Weg ins Schlaraffenland?
Migrationsgeschichten und Migrationserfahrungen sind vielschichtig. Oft sind diese Geschichten von Aspekten und Dynamiken abhängig, die sich über große räumliche Weiten, aber auch über enorme Zeitabstände hin erstrecken. Ein Beispiel für eine derartig verstrickte Migrationsbewegung im Erlanger Raum ist die der Banater Schwaben.
Diese im westrumänischen Banat beheimatete, aber deutschstämmige Volksgruppe sowie ihre Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg ist Thema dieses Ausstellungsabschnitts. Neben den vielseitigen historischen Hintergründen dieser Geschichte steht vor allem eine individuelle Perspektive im Vordergrund: Ein Audiointerview mit Arthur Krier, der als Kind aus dem Banat nach Deutschland migriert ist - ins “Schlaraffenland”, wie er über Empfindungen seiner Kindheit berichtet.
So kann eine wechselseitige Geschichte nachempfunden werden, die viel über die Neufindung einer Gemeinschaft, deren Leben in der Heimat zerstört wurde, erzählt.
Traditionelle Frauentracht im Banat
Wappen der Donauschwaben, deren die Banater Schwaben ein Teil sind. Auffallend ist die Kombination der deutschen Nationalfarben schwarz-rot-gold mit den traditionell donauschwäbischen Farben grün und weiß.
Am Anfang stand die Auswanderung aus Deutschland: Die Hintergrundgeschichte der Banater Schwaben
Bei den Banater Schwaben handelt es sich um eine Volksgruppe, deren Entstehung selbst auf eine Migrationsgeschichte zurückgeht.
Nachdem das osmanische Reich ab dem 17. Jahrhundert sukzessive aus dem Nordbalkan vertrieben wurde, machten sich Siedlergruppen aus Mitteleuropa auf den Weg, die nun unter österreichischer Kontrolle befindlichen Gebiete zu besiedeln.
Diese Siedlergruppen, die meist von schwäbischen Städten wie Ulm aus die Donau hinab in Richtung des pannonischen Beckens (heutiges Ungarn, Nordserbien und Westrumänien) migrierten, werden als Donauschwaben bezeichnet. Sie ließen sich in verschiedenen Bereichen dieser Tiefebene nieder. Diejenigen, die sich im westrumänischen Teilgebiet, dem Banat, niederließen, werden passend zum Namen als „Banater Schwaben“ zusammengefasst.
Das Siedlungsgebiet der Donauschwaben. Wie auf der Karte zu sehen ist, sammelten sich viele Migranten an verschiedenen Höhen des Flusslaufes der Donau und können so anhand des Ortes ihrer Niederlassung charakterisiert werden. Die Siedlungsorte reichten dabei vom nördlichen Ungarn und über die heute serbische Batschka bis ins Banat (orange markiert). Sammelpunkt der Region wurde die Großstadt Temeschburg (rumänisch Timisoara; orange markiert).
Viele Siedler machten sich mit Booten, sog. „Ulmer Schachteln“ auf den Weg, die Donau herabzufahren. Der Name der Boote ist dabei bezeichnend für den Herkunftsort: Viele der Auswanderer starteten ihre Reise im schwäbischen Ulm. Oftmals waren die Schiffe nur für eine einmalige Reise gedacht. So konnten die Materialien bei der Ankunft direkt wiederverwendet werden. Die Bezeichnung der Auswanderer als „Schwaben“ bezieht sich ebenfalls keineswegs auf deren Herkunft. Auch hier lässt sich die Namensherkunft daher erklären, dass Schwaben als Ausgangspunkt der Donaureise diente.