesellschaft über die gegenständlichen Mittel ihrer eignen Reproduktion. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aber ist sie ein anarchisches Element.
Dies Beispiel vom fixen Kapital - bei gleichbleibender Stufenleiter der Reproduktion - ist schlagend. Mißverhältnis1* in der Produktion von fixem und zirkulierendem Kapital ist einer der Lieblingsgründe der Ökonomen, um die Krisen zu erklären. Daß solches Mißverhältnis bei bloßer Erhaltung des fixen Kapitals entspringen kann und muß - ist ihnen etwas Neues; daß sie entspringen kann und muß bei Voraussetzung einer idealen Normalproduktion, bei einfacher Reproduktion des bereits fungierenden gesellschaftlichen Kapitals»[1].
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1.Marx K., Engels F. Werke. Band 24. Dietz Verlag Berlin,1963. S.464-465.