‚Das Orchester’ von Jean Anouilh.
Ein drittklassiges Damenorchester mit männlichem Klavierspieler steht in einem provinziellen Kurhotel auf den Brettern, die die Welt bedeuten und unterhält die mit Verdauungsbeschwerden kämpfenden Kurgäste.
Dabei hat jedes Orchestermitglied seine eigene Fassade aufgebaut, mit der es die Realität zu kaschieren versucht. Gefangen in Konventionen und Entscheidungslosigkeit scheitert der Versuch aus dem Alltagstrott auszubrechen und die bröckelnde Fassade zu halten.
So endet die Verbitterung über die nicht erreichte Illusion in der Katastrophe.
Aber: The show must go on!
Jean Anouilh, geboren 1910 in Bordeaux, war ein französischer Autor,
dessen Mutter Orchestermusikerin und dessen Vater Schneider war. Sein erster Kontakt mit der Bühnen- und Theaterwelt hatte er, als er als Neunjähriger in den Sommerferien Theateraufführungen im Casino des nahen Seebades miterlebte, wo seine Mutter im Kur-Orchester spielte. Schon mit 12 Jahren machte er erste Schreibversuche. 1928 begann er etwas lustlos ein Jurastudium. Mehr und mehr beschäftigte er sich mit Literatur und Theater. Im selben Jahr gab er das Studium auf und arbeitete in einer Werbeagentur. Dort erwarb er sich die Fähigkeit der stilistischen Genauig- und Geschmeidigkeit. Es gelang ihm, Leid in Komik, Schwärze in Spott, Verzweiflung in amüsierte Zärtlichkeit zu transformieren. Anouilh schrieb knapp 50 Theaterstücke, darunter auch „Das Orchester“ (1957).
Am 03. Oktober 1987 verstarb Anouilh in Lausanne