Kaja:
„Vernunft“ ist in der westlichen Philosophie mit ihrem Ursprung in der Antike ein weithin männlich konnotierter Begriff. Die Zuschreibung von Männlichkeit auf Rationalität und im Umkehrschluss von Weiblichkeit auf Irrationalität findet in vielen antiken Texten (und darüber hinaus) Anwendung. In meinem Projekt untersuche ich die mit dieser faktischen Abwertung von Weiblichkeit zeitgleiche Verbindung von Weiblichkeit mit Vernunft und Weisheit, wie sie in der weiblichen Metaphorisierung der Philosophie anzutreffen ist. Insbesondere Platons Diotima, die im Symposion auftritt, spielt in dieser Analyse eine wichtige Rolle und lässt in Hinblick auf ihre Darstellung, Worte und Bedeutung einige Schlüsse auf das Spannungsfeld von Geschlechtlichkeit und Rationalität in der Antike zu. Kann das Paradigma der Vernunft überhaupt Weiblichkeit und Emanzipation auf sich vereinen, obwohl es in einem patriarchalen Bedeutungskontext entstanden ist und reproduziert wird?
M., Robert:
Warum Philosophie? Diese Frage fragt nach einer Rechtfertigung bzw. nach Gründen, die diese Tätigkeit gegenüber anderen wählenswert macht. In meinem Vortrag versuche ich anhand Aristoteles´ Argumentation in der Nikomachischen Ethik X.7-8 dafür, dass Betrachtung (theorein) die beste Tätigkeit darstellt, eine Antwort auf diese Frage zu geben. In einem ersten Schritt stelle ich den Argumentationsgang für diese These vor und arbeite drei Argumentationslinien heraus (I), deren Voraussetzungen ich anschließend kritisch diskutiere (II). Daraufhin stelle ich eine Adaption vor, die Teile aus der aristotelischen Argumentation aufgreift und als Gründe dafür positioniert, Philosophie zu betreiben (III).
Sourlas, I.:
In der sogenannten Digression im platonischen Theaitetos (172c-177c) kann man Spuren der antiken Debatte über den Wert der Philosophie finden. Platon beschreibt dort den idealen-wahren Philosophen und seine Lebensweise, die im Gegensatz zum Leben des Rhetor bzw. Politikers steht. Durch die Darstellung der zwei Lebensformen kann man sowohl Argumente für als auch gegen ein philosophisches Leben finden. Der vorliegende Essay befasst sich hauptsächlich mit der Vorstellung und Interpretation aller Pro- und Kontra- Argumente hinsichtlich der Philosophie und danach versucht, festzustellen, ob ein solches philosophisches Leben dem sokratischen bzw. platonischen Leben entspricht. Schließlich wird ein Fazit über die Rolle der Digression gezogen.
Margarethe
Philosophenherrscher - Zwischen abgehobener Elite und weltfremden Denkern?
Braucht man die Philosophie in der Politik? Diese Frage habe ich mir im Rahmen des Projekttutoriums gestellt. Mein Ausgangspunkt war die These von Platon, dass alle Philosophen Herrscher werden müssten oder die Herrscher lernen müssen zu philosophieren. Aber schon Platon hatte seine Probleme damit, die These zu umzusetzen. Dass auch der Philosophie in der heutigen Politik Grenzen gesetzt werden, zeigte mir ein Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Brunner. Es zeigte mir aber auch wie nötig doch die Philosophie in dieser Zeit ist. Herr Brunner verdeutlichte, dass Reflexion, Nachdenken, Theorie und fundamentale, ethische Fragestellungen eine Grundlage für gute Entscheidungen sind. Meine Motivation bei diesem Projekt - Zeigen, dass Philosophie keine verstaubte und unbrauchbare Wissenschaft ist, sondern vielmehr ein gebrauchter und gefragter Ratgeber und eine Orientierungshilfe für die Politik.
Stefan
Philosophie als Rechtfertigung gegen Dogmatik in Platons Gorgias
Philosophie ist die Liebe zur Weisheit. Das bedeutet, diese Liebe auch zu verteidigen. Aufgabe der Philosophie ist es daher Fragen zu stellen und Kritik zu üben, falls mit der Wahrheit ungenau umgegangen wird. Präziser: Ein Philosoph muss auf der Suche nach Wahrheit immer alles einer Kritik unterziehen und auch seine eigenen Argumente immer wieder abwägen. Er darf sich nicht mit Halbwahrheiten und dogmatischen Behauptungen zufrieden geben. Das dialektische Prinzip aus Frage und Antwort, das Sokrates in Platons Dialog Gorgias anwendet, möchte ich im Folgenden untersuchen.
Sabrina
Wie ähnlich oder verschieden sind Philosophie und Sophistik bei Platon? Lässt sich aus deren Gegenüberstellung genauer bestimmen, was Philosophie eigentlich ist? Um diesen Fragen nachzugehen, beobachte ich zwei Gesprächssituationen aus den Dialogen Theaitetos und Sophistes. Ich will dabei nicht nur das, was gesagt wird, beachten, sondern auch das, was getan wird: Was kennzeichnet Sokrates' besondere Vorgehensweise seiner Hebammenkunst? Wie unterscheidet sich sophistische von philosophischer Diskussion? Welche Charaktereigenschaften zeichnen Sokrates als Philosophen aus und welche stellen ihn in die Nähe der Sophistik?