Die Tupperdose – Teil 4



Viertel vor vier

Still hing die winzige Kugel zwischen uns und pulsierte leise wie ein schlafender Herzschlag. Langsam kam sie näher, ohne Eile, während mir die Luft wegblieb. Ein kalter Schauer lief mir den Nacken hinab – es fühlte sich unwirklich an. „Das ist jetzt wirklich passiert”, sagte ich leise, doch meine Stimme bebte mehr als beabsichtigt.

Laras Finger näherte sich der Kugel erneut, doch im selben Moment schoss sie zur Seite – mit einem klaren, metallischen Ton, der mich zusammenzucken ließ. „He! Wo willst du hin?”, rief Lara, irgendwo zwischen Spott und Ärger.

Vorsichtig tat ich einen Schritt vor, aus Angst, das Ding aufzuschrecken – oder die Lage noch weiter zu verwirren. Da huschten helle Flecken über den Steinboden und formten sich zu Zeichen, ähnlich wie Wegweiser. Langsam zogen sie auf das Fenster zu. Mein Herz schlug mir bis in den Hals. „Es… versucht, uns etwas mitzuteilen. Vielleicht will es uns etwas zeigen.”

Laras Stirn legte sich in Falten. „Wohin soll das führen?”, fragte sie – neugierig, aber auch beunruhigt. Ich zuckte mit den Schultern, während mein Blick an den kleinen Lichtpunkten hing. Sie tanzten über den Boden, als hätte jemand einen Pfad aus Sternen gezeichnet.

Plötzlich – Plopp! – sprang die Kugel aufs Fensterbrett. Die Dose bebte, sodass ich unwillkürlich zurücktrat. Helle Strahlen fluteten den Raum und enthüllten für einen Herzschlag lang etwas wie eine Tür, eingerahmt von zuckenden Lichtern – als stünde sie schon lange bereit.

„Das war also kein Zufall”, sagte ich, das Herz noch immer im Galopp. Wir mussten weitermachen. Nur – was, wenn diese Dose genau darauf wartete, dass wir einen Fehler machten?

Lara nickte, doch ihre Augen leuchteten entschlossen. „Wir packen das”, sagte sie bestimmt. „Gemeinsam.”

Ich atmete tief durch und streckte die Hand aus. Die Kugel legte sich in meine Finger, pulsierend und warm, als gehörte sie schon immer dorthin. „Gut dann”, flüsterte ich. „Los – hinein ins Ungewisse.”

Als wir uns dem Fenster näherten, kroch eine merkwürdige Spannung durch meine Brust. Das Summen der Dose blieb ein leises Hintergrundrauschen – stetig, fast vertraut, als hätte sie uns längst ausgewählt. Was danach kommen würde, wusste ich nicht. Nur dass es auf uns wartete.

Hagar Ghareeb, 10D, Mär. 2026