1874 (27. August)
Geburt in Köln als Sohn eines wohlhabenden Gas- und Wasserinstallateurs. Früh zeigte er Interesse an Natur und Technik.
1893–1898
Studium der Chemie, Metallurgie und Maschinenbau in Leipzig und Berlin. Promotion in Chemie bei Johannes Wislicenus in Leipzig.
1899
Eintritt in die BASF in Ludwigshafen. Erste Tätigkeiten in Forschungslaboren, später zunehmend in technischen Großprojekten.
1908–1913
Zusammenarbeit mit Fritz Haber zur großtechnischen Umsetzung der Ammoniaksynthese. Bosch entwickelt die Hochdrucktechnik, die die industrielle Produktion von Ammoniak ermöglicht.
1913 geht die erste Anlage in Oppau in Betrieb – der Beginn des Haber-Bosch-Verfahrens, das die weltweite Düngemittelversorgung revolutioniert.
1919
Bosch wird Vorstandsmitglied bei der BASF, kurz darauf deren Vorstandsvorsitzender.
1925
Mitbegründer der IG Farben AG (Zusammenschluss mehrerer deutscher Chemiekonzerne). Bosch wird erster Vorstandsvorsitzender, später Aufsichtsratsvorsitzender.
1920er Jahre – Privatleben & Naturwissenschaftliche Leidenschaft
Bosch lässt sich in Heidelberg, Schloss-Wolfsbrunnenweg, eine prächtige Villa errichten (später „Villa Bosch“). Dort entstehen:
Errichtung seiner ersten Sternwarte auf seinem Heidelberger Villen-Gelände mit einem 11 cm Fernrohr von Zeiss
1924 Beauftragung der Fa. Zeiss zum Bau eines großen Refraktor mit 30 cm Öffnung und 5 m Brennweite, samt weiteren Instrumenten für Astrofotografie und Spektroskopie, Kosten: 68.000 Goldmark.
1927 First Light des Refraktors mit 30 cm Öffnung
Bosch beschäftigte den Studenten Bernhard Timm zur "Betreuung" der Sternwarte zwecks astronomischer Fotografie, Erstellung und Dokumentation von Spektralaufnahmen und Sternen mit Farbfiltern zur Bestimmung der Oberflächentemperatur. Bernhard Timm wurde ein späterer Nachfolger von Bosch als Vorstandsvorsitzender der BASF.
ein eigenes Naturkundemuseum für seine Sammlungen (Insekten, Mineralien, Pflanzen),
eine umfangreiche Bibliothek.
1931
Verleihung des Nobelpreises für Chemie gemeinsam mit Friedrich Bergius für Beiträge zur Hochdruckchemie.
1930er Jahre
Bosch übernimmt die Präsidentschaft der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute Max-Planck-Gesellschaft).
Gesundheitlich schwer angeschlagen (Bluthochdruck, Depressionen), zieht er sich schrittweise aus der Industrie zurück.
Seine naturwissenschaftlichen Leidenschaften – Astronomie, Botanik, Zoologie, Mineralogie – bleiben sein Ausgleich.
Seine Sammlungen (z. B. ein Herbarium mit rund 17.000 Belegen) zählen zu den bedeutendsten privaten Beständen der Zeit.
1940 (26. April)
Tod in Heidelberg im Alter von 65 Jahren.
Seine Sternwarte wird nach seinem Tod nicht mehr genutzt; das Zeiss-Teleskop bleibt eingelagert, bis es 1955 nach Tübingen kommt.
1998
Eröffnung des Carl Bosch Museums Heidelberg im ehemaligen Garagenhaus der Villa Bosch. Das Museum zeigt sein Leben als Nobelpreisträger, Industrieller, Sammler und begeisterter Amateur-Astronom.
Astronomie: Aufbau einer der größten privaten Sternwarten Deutschlands seiner Zeit; Einsatz modernster Zeiss-Optik für Fotografie und Spektroskopie.
Botanik: Sammlung mit rund 17.000 Pflanzenbelegen (heute größtenteils im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt).
Zoologie: Begeisterter Insekten- und Schmetterlingssammler.
Mineralogie: Umfangreiche Mineral- und Gesteinssammlung.
👉 Carl Bosch war nicht nur ein Nobelpreisträger und Industriechef, sondern auch ein leidenschaftlicher Naturforscher im Privaten – seine Sternwarte in Heidelberg und die später nach Tübingen gelangten Zeiss-Teleskope sind heute ein faszinierendes Zeugnis dieser Leidenschaft.