Zuchtgeschichte

Zuchtgeschichte:

Die Geschichte des Lehmkuhlener Ponys beginnt zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Gut Lehmkuhlen der Baronin Agnes von Donner in der Nähe 

von Preetz, Schleswig-Holstein. Sie züchtete anfangs Ponys für ihre Kinder als edle Adelsreitponys, später entwickelte sie eine eigene Rasse daraus.


Herrenhaus auf Gut Lehmkuhlen (Foto: www.wikipedia.de)

Mit dem Erwerb des Hengstes „Marquis Ito“ sowie einigen Stuten der Rasse Dülmener Wildpferd aus dem Bestand des Herzoges von Croy, mit dem die 

Baronin befreundet war, sowie einigen englischen und Beutestuten wurden schließlich die ersten Zuchtversuche unternommen. Von Anfang an führte 

die Baronin ein handschriftliches Zuchtbuch. Zunächst züchtete sie für den Eigenbedarf, später verschenkte sie regelmäßig Ponys an befreundete 

Adelsfamilien. Die schicken Ponys erfreuten sich schnell wachsender Beliebtheit.

Die Zucht entwickelte sich so prächtig, dass schon bald zwischen 60 und 80 Ponys auf den Weiden in Lehmkuhlen lebten. Die Rasse war später sogar anerkannt und die Ponys wurden ab 1936 im neu angelegten Ponystutbuch des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung Deutschen Warmbluts registriert und eingetragen, ab 1942/1943 im Deutschen Kleinpferdestammbuch beim Verband der Kleinpferdezüchter Deutschlands e. V. zusammen mit den Dülmener Wildpferden und ab 1947 im Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V.

Aus wirtschaftlichen Gründen musste das Gut Lehmkuhlen 1953 verkauft werden und mit ihm auch die Lehmkuhlener Ponyzucht. Allerdings wurden Reitponys in der Nachkriegszeit nicht nachgefragt, sondern der Staat favorisierte schwere Norwegische Fjordpferde für den Wiederaufbau. Die Ponys verteilten sich in ganz Deutschland. Somit stand das Lehmkuhlener Pony vor dem Aussterben. In der ehemaligen DDR wurden zwar einige Lehmkuhlener Ponys für die Zucht des DDR-Kleinpferdes herangezogen, allerdings keine Reinzucht betrieben. Sogar die Deutsche Reiterliche Vereinigung führte die Rasse als ausgestorben, nachdem der letzte größere Züchter, Hans Kurt von Eben, aus dem Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg ausstieg.

Das das Lehmkuhlener Pony bis heute als Rasse erhalten werden konnte, ist insbesondere 3 namhaften Züchtern zu verdanken: Hans Kurt von Eben, Götz von Donner und Friedrich Lilienthal.

Zu den Rettern der ersten Stunde gehört insbesondere Hans Kurt von Eben aus Niederkleveez, denn er konnte 1964 durch Zufall den Lehmkuhlener Hengst „Sirius“ sowie eine gescheckte Stute mit viel Lehmkuhlener-Blut aus der Zucht des Gestüts Seegalendorf erwerben. Da seine Zucht nur sehr klein war und er Inzuchtdepressionen vermeiden wollte, hat er zur Blutauffrischung, ähnlich wie früher schon Baronin von Donner, Hengste der Rassen Welsh Pony und Dülmener Wildpferd eingesetzt. Seine Ponys wurden anfangs beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. eingetragen und gekört, aber er meldete sie aus finanziellen Gründen bezüglich der hohen Mitgliedspreise, Körgelder etc. ab, sodass die Rasse seitdem von der FN als ausgestorben galt. Er setzte sich allerdings mit der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e. V. in Verbindung, sodass das Lehmkuhlener Pony auf die rote Liste der bedrohten Pferderassen aufgenommen wurde. Er führte die Lehmkuhlener Zucht bis zu seinem Tod im Jahr 2002 fort.

Nach dem Tod von Hans Kurt von Eben blieb ein kleiner Teil seiner Zuchtherde bei seiner Schwester, Britta von Busse, die auch noch heute Lehmkuhlener Ponys züchtet, und der Junghengst „Ito II“ ging an die damalge Pflegerin der Ponys, Katrin Ruser, aber auch Götz von Donner erwarb aus der Zucht von Hans Kurt von Eben den Deckhengst „Seidlitz“ sowie einige Zuchtstuten und wollte die von seiner Großmutter Agnes von Donner gegründete Rasse auf seinem Galloway-Hof weiterzüchten und bewahren. Er arbeitete ein Zuchtziel aus und führte das von seiner Großmutter und Hans Kurt von Eben handschriftlich geführte Zuchtbuch weiter. Es waren vor allem Nostalgiegründe, die ihn dazu bewegten, die Ponyzucht weiterzuführen.

Götz von Donner arbeitete schließlich mit Matthias Vogt, den damaligen Berater für Pferderassen bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH), zusammen, welcher sich sehr für die Rasse einsetzte und nach weiteren Resten der Lehmkuhlener zu suchen begann und bemüht war, einen Zuchtverband zu finden, der die Rasse wieder anerkennt. Matthias Vogt sammelte innerhalb von ein paar Jahren Unmengen an Informationen, fotografierte und katalogisierte alle noch lebenden Lehmkuhlener Ponys, die er ausfindig machen konnte, brachte verschollene Ponys aus Bayern zurück nach Schleswig-Holstein und führte Gespräche mit dem Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. für eine Rasseanerkennung. Allerdings weigerte sich der Zuchtverband, die Lehmkuhlener Ponys aufzunehmen, mit folgender Begründung:

1.) die Zuchtpopulation sei zu klein, um die Rasse noch zu retten

2.) die handschriftlich geführten Zuchtbücher seien nicht richtig geführt worden

3.) die Rasse führe zu viel Welsh-Blut (obwohl das Welsh-Blut schon seit Anbeginn der Zucht in der Rasse immer vorhanden war)

4.) der Verband sähe kein Einsatzgebiet und keinen Markt für die Rasse, da andere populärere Rassen vorhanden wären, welche sich besser als Reitponys eignen

Jasper Nissen, einer der führenden deutschen Hippologen, fasste die Situation in der Lehmkuhlener Pony-Zucht in seinem Buch "Enzyklopädie der Pferderassen Band 1" (1997 erschienen beim Frankh-Kosmos-Verlag) wie folgt zusammen: "Es ist kaum glaublich, was, nicht etwa durch die Einwirkungen des 2. Weltkrieges, die zerstörend genug gewesen waren, sondern in der Nachkriegszeit durch behördliche Fehlentscheidungen und obrigkeitliche Anmaßung und Überheblichkeit an Kulturgut in Schleswig-Holstein vernichtet worden ist."

Neben Hans Kurt von Eben und Götz von Donner bemühte sich auch Friedrich Lilienthal aus St. Peter-Ording um die Zucht der Lehmkuhlener Ponys. Er sah Ponys dieser Rasse erstmals auf einem Turnier in den 1950er Jahren in der Ostseehalle in Kiel. Er sah wie ein Gespann Lehmkuhlener-Rapp-Hengste, aus dem Besitz der Spedition Neelsen, im wilden Trab und Galopp den Boden der Ostseehalle eggten. Er setzte sich das Ziel, die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren und versuchte lange, der Spedition Neelsen einige Ponys abzu-kaufen. Aber die Ponys waren unverkäuflich, doch es gelang ihm durch viel Überredungs-kunst, den Lehmkuhlener Hengst „Pascha“ zu erwerben, denn dieser war strassenlahm, sowie einige Stuten. Er versuchte, den Hengst beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. kören zu lassen, allerdings weigerte sich der Verband, den Hengst zu kören, weil damals kein Bedarf an Reitponys herrschte, sondern die Zucht von schweren Norwegischen Fjordpferden gefördert wurde. Somit musste er ohne Zuchtverband weiterzüchten. Allerdings hatte Friedrich Lilienthal ebenfalls wie Hans Kurt von Eben eine sehr kleine Zuchtbasis, des-halb entschied er, um zu starke Inzucht zu vermeiden, den kleinen Vollblutaraber-Hengst „Kadett ox“ sowie den Holsteiner-Hengst "Vinci" einzusetzen. Diese beiden bewährten sich in der Zucht, sodass er den Ponytyp beibehielt, die Ponys aber ein wenig größer wurden mit mehr Springvermögen. Doch er experimentierte weiter mit anderen Fremd-Hengsten, was dazu führte, dass die Lehmkuhlener Ponys seiner Zucht sich stark vom ursprünglichen Zuchtziel entfernten. Aus Altersgründen musste er schließlich die Zucht gegen Ende der 1990er Jahre einstellen und einen Teil seiner Herde von fast 30 Ponys verkaufen. Die restlichen Ponys blieben bei seinem Sohn Olaf Lilienthal, welcher die Zucht seines inzwischen verstorbenen Vaters weiterführt und zusätzlich noch Deutsche und Dänische Reitponys einkreuzte.

Zur Zeit gibt es 25 reine Lehmkuhler Ponys (wobei bei einigen Stuten der Verbleib unklar ist) plus zwei verkreuzte Tiere aus der Lilienthalschen Zucht sowie einen alten Welsh Sektion A-Hengst, der in der Rasse seine eigene Hengstlinie gründete, also eine extrem kleine Zuchtbasis. Es fehlt immer noch ein Zuchtverband, der die Rasse aufnimmt und wieder anerkennt. Die FN schweigt weiterhin und führt die Rasse als ausgestorben. 


Bestand Lehmkuhlener Ponys 2014



Comments