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Mit flinken Bewegungen kletterte sie an dem Seil herab, welches vom Dach das Hotels herunterhing. Nach dem 4. Stockwerk, an dem sie sich vorbeigehangelt hatte, stoppte sie und hing für einige Augenblicke regungslos in der Luft, bis das Seil aufhörte zu schwingen. Da klettern nicht grade zu ihren besten Eigenschaften gehörte, dauerte dies einige Sekunden. Geräuschlos sprang sie über das Geländer und landete auf dem breiten Fenstersims. Kurz grinste sie. Bis jetzt lief alles nach Plan. Aber das war ja auch einer der leichteren Teile des Abends gewesen. Mithilfe eines Hebels öffnete sie das Schiebefenster zur Wohnung und trat lautlos in die Suite. Da die Vorhänge zugezogen waren (und nicht direkt am Fenster hingen), entdeckte der Bewohner sie vorerst nicht. Ohne den festen Stoff zu berühren, beobachtete sie die beiden Personen im angrenzenden Zimmer. „Und ist sonst alles zu Ihrer Zufriedenheit?“, fragte der Page, welcher den neuen Gast zu dessen neuem Heim für die nächsten Tage geführt hatte. „Ja, alles bestens, Danke“, der Gast lächelte freundlich. „Haben sie vielleicht noch einen letzten Wunsch?“, der junge Bedienstete wollte offenbar noch auf etwas hinaus… Ungeduldig fuhr sich der Andere durch die Haare. „Nein, wirklich alles ist bester Ordnung. Sie können jetzt gehen.“, presste er zwischen den Lippen hervor und schob den Armen fast schon zur Tür hinaus.
Als die Tür schloss, wartete sie noch zehn Sekunden – dann konnte man halbwegs sicher sein, dass der Diener nicht mehr mitbekam, was in dem Zimmer ablief. Vorsichtig tastete sich nach dem Ende des Vorhangs, um sich später nicht zu verheddern – das hätte ihr ja die ganze Show vermasseln können. Schließlich hatte sie ihn aber fest in der Hand und sie zog den Vorhang geräuschvoll auf. „Tse, tse, tse. Wissen sie denn nicht, dass man zuvorkommendem Zimmerpersonal Trinkgeld zu geben pflegt?“ Der Fremde – er nahm sich grade ein Getränk aus der Minibar – fuhr herum. Als er sah, wer da grad elegant von hinten in seine Couch sprang, im sich dann dort breit zu machen, grinste er jedoch.„Wie schön, mal wieder Gäste zu haben. Was kann ich dir anbieten? Nara- oder Jaltomatasaft*?“ Sie schüttelte den Kopf. Auf der Stelle verblasste sein Lächeln. „Also, was willst du? Ich glaube nicht, dass du mitten in der Nacht hier eingebrochen bist, um dich mit mir über meine Manieren zu unterhalten – oder liege ich da etwa falsch?“ Er wandte sich kurz wieder seinem Getränk zu. Sie musterte ihn von hinten. „Nein. Auch wenn ich es zutiefst bedaure, Sie heute kennenlernen zu müssen, und das nicht schon vor zwanzig getan haben zu können. Wir hätten uns damals sicher gepflegter unterhalten können. Und ich müsste Ihnen dabei vielleicht nicht unbedingt eine meiner besten Fähigkeiten demonstrieren.“
Er drehte sich wieder um. „Ach ja?“ In seiner linken Hand hielt er eine NP-36. Zwar war sie nur für Betäubungspatronen gebaut (das erkannte sie sofort), doch diese konnten ein Kind für viele, viele Stunden in einen mehr als tiefen Schlaf schicken. In einem Moment des Schreckens weiteten sich ihre Augen. Innerlich fluchte sie. Natürlich hatte sie darauf geachtet, was er dort hinten getrieben hatte. Schon als er sich wieder zu der Minibar umgekehrt hatte, um sich etwas einzufüllen, war er ihr verdächtig vorgekommen. Allerdings hatte sie ihr Detektorsichtgerät nicht dabei - gut, sie hatte es vergessen – und so warhr einziges Mittel gewesen, auf seine Hände zu achten. Bzw. die Hand, welche sie für seine geschicktere Haupthand gehalten hatte – nämlich die Rechte und damit falsche. Sie fluchte erneut. Anfängerfeher. Aber es war zu spät, jetzt musste sie Handeln. „Vielleicht. Wissen sie, ich habe nämlich einen Hang zum Dart.“ Dann ging alles ganz schnell. Mit einem ausladenden Schwung zur Seite, um sich in die beste Abschussposition zu bringen. Seine kurzfristige Verdutztheit verschaffte ihr die nötige Zeit (einige Zehntelsekunden), um in Ruhe einen gekonnten Wurf zu landen. ZACK.
Der feuerrote Pfeil flog in grader Linie auf seine Hand zu. Doch anstatt sich in einen der Finger zu bohren traf er genau in den Zwischenraum zwischen Finger und Abschussbügel. Mit einem grade noch als elegant zu beschreibendem Bogen nagelte er die Waffe an die Wand. Da sie nur verschieden starke Giftpfeile zur Verfügung hatte, verunstaltete ein dünnes dunkelgrünes Rinnsal die dunkelgelbe Tapete. Er sah sie an und zog die Augenbraue hoch. „Geschickt. Du bist noch ziemlich jung. Erste Abzeit?“ Sie stand auf um den Pfeil aus der Wand zu ziehen. „Zweite, Vorprüfungen.“ „Sie müssen einen krassen Agentenmantel haben wenn sie jemanden wie dir meinen Fall anvertrauen.“ Sie schaute ihm in die Augen. Ihre Miene blieb ausdruckslos. Vielleicht vertrauen sie dir aber auch einfach. -fügte er in Gedanken hinzu. Sie lächelte kurz. „Wenn Sie dass sagen… Nun, ich habe den Auftrag, sie vorübergehend unschädlich für uns zu machen. Er grinste. „Lügnerin. Leute wie du haben keine Befugnis zum Töten.“ Sie fuhr herum (kurz davor hatte sie sich zum Fenster gewandt) denn durch die Spiegelung im Glas hatte sie sie bemerkt, dass ihr „hintenüber“ ihr bedrohlich nahe gekommen war. „Wer hat denn etwas von Töten gesagt, William Morton, zweiter Anführer des sogenannten WgdR, dem Wiederstand gegen die Regierung, der – Stand heute – etwa 37 Personen des eigenen Landes auf dem Gewissen hat. Er öffnete den Mund, als wollte er äbfällig noch etwas erwidern, doch bei ihr war es langam aus mit der Geduld. Und so war das Letzte, was William sah, ein giftgrüner Pfeil welcher mit einer rasenden Geschwindigkeit auf ihn zu kam.