Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?
Sydney wollte nur etwas Geld verdienen. Als sie sich für eine Probandenstudie anmeldet, ahnt die junge Studentin aus Greenville nicht, worauf sie sich einlässt.
Als sie die Augen öffnet, liegt sie in einem kahlen Raum. 28 Quadratmeter groß ohne Fenster und Tür, und ohne jede Möglichkeit, ihn aus eigener Kraft zu verlassen.
Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein alter Computer. Darüber kann sie mit vier weiteren Probanden kommunizieren, die irgendwo in ihren eigenen Räumen eingeschlossen sind. Essen gibt es nur, wenn sie die vorgeschriebenen Aufgaben erfüllt. Die Tage werden länger, die Nächte unerträglicher. Monotonie, Isolation und Schlafentzug beginnen an ihren Gedanken zu nagen. Sie verliert das Zeitgefühl und ihre Psyche verändert sich.
Sechs Wochen lang kämpft Sydney gegen die Einsamkeit, Angst und den Verlust der Kontrolle. Als die Zeit endlich abgelaufen ist, glaubt sie, das Schlimmste überstanden zu haben.
28 m² – Die Probandenstudie ist ein psychologisch beklemmender Thriller über Isolation, Manipulation und die Grenzen menschlicher Belastbarkeit.
Das ehemalige Verlagsbuch war das meistverkaufte verlagsinterne „Buch des Jahres 2020“ des Franzius Verlags und ist jetzt komplett neu überarbeitet und noch intensiver.
Rezensenten nennen das Buch „einen schnellen, spannenden Psychothriller“, „rundum gelungen“ und „unglaublich packend“. Ein Werk, das nachhallt und den Leser auch nach der letzten Seite nicht loslässt.
Wer Thriller liebt, die nicht nur fesseln, sondern auch zum Nachdenken bringen, wird mit 28 m² – Die Probandenstudie eine unvergessliche Leseerfahrung machen.
Mit eindringlicher Sprache schildert Perry Payne Sydneys Gedankenwelt zwischen Wahn und Wirklichkeit. Leserinnen und Leser spüren ihre Wut, Angst und Verzweiflung, teilen aber auch die kleinen Momente des Galgenhumors, wenn sie beginnt, Möbeln Namen zu geben oder eine Pflanze zum Freund erklärt. Die psychologische Intensität zieht in den Bann, und die Isolation wird so greifbar beschrieben, dass man selbst das Gefühl bekommt, in diesem Raum zu sitzen.
Überarbeitete Neuauflage
als Taschenbuch und eBook
Restbestände vom Verlagsbuch
sind teilweise noch erhältlich.
Zum Buchinhalt: Gesprochen von Perry Payne
Thriller, ca. 488 Seiten
Softcover 978-3-384-98395-4 Preis 16,99 €
Hardcover 978-3-384-98396-1 Preis 25,00 €
E-Book 978-3-384-98397-8 Preis 3,99 €
Erhältlich: In allen namhaften Onlineshops und im regionalen Buchhandel, ganz in deiner Nähe (auf Bestellung - Lieferzeit ca. 3 Werktage)
Für wen ist das Buch besonders geeignet?
Basierend auf der beklemmenden Atmosphäre und der psychologischen Tiefe ist das Buch besonders für folgende Leser geeignet:
Leser, die Geschichten lieben, die an einem einzigen, begrenzten Ort spielen (wie z. B. Filme wie „The Room“ oder „Saw“ – jedoch mit Fokus auf der Psyche statt auf Splatter). Die räumliche Enge erzeugt einen ganz eigenen Sog, dem sich diese Zielgruppe nicht entziehen kann.
Menschen, die sich gerne fragen: „Wie würde ich reagieren, wenn ich in dieser Situation wäre?“ Das Buch spricht den Urinstinkt der Neugier an und lässt den Leser die Isolation von Sydney hautnah miterleben.
Dieses Buch ist nicht nur ein Thriller, sondern eine Studie über die menschliche Belastbarkeit. Es eignet sich für Leser, die gerne hinter die Fassade blicken und verstehen wollen, wie Schlafentzug, Monotonie und Manipulation die menschliche Wahrnehmung verändern.
Wer Thriller mag, die im Kopf stattfinden und bei denen man sich nie sicher sein kann, was real ist und was Wahn, wird dieses Buch verschlingen. Die Mischung aus Spannung und psychologischem Abgrund ist genau das, was Fans dieses Genres suchen.
Durch den Rahmen der „Probandenstudie“ spricht das Buch auch Leser an, die sich für Themen wie das Stanford-Prison-Experiment oder die Auswirkungen von totaler Isolation auf das Gehirn interessieren.
Es ist die nackte, psychologische Intensität. Ich lasse die großen Schauplätze weg und konzentriere mich uns auf das, was passiert, wenn ein Mensch nur noch sich selbst hat.
Warum du es lesen solltest? Weil es dich packt und nicht mehr loslässt. Dass die Ur-Fassung bereits das 'Buch des Jahres 2020' im Franzius Verlag war, zeigt, wie tief diese Geschichte Menschen berührt. Jetzt, in der komplett überarbeiteten und noch intensiveren Neufassung, ist es das ultimative Experiment für deine Nerven. Ein Muss für jeden, der Thriller mit echtem Tiefgang liebt.“ (Perry Payne)
Leseprobe vorlesen lassen. Teil 1
Leseprobe vorlesen lassen. Teil 2
Der Aufnahmetest
Es war dieses unangenehme Herzklopfen, das sich bis in Sydneys Fingerspitzen ausbreitete. Dabei gab es keinen vernünftigen Grund für ihre Nervosität, außer dem recht kleinen Klassenraum, den zahlreichen Leuten und einer ungewohnten Situation.
Alle waren gekommen, um sich für die Studie einschreiben zu lassen. Und Sydney war mittendrin, saß an dem abgewetzten Holztisch, wartete ab und musterte das Zimmer und die Leute.
Der muffige Geruch aus Staub, Putzmitteln und alten Gemäuern passte nicht zum modernen Gebäude, allerdings zur langweiligen Einrichtung im Stil eines altmodischen Klassenzimmers. Die weitläufigen Fenster schnitten die staubige Luft, den Wind und die überwiegenden Geräusche der Stadt wie eine Festung im Exil vom regulären Leben ab.
Ruhelos, eher hektisch ließ Sydney den billigen Plastikkugelschreiber mit dem blauen Schriftzug des Cunningham-Forschungsinstituts zwischen ihrem Zeige- und Mittelfinger tanzen. Es wurde Zeit, sich auf das Formular zu konzentrieren.
Ein Stoß gegen ihren Tisch schurrte ihn etwas über das Linoleum.
Ein adretter Mann mit langem dunklem Mantel lief zwischen den Tischreihen nach hinten, entschuldigte sich knapp mit leichtem Nicken und ernstem Gesichtsausdruck.
Sie beobachtete ihn zurückhaltend, bis er zwei Reihen weiter einen freien Platz eingenommen hatte, wendete sich wieder ihrem Blatt zu und atmete bewusst einige Male tief durch.
Gemurmel.
Scharren von Stühlen.
Grelles Neonlicht.
Sydney rieb sich unruhig ein paar kitzelnde Haare aus dem Gesicht und fuhr dann mit dem kleinen Finger abwechselnd unter beiden Augen entlang, um eventuell verwischten Eyeliner zu entfernen. Sie musste nachher in den Toiletten danach schauen.
Auf der ersten Seite des Formulars ging es um die persönlichen Daten. Name, Alter, Wohnort.
Also los, dachte sie beherzt, womit der Kugelschreiber in ihrer Hand zur Ruhe kam und setzte ihn auf das Papier. In geschwungenen Lettern schrieb Sydney ihre Angaben in die Zeilen, bis das erste Blatt ausgefüllt war. Das war einfach.
Weitere vier eng beschriftete Seiten lagen vor ihr.
Irgendwo im Raum flackerte eine Neonlampe. Das metallene Klacken fügte der Atmosphäre aus Schweißgeruch, Beklemmung und konfuser Konversation einen nervösen Takt hinzu, ließ klare Worte und Sätze im Nebel der Belanglosigkeit abtauchten und formte sie zu einem beständigen Summen. Nur das Klacken stach daraus hervor. Nervös und markant.
Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn.
Zweifel keimten auf.
Wie unpassend. Zumal sie in den vergangenen Tagen elend lange mit Scott über dieses Thema diskutiert hatte und er so ziemlich jeden Einwand zerstreuen konnte. Schließlich handelte es sich nur um eine schnöde Studie, die jede Menge Geld einbringen würde. Sie brauchten das Geld für die neue Wohnung am anderen Ende der Antler Road und nicht zuletzt für den Start in eine gemeinsame Zukunft. Mehr Motivation war nicht erforderlich und es sprach eigentlich nichts gegen ihre Teilnahme an einer Studie, außer vielleicht ein paar Wochen ihrer Zeit und das Unbekannte.
Leicht nickend und einseitig schmunzelnd stimmte sich Sydney selbst zu. Das ist sicher eine gute Entscheidung.
Weiter ging es.
Zunächst strich sie mit der flachen Hand die zweite Seite des Formulars glatt und begann, die Fragen zu lesen.
»Ist hier noch frei?«
Ein Formular glitt neben ihr auf den Tisch. Sydney ließ sich ablenken und sah zu einem schlanken, jungen Mann mit Basecap, ungepflegten roten Bartstoppeln und prägnanten Ohrtunneln. Diese Löcher in den Ohren waren groß genug, um den kleinen Finger hindurch stecken zu können. Sie schüttelte sich innerlich und wischte flink die Vorstellung nach dem Wie und Warum schnell beiseite.
Er ließ sich neben ihr auf dem freien Platz nieder, ohne ihre Antwort abzuwarten.
»Riecht ziemlich übel hier. Findest du nicht auch?«, sagte er, während er sein Formular zu sich drehte und auf seinem Stuhl nicht zur Ruhe kam.
Genervt runzelte Sydney die Stirn. Sie roch Zwiebeln in seinem Atem.
»Ich meine ja nur: Ist ziemlich was los in der Bude.« Kurz blickte er sie an, wühlte umständlich in seiner Hosentasche und scharrte erneut mit dem Stuhl.
Sie zog ihr Formular von der Mitte des Tisches zu sich herüber.
»Ich hatte wohl Glück, dass noch ein Platz frei war«, versuchte er das Gespräch in Schwung zu bringen, kramte stöhnend in den vorderen Taschen seiner Jeans und lehnte sich ein gutes Stück zurück.
»Kann ich mir den borgen?« Er deutete auf den Kugelschreiber, der auf Sydneys Tischseite lag.
Sie bemerkte seinen hageren Finger, dann erreichte sie auch noch der Duft seines schweren Parfüms mit der Note von Gewürznelken und Labdanum, der wohl die Zwiebeln übertünchen sollte.
»Hier, nimm!«, sagte sie knapp, schob den Stift zu ihm und wendete sich gestresst ihren nächsten Aufgaben zu.
Umgehend griff er danach, knipste die Mine heraus und herein und wieder heraus und herein.
»Könntest du das bitte lassen?«, fauchte ihn Sydney an und schleuderte ihre Haare mit hektischer Kopfbewegung hinter die Schultern zurück.
Besonders umständlich, wie ein gestörter Roboter, und sichtbar irritiert legte er den Kugelschreiber vor sich auf den Tisch und nahm theatralisch seine Hand davon weg, als ob das Ding eine gefährliche Schlange in Angriffsstellung wäre.
»Was ist jetzt schon wieder?«, fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Nichts. Schon gut. Weißt du ...«, sagte er, näherte sich ihr viel zu dicht und las, was sie geschrieben hatte. »Sydney, ...«, begann er langsam, sah sie an und fuhr mit kratziger, tiefer Stimme fort: »Einundzwanzig. Ich hätte dich jünger geschätzt.«
Schnell zog sie ihr Formular zur äußersten Tischkante zu sich, hielt schützend einen Arm davor, beugte sich leicht vor und warf ihm einen missbilligenden Blick zu.
»Könntest du zur Abwechslung mal den Mund halten, nicht zappeln und dich um deinen eigenen Kram kümmern? Wir sind schließlich nicht zum Spaß hier.«
Er machte große Augen. »Wozu denn sonst?«
Darauf gab sie keine Antwort.
»Wenn du mich fragst, bin ich nur deshalb hier.« Langsam und leicht grinsend öffnete er seine Weste und zwinkerte ihr zu. In der Innentasche steckten vier kleine Fläschchen. Wahrscheinlich Alkohol. »Wenn wir unsere Zimmer haben, kannst du gerne zu mir rüberkommen«, sagte er geheimnisvoll, schloss die Weste und sah unauffällig in die Runde. Dann beugte er sich zu Sydney und flüsterte: »Und wenn wir schon mal dabei sind, ich bin Lennis Nolan.« Impulsiv drückte er seinen Rücken durch und hielt ihr strahlend die offene Hand entgegen.
Sydney dachte nicht daran, diesem ungehobelten Affen die Hand zu schütteln, und lehnte sich ebenso zurück. Ihren Arm ließ sie schützend auf dem Formular liegen. »Bist du sicher, dass du hier richtig bist? Das hier ist eine Verhaltensstudie. Das scheint etwas zu sein, wovon du nicht allzu viel verstehst.«
Gespielt hektisch sah sich Lennis nach allen Seiten um, woraufhin er sie entsetzt anstarrte. »Verdammt. Ist das etwa nicht der Angelkurs für Blaubarschbube und Meerjungfraumann?«
»Sehr witzig.« Ihre Augenlider formten sich zu schmalen Schlitzen.
»Hey!« Freundschaftlich stupste er sie mit dem Ellenbogen gegen den Arm. »Wir sind gleich so etwas wie Arbeitskollegen.«
Mit absoluter Sicherheit wollte Sydney davon nichts wissen. »Lass mich einfach dieses Formular ausfüllen, okay? Dann kannst du meinetwegen so lange Faxen machen, wie du willst und der restlichen Menschheit auf den Geist gehen. Aber, lass mich jetzt bitte weitermachen. Ich will heute noch fertig werden. Hast du mich verstanden?«
Ohne innezuhalten, sagte er im Befehlston: »Verstanden, Lady!« Er schnappte sich den Stift und konzentrierte sich auf sein Formular. Zumindest tat er so.
Das sollte schon alles gewesen sein?, dachte Sydney verwundert. Eine klare Ansage, und dieser ungehobelte Kerl war gebändigt? Da kommt doch noch etwas. Sie kannte solche Leute.
Etwas unsicher beobachtete sie Lennis aus den Augenwinkeln, kratzte sich über ihre verschwitzten Handflächen, nahm den Stift schreibbereit in die Hand, wartete aber noch einen Augenblick.
Wie erwartet schielte er zu ihr. Solche Typen waren nicht in der Lage, irgendetwas ernsthaft zu erledigen.
Energisch tippte Sydney mehrfach auf sein Blatt und er füllte brav seinen Zettel aus.
Sydney war mit ihrem kleinen Erfolg sichtlich zufrieden und schmunzelte vor sich hin.
Die Wärme und Anspannung hatten kleine Schweißperlen auf ihre Stirn gelegt. Im Raum hörte man Papier rascheln. Die Leute waren konzentriert und das Gemurmel weitestgehend verschwunden.
Auch Sydney widmete sich wieder dem Formular.
Fragen über ihre Kindheit, die Schule und Ausbildung folgten denen zu ihrem Charakter, ihren Ängsten und Hobbys.
Brav füllte sie Zeile um Zeile aus und legte erst vor dem letzten Blatt eine Pause ein.
»Wie weit bist du? Hab fast die Hälfte. Die wollen ziemlich viel wissen, findest du nicht auch?«, sagte er.
»Komme voran.« Sie zuckte mit den Schultern. »Woher kommst du überhaupt, Idiot?«
»Roby. Das ist ein kleines Nest am Sangamon River. Und den Idioten habe ich überhört.« Sein Grinsen wirkte selbstzufrieden.
Sydney ließ den Stift in ihrer Hand tanzen.
»Das ist doch in der Nähe von Springfield, oder?«
Er nickte. »Ich bin fast sechs Stunden gefahren, aber für so viel Kohle würde ich überall hingehen, ehrlich«, entgegnete er souverän. »Aber warum bist du hier, schöne Frau? Wegen des Geldes, dem Abenteuer, dem bezahlten Urlaub, dem Gratisfutter oder einem Gesundheitscheck?«
»So, wie du das aufzählst, klingt doch alles verlockend. Ich schätze mal, die meisten sind hier, weil sie Geld brauchen.«
Grübelnd strich sich Lennis über seine Bartstoppeln. »Schon möglich.«
»Davon abgesehen, bin ich neugierig, wie so etwas abläuft.«
»Wird bestimmt nicht übel. Weißt du, ich will mir einen megagroßen Fernseher zulegen. Einer, der die halbe Wand bedeckt. Damit kann ich vernünftig gegen meine Kumpels zocken.« Euphorisch breitete er seine Arme weit aus und versuchte damit, die Größe anzudeuten.
Sie schüttelte den Kopf. »Ich mache das für die Mietkaution«, sagte Sydney nüchtern.
»Oh ja, eine eigene Bude ist wirklich etwas Feines. Ich weiß, wovon ich rede.«
»Wenn du das sagst.« Sie widmete sich wieder dem Formular und wollte zum Ende kommen.
»Reden wir später weiter«, sagte sie. »Ich bin bald mit dem Schreibkram durch und will dieser Sauna entkommen.«
»Kann ich verstehen.« Lennis grinste wieder.
Sydney deutete mit ihrer Nasenspitze auf sein Blatt und hob eine Augenbraue. Lennis kapierte ihren Wink und entgegnete: »Nur keine Hektik, Lady. Hier gehts nicht um Geschwindigkeit.«
»Das wohl nicht, aber ...« Sie hatte eine Idee und blätterte um. »Sag mal, was meinen die mit dem Punkt sieben vom Zusatzblatt?« Sie las laut vor: »Die Angaben über die persönlichen Verhältnisse, dem vollumfänglichen Bewusstsein über eventuelle Risiken und der daraus resultierenden Notwendigkeit einer abgeleiteten Übertragung der Persönlichkeitsrechte, werden unter Vorbehalt der Punkte vier bis neun, sowie elf B und den Schlussbestimmungen den folgenden Familienangehörigen, oder im Zusammenhang mit der Person stehenden Kraft übertragen, wobei rechtliche Schritte ausdrücklich ausgeschlossen werden und die alleinige Instandsetzung möglicher Folgeschäden ausschließlich beim Probanden und der in Punkt zwei genannten Personen liegen.«
Fragend schaute sie ihm in die Augen. Wie es aussah, hatte sie Lennis damit verwirrt. Er fuhr sich über seine spärlichen Bartstoppeln am Kinn und pustete ein: »Hä, was?« hervor.
Sie genoss den Augenblick und sagte: »Konzentrieren wir uns.«
Vermutlich überlegte er immer noch, denn er sagte langsam: »Ich finde diese Beamtensprache nervig. Die verwirren die Leute doch absichtlich. Egal. Das ist doch keine Prüfung. Lass uns einfach irgendetwas reinschreiben. Was sollen die schon merken?«
»Das könntest du machen. Aber was ist, wenn du damit deine Einwilligung gibst, dass sie dir die Organe entnehmen dürfen?« Sie verbarg ihr Grinsen hinter der vorgehaltenen Hand.
»Meinst du, die machen das echt? Ich liebe meine Lunge und meinen Magen. Wir sind ein eingespieltes Team und ... Das können die doch nicht machen. Außerdem stand davon nichts in der Annonce.«
Sydney amüsierte sich über ihn, schrieb wieder etwas und sah ihn schweigend an.
Nach einer Weile fügte er hinzu: »Oder doch? Vielleicht zahlen die deswegen so viel? Das wäre zumindest eine Erklärung.« Er legte seine flache Hand auf den Bauch und sah an sich herab.
»Natürlich nicht. Das war nur rein hypothetisch«, sagte sie. Offenbar war Lennis doch nicht so abgebrüht, wie er vorgab. »Damit wollen sie uns nur sagen, dass es mögliche Folgeschäden geben könnte, für die sie nicht haften wollen. Es handelt sich um einen Standardtext, so wie auf fast allen Verträgen dieser Art. Trockne deine Katze nicht in der Mikrowelle, betrete die Straße nicht bei Rot, beige Schnürsenkel sind auch nicht essbar und wasserlösliche Wandfarbe ist nicht für den Verzehr geeignet. Solche Sachen eben. Wir können unsere Organe behalten und müssen auch keine Pillen schlucken.« Tröstend blinzelte sie ihm zu. Jetzt tat er ihr sogar ein wenig leid.
Sein Gesichtsausdruck, mit dem starren Blick ins Nirgendwo, entspannte sich. »Da bin aber erleichtert.« Er wedelte mit dem Zeigefinger vor Sydney. »Fast hättest du mir Angst eingejagt.«
Sie zwinkerte. »War Absicht. Übrigens werde ich nicht nachfragen, wieso jemand seinen Magen lieb haben kann.«
Er blinzelte ihr zu. »Toughe Puppe. Respekt.«
Eine Frau um die 40 in weißem Kittel betrat den Raum, blieb am Pult stehen, räusperte sich und wartete kurz auf die allgemeine Aufmerksamkeit.
»Guten Tag, Ladys und Gentlemen. Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Studie. Wenn Sie Ihre Formulare vollständig ausgefüllt haben, überprüfen Sie nochmals Ihre persönlichen Angaben auf Richtigkeit und unterschreiben bitte auf allen Seiten auf der vorgegebenen Zeile unten rechts. Trennen Sie den roten Durchschlag ab und legen ihn mir auf den Tisch. Die restlichen Unterlagen nehmen Sie bitte zur nächsten Station mit. Dort benötigen wir je eine Blut- und Urinprobe.« Sie zeigte Richtung Tür und dirigierte mit der flachen Hand. »Bitte gehen Sie einfach nach links den Gang hinauf bis Zimmer neunundsechzig. Der Wartebereich ist ausgeschildert. Wenn Sie Fragen zum Formular oder zu organisatorischen Dingen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte sehen Sie von sämtlichen Fragen zum Ablauf der Studie ab. Wie Sie wissen, handelt es sich um eine Schlaf- und Verhaltensstudie. Sie werden viel Zeit für sich und kreative Ideen haben. Sämtliche Details innerhalb der kommenden Wochen sind Bestandteil der Studie und werden Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt von Doktor Tagrid Williams persönlich in kleinen Abschnitten erörtert. Im Anschluss der Tests geht es in den Schlafraum. Planen Sie hierfür etwa vier Stunden ein.
Nun hoffe ich, dass Sie alle die Tests bestehen, und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Cunningham Institut. Haben Sie Fragen dazu?«
Geräuschvoll rekelte sich Lennis und sein Grinsen wurde breiter. »Hast du das gehört? Sie hat Schlafraum gesagt. Wir werden die Kohle im Schlaf verdienen. Willkommen im Paradies, Lady.«
»Spinner«, sagte Sydney und schrieb weiter.
»Ich habe meine Zahnbürste vergessen«, rief jemand aus der hinteren Reihe und leichtes Gemurmel breitete sich im Raum aus.
»Sie werden während Ihres Aufenthalts genug Möglichkeiten zum Einkaufen haben«, sagte die Dame vom Institut.
»Wie viel Ausgang werden wir bekommen?«, fragte ein älterer Mann am Eingang.
Sie schüttelte den Kopf. »Es ist entscheidend für das Ergebnis der Studie, dass wir Ihre mentalen Daten und alle Reaktionen 24 Stunden pro Tag beobachten können. Das geht nur in einer isolierten Umgebung ohne Fremdeinflüsse. Ist damit Ihre Frage beantwortet?«
Eine ältere Frau im Strickpulli meldete sich und fragte: »Ich muss am 17. wieder zu Hause sein. Ich glaube, das ist drei Tage vor Ablauf. «
»Wir können für optimale Ergebnisse leider keine Ausnahmen machen. In außergewöhnlichen Situationen haben Sie selbstverständlich jederzeit die Möglichkeit, die Studie abzubrechen. Bitte haben Sie in dem Fall Verständnis dafür, dass wir dann kein Geld auszahlen.« Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: »Und um Nachfragen vorzubeugen: Sie brauchen für diesen Sonderfall auch keine Entschädigung an das Institut zu zahlen, sofern Sie keinen mutwilligen Schaden anrichten.«
»Ich glaube, wir haben ein gewaltiges Problem«, flüsterte Lennis und rutschte etwas zu Sydney.
»Wovon redest du?«, sagte sie und sah ihn entsetzt an.
Lennis beugte sich weiter zu ihr und flüsterte: »Wir sollen pinkeln.«
Sie zuckte mit den Schultern. »Na und? Wo liegt da das Problem?«
»Aber ich hab vorhin alles neben dem Eingang in die Büsche rausgelassen, weil ich dachte, ...«
»Wow, wow, wow. Stop!« Angewidert hielt sie ihre Hand vor: »Halt den Mund«, sagte sie viel zu laut. »Das ist eine Sache, die mich wirklich nichts angeht. Außerdem wird es nicht zu unserem Problem. Und jetzt will ich nicht mehr darüber reden.«
Er holte tief Luft, sagte »... aber«, und sie fuhr dazwischen: »Halt die Klappe, hab ich gesagt!« Sie hob den Zeigefinger. »Erwähne in meiner Gegenwart nie wieder solche Sachen.« Ihre Worte endeten mit einem hörbaren Schnauben.
Er zuckte mit den Schultern und hielt den Mund.
Bis zum Ende des Fragebogens musste sie lediglich noch einmal ihren Zeigefinger heben und konnte das Formular ungestört unterzeichnen, sah noch einmal flüchtig über alle Antworten und erhob sich.
Mit der Abgabe verpflichte ich mich für sechs lange Wochen ohne Scott, den Freundinnen und meinem Zuhause, überlegte sie. Wenn sie den nächsten Schritt machte, gab es kein zurück.
»Alles in Ordnung, Lady?« Lennis holte sie aus ihren Gedanken zurück.
»Alles klar.« Sie nickte und musste schlucken.
»Würdest du kurz auf mich warten?«, fragte Lennis.
»Ganz bestimmt nicht. Sieh zu, dass du fertig wirst, bevor die schließen. Wir sehen uns.«
Wenn Ihnen diese Leseprobe gefallen, erfahren Sie im Buch, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt.