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So war sie eben. Mal nachdenklich, mal melancholisch, mal traurig, mal fröhlich. Heute war sie vor allem letzteres. Nach einem kleinen Pläuschchen mit ihrem Vater ging sie in ihr Zimmer zurück und zog sich um. Das Nachthemd im Schrank halbwegs sicher verwahrt, ihre gute Laune nochmals gesteigert und das Treppengeländer runtergerutscht, jeden auf ihrem kurzen Wege gegrüßt, einen kurzen Abstecher im Bad gemacht und ein paar freche Hühner vor die Tür gesetzt, stand Otte nun auf der obersten Stufe der Eingangstreppe. Die Arme ausgebreitet, die Augen geschlossen. Irgendwo sang sich ein Vogel auf eine wunderschöne Art und Weise die Seele aus dem Leib. Wenn man sich näher mit Ottes Tagesablauf befasst, wird man früher auf ein traditionelles Ritual zwischen ihr und dem Botenjungen Tujon stoßen: Dabei nimmt sie genau die selbe Pisition wie jetzt ein, öffnet für einen kurzen Augenblick scheinbar zufällig die Augen, welche sich bei dem ach so überraschenden Anblick Tujons mindestens auf das doppelte ausweiten damit *Tujon wird übrigens ebenfalls französisch ausgesprochen. Das heißt, dass aus dem „u“ ein „ü“ wird und dass das darauffolgende „j“ wie in „Jaques“ klingt. Bei der Endung „on“ wird das „n“ weggelassen, doch ich persönlich würde (wenn es elegant klingen soll) bei einem gewissen Nachgeschmack des „n“-s bleiben, etwa wie bei einem korrekt ausgesprochenen „Lyon. (Ihr könnt aber natürlich auch alle Bauerntrampel bleiben und „Tujo“ sagen, dass ist selbsverständlich euch überlassen!) Bitte übe das Ganze ein paarmal, bevor du weiterliest, denn weder meine Akteure noch ich selbst wertschätzen es, wenn Namen verballhaunzt werden.
Für alle, die wissenschaftliche Abhandlungen über fiktive Namen schätzen (und alle anderen), hier ein anderer unwichtiger Fakt: „Tujon“ ist die französiche Version des altungarischen „Tuzson“s. Der Namenstag ist am 19. Mai. sie schließlich voller Freude grinsen und auf ihn zurennt. Er breitet in dem Falle sogleich die Arme aus, vergisst dabei – natürlich wieder rein zufällig – dass er eine Stiege Erdbeeren auf dem Arm hat und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Ergebnis: 12 Gläser von Mariettas* feinstem Erdbeerkompott. Diesmal waren zwar keine Erdbeeren dabei und Tujon rettete erfolgreich ein paar Hühnern das Leben, als Otte mit einem Höllentempo auf ihn zu kam, um sich ihre wohlverdiente Umarmung trotz allem abzuholen.
*das ist die Köchin
Tujon war siebzehn doch die beiden kümmerten sich nicht um die drei Jahre Altersunterschied, denn er war in ebendiesen drei Jahren als Bote für alles mögliche ein sehr guter Freund Ottes geworden. Doch was war das? Er zog mit leidigem Gesicht seinen linken Arm zurück: Eine lange, ziemlich tief aussehende Wunde zog sich von seinem Handgelenk bis zu Ellenbogen hin. Man hatte die beiden wohl schon länger beobachtet, denn ein junger Mann und eine eher ältere* Dame ließen ihre Arbeit am Ziegen- und Schafstall links liegen und steuerten auf die beiden jugendlichen zu. „Ist es noch nicht besser geworden?“, erkundigte sich die Frau mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn. Tujon schüttelte den Kopf. „Eher noch schlechter.“ Außenstehende mögen jetzt den seichten Eindruck haben, es ginge hier um Tujons Verletzung (welche in Wirklichkeit gar nicht echt war, aber das wussten nur die wenigsten). Aber die vier sprachen nicht über die Wunde. Sie sprachen über viel brisantere Dinge.
*wir wollen ja höflich bleiben
Sie sprachen über Politik. „Ich denke manchmal ernsthaft darüber nach, ob ich mir nicht den Arm amputieren lassen soll.“ Was im ersten Moment mehr als langweilig klingt, ist auf nähere Recherchen hin bitterernst. Um Ottes Geschichte nämlich zu verstehen, muss man den Abschnitt in der Geschichte verstehen, in dem sie lebte. Da es ziemlich kompliziert ist, gebe ich hier einmal eine kurze Zusammenfassung mitsamt einer kleinen Zeichnung: [da ich keinen Bock hatte das einzuscannen, stellt euch hier eine superverwirrende schlampige Weltkarten-Zeichnung vor, mit vielen, vielen Pfeilen, Linien und farbigen Markierungen] Ihr seht, es ist ganz einfach. Aber was ist jetzt daran so schlimm? Nunja… Es geht nämlich nicht um die soundsovielte (Beliebiger-Ballsport-)Weltmeisterschaft, sondern um Länder, die einen neuen, weltweiten Krieg anzetteln wollen. Aber zum Glück ist es noch nicht so weit. Lassen wir uns zunächst politische Lage, Führung und mehr oder minder wahrscheinliche Bündnisse der jeweiligen Länder und Kontinente anschauen. Los gehts! Fortsetzung des Kapitels folgt