Anjas Ameland-Aufenthalt
Wenn man sich abends in Bayern ins Auto setzt und losfährt, in der Nacht zwischen Süd und Nord ein paar Stunden schläft, dann kann man beim Aufwachen bereits in den grünen Ebenen der Niederlande sein.
Doch die Niederlande war uns nicht genug, wir wollten nach Ameland. Einem kleinen unbeugsamen Flecken der Erde, der nicht einsieht, warum er sich ans Festland binden soll und lieber im Meer umhertreibt.
Ein Flecken Erde mit 4 Nestern, wobei das eigentliche Nes(t) die City der Insel ist und mindestens einen großen Supermarkt vorweisen kann, auch wenn der kein Draken-Vla im Angebot hat.
Nicht weit von Vla, äh nein von Nes ist das kleinere Örtchen Buren. Dort wacht die Rixt von Oerd – eine sagenumwobene Alte von Ameland - über die Bürger, so dass es für Touristen ratsam ist, lieber etwas weiter ausserhalb zu kampieren. Für solche Zwecke wurde das Feriencamp Klein Vaarwater hochgezogen, inklusive Supermarkt, Souvenir-Laden, Restaurant, Sport- und Schwimmhalle. Ein Mikrokosmos, der genau der richtige Ort für Moderne Schwertkämpfer ist um sich ehrgeizige 6 Stunden am Tag strebsamst dem Sport hinzugeben.
10 Tage lang sollte für meine lieben Schwertkünstler das Training um 8 Uhr losgehen. Das bedeutete, dass sie mindestens 5 Minuten vorher hätten wach werden, sich für’s Aufstehen entscheiden und halbwegs pünktlich in der Sporthalle auftauchen müssen. Ist aber nicht so einfach, wenn sich der eine oder andere die Nacht regelmäßig bis 3 Uhr in der Früh um die Ohren schlägt und sich dann auch noch das Badezimmer mit 5 weiteren genauso gebeutelten Frühmorgen-Kreaturen teilen soll. Da kann es dann mit Verlauf der Woche zu einem personellen Schwund in der Halle kommen.
Apropros personeller Schwund: Unsere göttliche Leitgestalt Matthias B. hatte uns wegen gesundheitlich ernsthafter Unpässlichkeit mit dem Ameländer Schicksal allein gelassen. Dadurch konnten die vielen Neugierigen unter uns noch immer keinen Blick auf seine Göttergattin werfen, die ihm daheim Gesellschaft leistete. Götterbote Lutz versuchte nun mit dem Rest der olympischen Helden Alex, Flo und Co. das Sommercamp trotzdem zur Abenteuerlegende werden zu lassen. Ob sie es geschafft haben, müssen ihre Untertanen entscheiden, denn dem aktiven Sport habe ich aus Prinzip nicht beigewohnt.
Vom Hörensagen weiß ich, dass jede morgendliche Trainingseinheit mit einer Tai-Chi-Stunde begann. Energiesammeln um auf zu wachen. Oder aufwachen um festzustellen, dass Lutz einem gerade einen Knoten in den Körper erklärt hat. Ansonsten haben sie wie auch sonst immer ganz viele und ganz coole Sachen mit dem Schwert gemacht. Besondere Höhepunkte waren vermutlich die praktische Umsetzung des Czynner Buches und die Erfindung der Show-Form, denn beide Themen wurden auch während der Freizeit häufig diskutiert. Jeder Ameländer MSK-Teilnehmer weiß jetzt, dass das Schwert immer vor dem Wichtel zu halten ist und dass kein Gang zur Toilette erforderlich ist, wenn der Trainer „Pys behend!“ ruft.
Alles in allem klagte der eine oder andere über Muskelkater. Aber da ging es nur darum, Mitleid zu erregen um in einer Kuschelstunde mit Massage und Streicheleinheiten gehegt und gepflegt zu werden. Denn trotz der Schmerzen wurde weiter trainiert. Meine fleißigen Streber von MSKlern; manchmal machen sie mir richtig Angst mit ihrer Ausdauer beim Trainieren!
Ein Tag hat 24 Stunden. Davon durfte ich auf Ameland meistens 7-9 Stunden nachts schlafen, tagsüber 6 Stunden -während der 2 Trainigseinheiten- mich selbst unterhalten und ansonsten waren ständig Leute um mich herum. 10 Tage á 10 Stunden mit regelmäßig wenigstens 5 Leuten um mich herum, das grenzte an Ferienlagerzustände, außer dass ich das ständige Überprüfen und Zählen der Anwesenden weglassen konnte.
Am Donnerstag litt ich dann am Lagerkoller, meine Ausbrüche seien mir verziehen...
Sonntags genossen wir den einzigen echten Sommertag während unseres Ameland-Aufenthaltes. Jeder dritte von uns holte sich auch gleich ein bisschen Sonnenbrand um zuhause damit angeben zu können, was für herrliches Strandwetter wir gehabt hätten. Der Rest der Woche war dann klassisches Nordsee-Küstenwetter. Eine geradezu gleichmäßig abgestimmter Mix aus Sonne, Wolken, Wind und Regen. Sonne, Wolken, Wind und Regen. Sonne, Wolken, Wind und Regen... Naja, ich glaube, jetzt habt ihr den Rhythmus kapiert.
Doch das sollte uns von kleineren Touren nicht abhalten, die meistens jedenfalls nicht. Am Montag lieh ich mir für die Ameländer Woche ein Fahrrad, damit sich die Kleine Miss (mein Auto!) von ihrer strapaziösen 1000-km-Tour erholen konnte. Damit stand ich wohl ziemlich allein da. Sobald einer meiner MSK-ler nach Nes oder so wollte, nahm er das Auto. Nur selten ging man zu Fuß. Diesen Luxus gönnten sich meine sportambitionierten, verwöhnten MSKler dann doch.
Nur eine kleine Gruppe von auserwählten durchhaltefähigen Spaziertalenten traute sich zu Fuß die ca. 4 km Strand-Strecke von Buren nach Nes zu laufen. Alex machte uns den Karate-Kranich mehr schlecht als recht, dafür hatten wir mehrere Supermans im fliegenden Umhang.
Der Rückweg wurde dann doch mit dem Auto bewältigt, angeblich weil die MSKler nicht pünktlich zur zweiten Trainingseinheit in der Bungalow-Anlage gewesen wäre. Na klar!
Dienstags wurde die Freizeit zwischen den Trainingseinheiten für einen Besuch im berühmt berüchtigten Pfannekoeken-Haus in Hollum genutzt. Da Sebastian und Sabine aber anschließend ihre 2.-Grad-Prüfung absolvieren sollten, durften die 2 nicht mit und so blieben ihr Trainer Flo und ich (als Sebastians persönlicher Groupie) aus Solidarität bei ihnen und versuchten sie nicht noch nervöser zu machen, als sie bereits waren.
Natürlich war der Nervositäts-geflashte Adrenalinspiegel nur so hoch um ihre Leistungsfähigkeit oben zu halten, denn wie nicht anders zu erwarten, haben beide die Prüfung mit Bravour bestanden. Das sollte und musste natürlich anständig gefeiert werden. Also fuhr (es hat leider zu diesem Zeitpunkt sehr geregnet) die komplette Bungalow 135-Kompanie nach Nes und ging in ein hübsches Restaurant um sich dort zu Feier des Tages den Bauch voll zu schlagen. Aber man wollte uns nur noch Reste-Essen anbieten. Nicht mit uns. Also fielen wir in eine nette Bar ein, um dort die Speisekarte rauf- und runter zu bestellen. Der Nachtisch erhielt ganz besondere Aufmerksamkeit von uns. Bei einem Fotoshooting von Schoko-Teller, Windbeutel-Berg und Waffeln konnten wir unserer Begeisterung freien Lauf lassen. Es war echt der süße Wahn, fast so gut wie unsere Ameländer Alltagsdroge Vla.
Mein Frühstück enthielt Vla, mein Mittagsimbiss bestand aus Vla und dann musste es nochmal sein zur Kaffeezeit, zum Abendbrot oder als Mitternachts-Snack.
... to be continued