Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?
Großartige Ideen sind der Anfang jeder Fantasy- oder Sci-Fi-Welt.
Eine komplexe Welt zu erschaffen, die glaubwürdig und in sich schlüssig ist, erfordert weit mehr als Fantasie. Tauchen Sie in die Kunst des Weltenbaus ein!
Erschaffen Sie eine eigene Geografie, ein fremdartiges Klima, nachvollziehbare Kulturen, neue Gesell-schaften und völlig fremde Sprachen mit einer glaubwürdigen Hintergrundgeschichte bis hin zu Magie, Zeit und den vielen kleinen Details, die eine erfundene Welt zum Leben erwecken.
Ökosysteme und bewährte Methoden für die Umsetzung.
Schreibübungen, Praxistipps und Beispiele
Realistische Konflikte und dynamische Charaktere erschaffen.
Entwicklung neuer Sprachen, Namensgebung Runen und Glyphen
fremdartige Pflanzen und Tiere erschaffen und korrekt in die Welt einbinden
Eigenständige Religion, Wirtschaft und Handel
Plot und Storytelling
Verlagsbewerbung und Verlagsübersicht
Mit diesem Praxisbuch werden Ihre Welten nachvollziehbar und bilden die Grundlage für Ihre unvergessliche Geschichte.
Taschenbuch
eBook
Softcover 978-3-567-01901-2 24,90 €
E-Book 978-3-567-01902-9 8,99 €
Maße Softcover: 14,8 x 21 cm
Buchseiten Softcover: 440
Produktionszeit: ca 3 Werktage
1. Vorwort
2. Einführung in den Weltenbau
2.1 Was ist Weltenbau, und was ist daran so interessant? 13
2.2 Die reale Welt muss einfließen 14
2.2.1 Glaubwürdigkeit und Logik 14
2.2.2 Vermeidung von Erklärungen 16
2.2.3 Fehlende emotionale Tiefe 17
2.2.4 Komplexität der Erzählung 19
2.3 Unterschiedliche Ansätze im Weltenbau 24
2.3.1 Erst die Welt, dann die Details 25
2.3.2 Erst die Details, dann die Welt 26
2.3.3 Zielgruppenorientierung 27
3. Geografie und Ökosysteme
3.1 Topografie: Gebirge, Flüsse und Meere 29
3.1.1 Gestaltung von Landschaften 29
3.1.2 Ökosysteme: Flora und Fauna 31
3.1.3 Entwicklung fremdartiger Wesen 33
3.1.4 Einflüsse auf Gesellschaft und Kultur 39
3.2 Praxisbeispiel Geografie und Ökosysteme 40
3.2.1 Geografische Besonderheit 41
3.2.2 Architektur 41
3.2.3 Ökosystem 41
3.2.4 Einfluss der Geografie auf den Lebensstil 42
3.2.5 Schreibtipps für Geografie und Ökosystem 42
3.2.6 Schreibübung 43
3.3 Klima: Einfluss von Wetter und Temperatur 45
3.3.1 Entwicklung des Klimas 45
3.3.2 Praxisbeispiel: Geografie und Ökosysteme 49
3.3.3 Klima und Gesellschaft 60
3.4 Praxis: neue Tiere und Pflanzen entwickeln 66
3.4.1 Flora – Pflanzenwelt 66
3.4.2 Fauna – Tierwelt 68
3.4.3 Wechselwirkung zwischen Flora und Fauna 70
3.4.4 Beispiele für detaillierte Notizen 71
4. Das Erstellen einer Weltkarte
4.1 Kartenzeichnen 73
4.2 Weltenschablonen und Notizen 75
4.3 Systematische Weltenerstellung 75
4.4 Der Notizzettel 76
4.5 Tools und Programme 82
4.6 Visuelle Gestaltung: Karten und Illustrationen 93
4.6.1 Karten im Weltenbau 93
4.6.2 Konzeptkunst und Illustrationen 95
4.6.3 Tipps für die Einbindung 105
4.6.4 Beispiel im Roman 105
4.6.5 Design-Tipps für Karten und Illustrationen im Weltenbau 106
4.7 Architektur und Mode: Design von Gebäuden, Kleidung und Waffen. 111
4.7.1 Architektur 111
4.7.2 Mode 112
4.7.3 Waffen 113
4.7.4 Allgemeine Tipps 114
4.8 Farbsymbolik: Einsatz von Farben 114
4.8.1 Grundprinzipien der Farbsymbolik 115
4.8.2 Farbsymbolik zur Betonung der Stimmung 115
4.8.3 Farben in Gesellschaft und Kultur 116
4.8.4 Farbpaletten für Regionen oder Fraktionen 116
4.8.5 Praktische Tipps zur Verwendung von Farben 117
4.8.6 Beispiele für Farbsymbolik in der Weltgestaltung 117
5. Geschichte und Mythologie
5.1 Geschichtsschreibung 119
5.1.1 Historische Ereignisse und ihre Auswirkungen 119
5.1.2 Der Einfluss von Mythen und Legenden 121
5.1.3 Götter, Helden und kosmische Erzählungen 123
5.1.4 Verborgene Geschichte und Geheimnisse 126
5.1.5 Praxis: Geschichtsschreibung integrieren 129
5.2 Zeitrechnung: Eigene Kalender, Feiertage und Zeitsysteme 134
5.2.1 Grundlegende Überlegungen 134
5.2.2 Aufbau eines Kalenders 140
5.2.3 Fiktive Zeiteinheiten 140
5.2.4 Feiertage und kulturelle Bedeutung 141
5.2.5 Zeitsysteme im Alltag 144
5.2.6 Braucht die Geschichte überhaupt einen Kalender? 145
5.3 Praxisbeispiel Geschichte und Mythologie 149
5.3.1 Schreibtipps: Konsequenzen lebendig machen 150
5.3.2 Schreibübung 151
5.3.3 Beispielszene aus einem Roman: 151
6. Kulturen und Gesellschaften
6.1 Regierungsformen von Monarchien bis Dystopien 154
6.1.1 Monarchien 154
6.1.2 Demokratien 155
6.1.3 Theokratien 155
6.1.4 Dystopien 156
6.1.5 Zusammenhänge und Dynamiken 157
6.2 Gesellschaftsschichten 159
6.2.1 Grundlagen der sozialen Strukturen 160
6.2.2 Konfliktpotenzial und erzählerische Tiefe 160
6.3 Rituale und Traditionen 162
6.3.1 Einbinden von Bräuchen und Festen 162
6.3.2 Warum Rituale und Traditionen wichtig sind 163
6.3.3 Einbindung in die Geschichte 164
6.3.4 Kunst und Unterhaltung: Musik, Literatur, Spiele und visuelle Künste 165
7. Magiesysteme: Regeln & Grenzen
7.1 Elemente eines Magiesystems 171
7.1.1 Quellen der Magie 171
7.1.2 Grenzen und Risiken 173
7.1.3 Arten von Magiesystemen 174
7.1.4 Magie erschaffen 175
7.2 Technologiestufen: Von mittelalterlich bis futuristisch 185
7.2.1 Mittelalterliche Technologie 185
7.2.2 Industrielle Revolution 187
7.2.3 Moderne Technologie 188
7.2.4 Futuristische Szenarien 188
7.2.5 Beispiele neuer Gegenstände und Technologien 191
7.2.6 Vergessen Sie nicht die kleinen Dinge 200
7.2.7 Praxistipps 204
7.3 Symbiose oder Konflikt: Magie und Technologie 205
7.3.1 Symbiose: Magie und Technologie als Verbündeter 205
7.3.2 Konflikt: Magie gegen Technologie 206
7.3.3 Praktische Schreibansätze 207
7.3.4 Praxisbeispiel Magie und Technologie 208
8. Sprachen und Schriftsysteme
8.1 Einleitung 211
8.2 Grundprinzipien der Sprachentwicklung 214
8.2.1 Grammatik und Syntax 214
8.2.2 Sprachen und Schriftsysteme – Beispiel 215
8.2.3 Eigene Sprache – die wichtigsten Punkte 220
8.2.4 So wird die Sprache geschickt in den Text integriert 221
8.2.5 Erfinden wir nun die „Virelanische“ Sprache 228
8.3 Namensgebung: Charaktere, Orte und Objekte 232
8.3.1 Tools und Programme: Namensgeneratoren 234
8.3.2 Grundlagen der Namensgebung 238
8.3.3 Verwendung von Symbolik 240
8.3.4 Einfache vs. komplexe Namen 242
8.4 Alphabete, Glyphen und Runen 243
8.4.1 Ansätze zur Gestaltung von Schriftsystemen 244
8.4.2 Eigenschaften magischer Schriftzeichen 247
8.4.3 Energetische Verbindung 247
8.4.4 Interaktion mit der Umgebung 248
8.4.5 Tipps zur Einbindung 249
8.4.6 Die praktische Umsetzung 249
8.4.7 Tools und Programme 253
9. Religion und Philosophie
9.1 Glaubenssysteme 259
9.1.1 Götter und übernatürliche Wesen 259
9.1.2 Spirituelle Praktiken 260
9.1.3 Kirchenstrukturen 261
9.1.4 Philosophie und Glaubensfragen 261
9.1.5 Anwendung in einem Roman: 262
9.2 Moralische und ethische Leitlinien 263
9.2.1 Arten von Philosophien und Ideologien 263
9.2.2 Philosophien im Konflikt 264
9.2.3 Praktische Umsetzung in Romanen 265
9.3 Konflikte und Ketzerei 266
9.3.1 Arten von Konflikten zwischen Glaubensrichtungen 266
9.3.2 Ketzerei und ihre Folgen 267
9.3.3 Praktische Umsetzung in Romanen 267
9.4 Praxisbeispiel Religion und Philosophie 268
9.4.1 Schreibtipps 269
9.4.2 Beispiel für ein Ritual: Das Samenbegräbnis 270
9.4.3 Denkhilfe oder Schreibübung für Ihre Welt 271
10. Wirtschaft und Handel
10.1 Münzen, Tauschhandel oder digitales Geld 272
10.1.1 Arten von Währungssystemen 273
10.1.2 Tipps für Währungssysteme 275
10.1.3 Übung: Erstelle ein eigenes Währungssystem 276
10.1.4 Beispielszene: Münzsystem in Aktion 276
10.2 Handelsrouten 277
10.2.1 Wichtige Aspekte von Handelsrouten 277
10.2.2 Handelsroute in einer Fantasy-Welt 278
10.2.3 Handelsrouten in Science-Fiction-Romanen 279
10.2.4 Schreibtipps: Handelsrouten einbauen 280
10.3 Ressourcen in Wirtschaft und Handel 282
10.3.1 Wie Ressourcen Politik und Kriege beeinflussen können 284
10.3.2 Beispiel aus einem Roman: Ressourcen und Konflikte 285
10.4 Praxisbeispiel Wirtschaft und Handel 285
10.5 Schreibtipps für Handelsrouten 286
11. Charaktere und Fraktionen
11.1 Charakterentwicklung 289
11.1.1 Einfluss der Welt auf Charaktere 289
11.1.2 Charakterentwicklung in Abhängigkeit von der Welt 290
11.1.3 Fraktionen als Erweiterung der Charakterentwicklung 291
11.1.4 Schlüsselfragen zur Charakterentwicklung 291
11.2 Denken Sie an die Vielfalt 292
11.2.1 Vielfalt in Kultur 292
11.2.2 Vielfalt in Ethnien 293
11.2.3 Vielfalt in Geschlechterrollen 293
11.2.4 Herausforderungen und Akzeptanz 294
11.2.5 Schlüsselfragen zur Gestaltung 294
11.2.6 Schreibtipps zur Einbindung in Ihr Buch 294
12. Erzählen einer Geschichte
12.1 Plot und Storytelling 296
12.1.1 Setting und Atmosphäre 296
12.1.2 Charakterentwicklung 297
12.1.3 Handlung 301
12.1.4 Schlüsselerzählung und Plotstrukturen 303
12.1.5 Wichtige Fragen zum Plot 305
12.1.6 Techniken zur Immersion 307
12.1.7 Häufige Fallstricke bei Immersion 311
12.1.8 Immersion im Roman: Beispielszene 311
12.1.9 Schreibtipps: Immersion gezielt umsetzen 312
12.1.10 Praxisbeispiel 313
12.2 Erzählperspektive 315
13. Genre-Mix in der Literatur
13.1 Möglichkeiten 322
13.2 Praxisbeispiel: Fiktion und Krimi 323
13.3 Schreibtipps 326
13.4 Praxisbeispiel 328
14. Ort und Zeit
14.1 Vergangenheit: Mystik und Legenden 333
14.2 Gegenwart: Geheimnisse und Parallelwelten 336
14.3 Der passende Ort für die Geschichte 338
14.4 Die passende Zeit für die neue Welt 340
15. Umsetzung: Winzige Details des Weltenbaus
15.1 Alltagsgegenstände und ihre Funktion 343
15.2 Technologie, Kultur und Ressourcen 344
15.3 Praxisbeispiel: Eine Welt auf einem Löffelstiel 346
15.4 Praxisbeispiel: Redewendung in der Löffelstiel-Welt 348
15.5 Sprache und Redewendungen des Unbekannten 350
15.5.1 „Den Wind aus den Flügeln nehmen.“ 350
15.5.2 „Das Auge des Drachen sehen“ 351
15.5.3 „Auf die goldene Welle reiten.“ 351
15.5.4 „Ein Schatten aus den tiefen Steinen“ 351
15.6 Architektur und Bauweise 352
15.6.1 Das „Tanzende Tor“ der Stadt Ilnoth 352
15.6.2 Die Hängehäuser von Karmar 353
15.6.3 Die Schiefstadt von Narathor 353
15.6.4 Das Eisgewölbe von Tharuun 354
15.7 Flora und Fauna in der praktischen Umsetzung 355
15.8 Gesellschaftliche Eigenheiten 357
15.9 Klima und Wetterphänomene 359
15.10 Essen und Trinken 361
15.11 Historische Spuren 364
15.12 Geräusche und Gerüche 366
15.13 Symbolik und Farben 368
15.14 Praxisbeispiel 370
15.15 Alternative Physik 375
15.15.1 Beispiele: Atome neue Stoffe erfinden 375
15.15.2 Beispiele: Neue Welt – Neue Physik 380
15.15.3 Außergewöhnliche Welt mit Details 385
16. Klischees kennen und vermeiden
16.1 gängige Klischees 389
16.2 Die Vermeidung von Klischees 394
17. Schritt-für-Schritt-Anleitung
17.1 Die eigene Welt erschaffen 399
17.2 Werkzeuge und Ressourcen 402
18. Veröffentlichung
18.1 Genre korrekt einordnen 405
18.1.1 Übersicht Fantasy – Genres und Subgenres 406
18.1.2 Übersicht Science-Fiction – Genres und Subgenres 411
18.2 Serien einplanen 416
18.2.1 Manuskript 416
18.2.2 Cover 417
18.2.3 Veröffentlichung 420
18.2.4 Werbung 420
18.3 Verlage 421
18.3.1 Verlage für Fantasyliteratur 421
18.3.2 Verlage für Science-Fiction 423
18.3.3 Weitere kleine Fantasy- und Phantastikverlage 424
19. Praxisbeispiele – Inspiration
19.1 Auszug aus „Die Samenwelten“ 426
19.2 Romananfang: Das Flüstern von Axion Prime 428
20. Schlusswort
21. Weitere Bücher des Autors
1. Vorwort
Eine Welt für eine glaubhafte Geschichte zu erschaffen, ist mehr als nur die Entstehung von Landschaften und Städten – es ist das Fundament, auf dem Geschichten und Erlebnisse entstehen. Ob Sie ein Fantasy-Autor sind oder in der Zukunft schreiben, eine Welt zu erschaffen, die glaubwürdig, faszinierend und lebendig wirkt, ist das Ziel. Doch wie geht man dieser Aufgabe nach? Wie entwickelt man nicht nur eine ansprechende Kulisse, sondern ein ganzes Universum, das die Fantasie beflügelt und den Leser fesselt?
In diesem Buch geben wir uns gemeinsam auf diese kreative Reise. Wir werden grundlegende Prinzipien des Weltenbaus beleuchten. Von der Entwicklung von Kulturen, Mythen, Technologien und neuen Sprachen bis hin zu praktischen Aspekten wie der Gestaltung von Gesellschaftsstrukturen, Klima und Natur. Doch wie integrieren Sie komplexe Ideen in Ihre Erzählung? Wie vermeiden Sie das Gefühl von Beliebigkeit oder Klischees? Und wie stellen Sie sicher, dass Ihre Welt sowohl spannend als auch glaubwürdig wird?
Dieses Buch ist ein praxisorientierter Leitfaden, der Ihnen konkrete Werkzeuge und Techniken an die Hand gibt, um Ihre Vision in die Realität umzusetzen. Mit anschaulichen Beispielen, praktischen Tipps und kreativen Schreibübungen werden Sie Ihre Welt Schritt für Schritt zum Leben erwecken. Ganz gleich, ob Sie ein vielschichtiges Fantasy-Imperium oder eine futuristische Sci-Fi-Welt entwickeln, um Ihre Ideen zu verwirklichen.
Die zahlreichen Beispiele im Buch dienen der Erklärung und Ideenfindung. Sie dürfen sie für Ihre eigenen Projekte frei nutzen oder abändern, sofern sie nicht als Zitate oder Auszüge deklariert sind.
Bereiten Sie sich nun darauf vor, Ihre eigenen, einzigartigen Welten zu erschaffen. Sie sind nur einen Schritt davon entfernt, das Fundament für Geschichten zu legen, die noch lange nach dem letzten Kapitel im Gedächtnis bleiben.
2. Einführung in den Weltenbau
2.1 Was ist Weltenbau, und was ist daran so interessant?
Weltenbau ist der kreative Prozess, bei dem Autoren, Game-Designer, Filmemacher und andere Geschichten- erzähler fiktive Welten erschaffen, die als Grundlage für ihre Erzählungen dienen. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung von Landschaften oder Städten, sondern um die Entwicklung eines gesamten Universums, das glaubwürdig und dynamisch wirkt. Diese Welt umfasst alle Aspekte des Lebens – von der Geografie und der Geschichte bis hin zu den sozialen Strukturen, Technologien, Religionen, Sprachen und der Kultur der darin lebenden Wesen.
Ein durchdachter Weltenbau ist besonders wichtig, weil er die Authentizität einer Erzählung maßgeblich beeinflusst. Eine gut gestaltete Welt zieht die Leser in ihren Bann und lässt sie tiefer in die Geschichte eintauchen. Ohne einen klar definierten Weltenbau können Geschichten schnell in Unlogik oder Beliebigkeit abgleiten. Insofern ist Weltenbau nicht nur ein kreatives Werkzeug, sondern ein integraler Bestandteil des Storytelling-Prozesses.
2.2 Die reale Welt muss einfließen
Beim Weltenbau ist es von entscheidender Bedeutung, Parallelen zur realen Welt zu ziehen, weil die Fantasie der Leser auf eine tiefere, emotionalere Weise anspricht und es ihnen ermöglicht, sich mit der erfundenen Welt zu identifizieren. Es gibt mehrere Gründe, warum diese Verbindungen wichtig sind:
2.2.1 Glaubwürdigkeit und Logik
Eine Welt, die gewisse Ähnlichkeiten mit der realen Welt aufweist, wirkt glaubwürdiger. Auch wenn die Welt selbst fiktiv ist, hilft es den Menschen, sie zu verstehen und sich in ihr zurechtzufinden, wenn sie Strukturen oder Muster erkennen, die sie aus ihrer eigenen Erfahrung kennen. Zum Beispiel können politische Systeme, soziale Strukturen oder Naturgesetze, die Ähnlichkeiten zur realen Welt aufweisen, den Leser oder Spieler in die Geschichte einbinden, da sie auf bekannten Prinzipien basieren. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung von Gesellschaften in Fantasywelten, die oft an historische Epochen angelehnt sind, wie etwa das Feudalsystem im Mittelalter oder die Demokratie in modernen Staaten.
Praxisbeispiel:
Als Nera zum ersten Mal eine Stadt der Avara betrat, wusste sie nicht, ob sie sich auf dem Boden oder auf einer Wand bewegte.
Die Häuser standen nicht auf Fundamenten. Sie wuchsen aus den gewaltigen weißen Felsen, die wie Wurzeln aus dem schwarzen Erdreich ragten. Türen gab es keine. Wer ein Haus betreten wollte, musste seinen Namen in eine Schale aus Glas sprechen. Erst wenn das Haus ihn erkannte, öffnete sich eine Wand.
Über den Straßen schwebten die Gärten der Toten. Niemand wusste mehr, wann die Avara damit begonnen hatten, ihre Verstorbenen in Erde einzupflanzen und die daraus entstandenen Bäume über der Stadt schweben zu lassen. Zwischen ihren Wurzeln hingen kleine Häuser, in denen die Familien der Toten wohnten.
Nera blieb stehen.
„Wo kann ich Wasser bekommen?“
Der Mann neben ihr zeigte nach oben.
„Bei den Sammlern.“
Sie folgte seinem Blick. Zwischen den Türmen bewegten sich Gestalten auf langen Seilen. Sie fingen den Nebel ein, der jeden Morgen aus dem Tal stieg, und pressten ihn in große schwarze Gefäße.
Nera verstand nichts von dieser Welt. Dann hörte sie einen Streit.
Zwei Frauen standen vor einem niedrigen Gebäude und zwischen ihnen lag ein Bündel getrockneter Früchte.
„Du hast meine Hälfte genommen“, sagte die ältere Frau.
„Ich habe genommen, was mir zustand.“
„Dann zählen wir.“ Die ältere legte die Früchte nebeneinander und sie zählte gemeinsam. Vierzehn für die eine, zwölf für die andere.
„Zwei fehlen.“
„Ich habe sie nicht.“
„Dann muss jemand sie genommen haben.“
Eine dritte Frau trat hinzu, nahm das Bündel, teilte die Früchte neu auf und gab jeder Frau genau dreizehn.
Damit schien der Streit beendet zu sein.
Nera sah die drei Frauen an. Sie kannte ihre Sprache nicht besonders gut. Auch ihre Häuser und Lebensweise waren ihr unbekannt. Sie wusste nicht, warum die Toten über den Straßen schwebten oder wie man Nebel trank. Aber sie verstand, was gerade geschehen war. Zwei Menschen stritten um etwas und eine dritte Person suchte nach einer gerechten Lösung.
Zum ersten Mal, seit sie Avara betreten hatte, fühlte sich die fremde Welt ein wenig weniger fremd an.
Wie dieses Beispiel zeigt, bieten Parallelen zur realen Welt ein Verständnis dafür. Diese Welt ist komplett anders aufgebaut, aber doch nachvollziehbar. Universelle Themen wie Macht, Liebe, Krieg oder Gier in einem Kontext zu behandeln, führt den Leser zu einer nachvollziehbaren Welt. Diese Themen, die aus der realen Welt stammen, sind oft der zentrale Bestandteil von Erzählungen, weil sie grundlegende menschliche Erfahrungen widerspiegeln. In Science-Fiction- und Fantasybüchern ist es besonders wirksam, wenn diese Themen in einem neuen Licht dargestellt werden – zum Beispiel durch das Bilden von moralischen Zwangslagen in einer futuristischen Gesellschaft, die dem Leser vertraut erscheinen.
2.2.2 Vermeidung von Erklärungen
Parallelen zur realen Welt können dazu beitragen, dass zu viele Erklärungen notwendig werden. Wenn etwa ein Autor eine Gesellschaft beschreibt, die auf einem vertrauten politischen System basiert (wie einer Monarchie oder einer Demokratie), kann er bestimmte Regeln und Verhaltensweisen implizit darstellen, ohne sie ausführlich erklären zu müssen. Die Leser oder Spieler sind bereits mit den Konzepten vertraut und können sie schnell in die neue Welt übertragen.
In vielen dystopischen Sci-Fi-Welten, wie in George Orwells „1984“ oder Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, sind die fiktiven Welten lediglich Übertreibungen oder Visionen von einer Zukunft der realen Welt, die zum Nachdenken über die Richtung anregen, die die Gesellschaft nimmt.
Wenn alles fremd ist und ständig Erklärungen vonnöten sind, wird der Leser der Geschichte nicht lange folgen. Wenn eine Welt erschaffen wird, die keinerlei Parallelen zur realen Welt hat, würde dies zu einer Reihe von Herausforderungen führen, die sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die emotionale Bindung der Leser oder Spieler beeinträchtigen könnten. Es gibt mehrere Auswirkungen, die entstehen würden.
2.2.3 Fehlende emotionale Tiefe
Viele Erzählungen – sei es in Literatur, Film oder Spielen – arbeiten mit universellen menschlichen Themen wie Liebe, Macht, Freiheit oder Konflikt. Diese Themen spiegeln sich in der realen Welt und machen es dem Publikum leicht, sie in der fiktiven Welt zu erkennen und mit den Charakteren mitzufühlen. Ohne diese Verbindungen könnte die emotionale Tiefe der Geschichte fehlen. Ein Beispiel wäre eine Gesellschaft, deren Werte völlig von den uns bekannten abweichen, ohne dass diese Unterschiede als bewusstes Thema behandelt werden. Die Geschichte könnte als zu „abstrakt“ oder als schwer verständlich empfunden werden.
Ein wunderbares Beispiel ist die Fernsehserie Star Trek: Enterprise. Die Serie spielt in einer weit entfernten Zukunft und zeigt eine Welt, die sich in vielen Bereichen grundlegend von unserer heutigen Realität unterscheidet. Dennoch funktionieren die Geschichten nicht allein über fremde Technologien, außerirdische Kulturen oder unbekannte Lebensformen. Im Mittelpunkt stehen immer wieder Themen, die jeder Mensch nachvollziehen kann. Freundschaft, Loyalität, Angst, Vertrauen, Vorurteile, Verantwortung, Liebe und der Wunsch nach Freiheit.
Gerade der Kontakt mit fremden Völkern zeigt, wie wichtig diese emotionalen Anknüpfungspunkte sind. Die Zuschauer müssen die Kultur eines Außerirdischen nicht vollständig verstehen, um seine Angst vor Verlust oder seinen Wunsch nach Anerkennung nachvollziehen zu können. Die fremde Welt wird dadurch emotional zugänglich.
Das zeigt eine wichtige Regel beim Weltenbau: Je fremdartiger eine Welt gestaltet ist, desto wichtiger können vertraute menschliche Gefühle und Konflikte werden. Sie bilden eine Brücke zwischen der bekannten Realität des Publikums und der unbekannten Welt der Geschichte. Der Leser muss nicht jede gesellschaftliche Regel, jede Religion oder jedes Naturgesetz dieser Welt verstehen. Er sollte jedoch etwas finden, das ihn emotional berührt und ihm das Gefühl gibt, die handelnden Figuren trotz aller Fremdartigkeit verstehen zu können.