Gewalt gegen Frauen

Lernen Sie, sich zu wehren! Selbstverteidigung für Frauen

„Mir kann das nicht passieren!“ – wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört? Und wie falsch ist er! Jede Frau kann ein Opfer von Gewalt werden. Darum ist es besonders wichtig, zu lernen, wie man sich verteidigt und wehrt. Wir möchten uns daher mit dem Thema „Selbstverteidigung für Frauen“ beschäftigen und über Grundlagen und Verteidigungsmethoden informieren, die Ihnen helfen sollen, einen Einblick in die Thematik zu erhalten.

Vielleicht haben Sie danach ja Lust, einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen und zu lernen, wie Sie der Gefahr eines Angriffs entgegentreten können. Wir würden uns freuen!

Gewalt gegen Frauen in Deutschland

Gewalt gegen Frauen ist weltweit ein großes Thema. Etwa jede 3. Frau in Deutschland macht laut offizieller Statistiken in ihrem Leben Gewalterfahrungen.

Laut einer Umfrage der „Brigitte“ fürchten sich 23% der befragten Frauen vor Gewalt:

Und die Angst ist nicht unbegründet. Besonders Sexualdelikte haben laut Bundeskriminalamt gegenüber Frauen nicht nur in Hamburg und Köln oder München in den letzten Jahren zugenommen:

Im Gegensatz dazu ist die Zahl anderer Delikte gesunken.

Leider lässt sich laut Statistiken des Bundeskriminalamtes auch belegen, dass immer noch die meisten Sexualverbrechen an Frauen von Verwandten und Bekannten verübt werden:

Das macht es für viele Frauen besonders schwer, sich zu wehren. Daher nehmen sich immer mehr Organisationen dieses Themas an und rufen Frauen auf, sich zu verteidigen, wie z.B. die Aktion „One billion rising“, die seit 2012 weltweit zum „Nein!“ zu Gewalt gegen Frauen aufruft.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Aktion „Gewalt gegen Frauen – Nicht mit uns!“ ins Leben gerufen, der Mädchen und Frauen aufruft, an Selbstverteidigungskursen teilzunehmen:

Quelle : Frauenparadis

Link: http://www.frauenparadies.de

Quelle : Frauenparadis

Quelle : Frauenparadis

Jeder hat das Recht auf Selbstverteidigung

Rechtliche Grundlage für die Selbstverteidigung ist der „Notwehrparagraph“, § 32 StGB. Dieser erlaubt jedem Bürger die Verteidigung in Notwehr:

„(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtwidrig.“

„ (2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“

Die Definition der Notwehr ist also Auslegungssache. Ist Ihr Angreifer Ihnen körperlich überlegen, haben Sie aber jedes Recht, sich mit allen Mitteln zu verteidigen, um sich selbst zu schützen, auch wenn Sie dabei unter Umständen die Grenzen der Notwehr überschreiten, denn §33 StGB besagt:

„Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.“

Es handelt sich dann um einen Notwehrexzess, der unbedingt vermieden werden sollte, vor allem, wenn Sie ein Selbstverteidigungssystem gut beherrschen. Ein Blackout kann allerdings in einer Paniksituation immer passieren und so sind Opfer von Gewalt, die sich gegen einen rechtswidrigen Angriff wehren, aber die Situation falsch einschätzen und überreagieren, vor Bestrafung in der Regel geschützt.

Legale Selbstverteidigungswaffen im Überblick

In Deutschland sind einige Hilfsmittel zur Selbstverteidigung legal, allerdings nicht immer empfehlenswert. Oft besteht auch für das Opfer eines Angriffs ein erhöhtes Verletzungsrisiko oder die Wirksamkeit der „Waffe“ ist im Ernstfall fraglich.

Wir möchten uns die legalen Selbstverteidigungswaffen genauer ansehen und den Nutzen zur Selbstverteidigung für Frauen beleuchten.

In Deutschland sind der Besitz von

  • CS-Gas,
  • Pfefferspray,
  • Gaspistolen,
  • Elektroschockern,
  • Schlagstöcken,
  • Kubotan und
  • Hand-Alarmgeräten

legal. Außerdem sind feststehende Messer erlaubt, deren Klinge eine Länge von 12 cm nicht überschreitet. Zudem sind Geräte wie z.B. taktische Taschenlampen, die aus dem Polizeidienst bekannt sind, und Selbstverteidigungsschirme erlaubt. Sie werden allerdings gerade von Frauen selten genutzt und sind eher bei Kampfsportlern beliebt.

Interessant zur Überführung eines Gewalttäters sind Farb Gel-Sprays. Diese richten zwar keinen Schaden an, wie es z.B. das CS-Gas tut, markieren aber den Angreifer mit einer Farbe, die für mehrere Tage weder von der Kleidung noch von der Haut zu entfernen ist. Die Polizei hat so die Möglichkeit, Täter schnell zu überführen.

Alle aufgeführten legalen Waffen haben ihre Funktion zur Selbstverteidigung, haben aber auch bedeutende Nachteile. Hier eine Nutzen-Risiken-Aufstellung:

VorteileNachteile

CS-Gas

  • Angreifer wird sofort durch Reizung der Augen und Atemwege außer Gefecht gesetzt
  • mit Prüfzeichen ab 14 Jahren erlaubt
  • wirkt bei 20% der Menschen nicht oder nur eingeschränkt
  • große Gefahr der Selbstverletzung
  • kann gefährliche Allergien auslösen
  • kann nicht in geschlossene Räumen eingesetzt werden

Pfefferspray

  • sofortige Reizung der Augen und Schleimhäute
  • kann nicht in geschlossenen Räumen eingesetzt werden

Gaspistole

  • sieht aus wie eine echte Waffe
  • sieht aus wie eine echte Waffe, kann zur Eskalation führen
  • erhebliche Verletzungsgefahr für den Angreifer
  • kann nicht in geschlossenen Räumen eingesetzt werden
  • Sie benötigen zum Mitführen den kleinen Waffenschein

Elektroschocker

  • macht einen Angreifer sofort kampfunfähig
  • kann nur im Nahkampf eingesetzt werden
  • kann tödlich sein

Schlagstock

  • große Schlagkraft
  • unhandlich und nichts für Anfänger
  • Achtung bei Schlagstöcken: Der Besitz ist legal, das Mitführen in der Öffentlichkeit jedoch nicht!

Kubotan

  • klein und handlich
  • eine effektive Selbstverteidigung braucht Übung

Hand-Alarmgerät

  • klein, handlich und sehr laut
  • auch bei Tieren, z.B. Hunden wirksam
  • keine Gefahr der Selbstverletzung
  • können einen Angreifer nur erschrecken, nicht verletzen
  • in abgelegenen Gebieten nutzlos

Das größte Risiko liegt aber darin, dass jede Waffe, die Sie benutzen, auch gegen Sie gerichtet werden kann. Daher: Vorsicht im Umgang mit Waffen, auch wenn sie legal sind. Besser ist es, sich einfache Techniken selber anzueignen. Tipps zur Selbstverteidigung für Frauen finden Sie in unserem Beitrag „Die besten Tricks und Tipps zur Selbstverteidigung“.

Auch im Vergleich können viele Selbstverteidigungswaffen nicht punkten. Im Video werden Pfefferspray, Elektroschocker, Schreckschuss-Pistole, Self Defense Stick und die Verwendung von Alltagsgegenständen im Alltag getestet:

Es lässt sich also grundsätzlich sagen, dass die Verwendung von Waffen zur Selbstverteidigung für Frauen nicht immer hilfreich ist. Meistens lenkt z.B. das „aus der Tasche holen“ vom eigentlichen Angriff ab und kostet wertvolle Sekunden.

Ein ausgereiftes Selbstverteidigungssystem zu erlernen hingegen gibt Ihnen die Möglichkeit, direkt auf einen Übergriff zu reagieren. Unserer Meinung nach die bessere Variante der Gegenwehr.

Lernen Sie, sich selbst zu verteidigen!

In Deutschland gibt es in jeder Stadt die Möglichkeit, Selbstverteidigung zu erlernen. Wichtig ist, sich für seriöse Angebote zu entscheiden, in denen Techniken beigebracht werden, die auch im Ernstfall anwendbar sind. Unser Einblick in die Grundlagen der „Selbstverteidigung für Frauen“ soll dabei möglichst gut helfen, den richtigen Kurs vor Ort zu finden.

Selbstverteidigung für Frauen ist reine Physik

Wer die Logik eines Kampfes verstehen will, um diese möglichst effektiv einzusetzen, sollte sich mit Physik auseinandersetzen. Denn gerade ein Kampf zwischen ungleichen Gegnern, wie es besonders bei gewaltsamen Übergriffen der Fall ist, benötigt Tricks und Techniken, die einen

  • Größen-,
  • Gewichts- oder
  • Kraftunterschied

ausgleichen.

Sie müssen keine Formeln lernen, um Selbstverteidigung anzuwenden. Es ist aber hilfreich zu wissen, welche physikalischen Regeln im Kampf genutzt werden. Wenn Sie die Logik von Hebelwirkung, kinetischer Energie und vielen anderen physikalischen Gesetzen verstanden haben, können Sie gelernte Verteidigungstechniken wesentlich erfolgreicher einsetzen.

Psychische Selbstverteidigung für Frauen – Überlegenheit durch Selbstbewusstsein

Eines werden sie in jedem Selbstverteidigungskurs lernen: Die wichtigste Voraussetzung der Selbstverteidigung für Frauen ist nicht die Kraft oder das Gewicht, sondern das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, sich überhaupt zu wehren. Frauen fallen oft in eine Schockstarre, anstatt Stärke zu zeigen. Deswegen wird in solchen Kursen auch geübt, einen Angreifer selbstbewusst anzusprechen und mit lauter Stimme abzuweisen. So kann man oft von vorneherein Gewalt entgegenwirken.

Mit einem starken Auftreten fällt es Ihnen leichter, verbal Ihre Grenzen aufzuzeigen. Behalten Sie immer im Kopf: Täter suchen sich Opfer, keine Gegner. Sobald Sie nicht wie ein Opfer auftreten und sich nichts gefallen lassen, können Sie Situationen von Anfang an entschärfen.

Aber selbst wenn es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, schöpfen Sie aus Ihrem Kampfgeist – Sie sind nur so stark, wie Sie es sich zutrauen!

Selbstverteidigungskurse müssen effektiv sein

Natürlich können Sie jeden Kampfsport auch zur Selbstverteidigung erlernen, aber wie schon erwähnt: Die Fähigkeit einen Gegner in kürzester Zeit kampfunfähig zu machen, erlernen Sie schneller und effektiver bei dauerhaften Selbstverteidigungskursen. Und: „Übung macht den Meister!“

In Kursen trainieren Sie Möglichkeiten der Deeskalation und Vermeidung des Kampfes und einfache, aber wirkungsvolle Methoden, den Gegner schnell außer Gefecht zu setzen. Bei der Verteidigung können auch Alltagsgegenstände, wie Schirme oder Schuhe, als Waffe zum Einsatz kommen. Alles, was Sie bei sich tragen oder in direkter Umgebung finden, ist also zur Verteidigung brauchbar, Sie müssen nur lernen, wie Sie damit kämpfen können.

Dauerhaft einen Selbstverteidigungskurs belegen

Und so wie der DOSB rufen auch wir zur Selbstverteidigung auf. Sie brauchen weder besondere sportliche Vorkenntnisse, noch das „Idealgewicht“. Jeder kann Selbstverteidigung erlernen. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass Sie bei regelmäßigem Training auch die körperliche Kondition verbessern.

Der wichtigste Grund, einen Kurs zu belegen, sollte allerdings die Verbesserung der Fähigkeiten zur Selbstverteidigung sein. Jede Frau kann sich wehren! Wenn Sie nur gut genug ausgebildet ist. Wir raten dazu, nicht nur einen Wochenendkurs zu belegen, denn einfache Grundtechniken, die nicht dauerhaft geübt werden, werden Ihnen wenig nutzen, wenn Sie angegriffen werden.

Selbstverteidigung bedeutet aber nicht nur, sich körperlich zu wehren, sondern auch, einen Kampf von Grund auf zu verhindern, z.B. durch den Mut, sich lautstark verbal zu wehren, schon bevor es zu körperlichen Übergriffen kommt oder den Angreifer durch offensives und selbstbewusstes Auftreten zu verunsichern. Auch das will gelernt sein.

Denn gerade wenn Sie Ihrem Gegner körperlich unterlegen sind, ist es oberstes Ziel, einem Kampf aus dem Weg zu geben. Übrigens ein wichtiger Grundsatz der Kampfkunst:

„Die höchste aller Leistungen ist, den Gegner zu unterwerfen, ohne mit ihm zu kämpfen.“

Eine weise Aussage vom chinesischen Feldherrn Sun Zi, die Sie beherzigen sollten.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstverteidigung und Kampfsport?

Allerdings besteht ein grundlegender Unterschied zwischen Selbstverteidigung und Kampfsport. Selbstverteidigung ist auf Effizienz ausgerichtet. Man lernt, den Gegner in kürzester Zeit auszuschalten, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Kampfsport hingegen ist auf den Wettbewerb ausgerichtet und wie der englische Name „martial arts“ schon sagt, eine Kunstform des Kampfes, die besonderen Wert auf Ästhetik legt. Hier soll niemand ernsthaft verletzt werden, auch wenn viele Kampfsportler dazu in der Lage wären. Man setzt eine erlernte Technik ein, die im Regelwerk klar abgesteckt ist, wie z.B. beim Boxen.

Eine Selbstverteidigungsform wird Ihnen also im Ernstfall eher helfen, da Sie unterschiedlichste Methoden lernen, Ihr Leben zu verteidigen. Denn „In der Selbstverteidigung gibt es keine Fairness“


Quelle : www.Frauenparadis.de