Steckbrief:
Dr. med. Lava Taha
Geb. in Sulaimaniya/Irak
33 Jahre alt
Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
„Wie sah dein Leben vor der Flucht aus?“
„Ich war damals noch sehr klein – gerade mal fünf Jahre alt, als ich nach Deutschland kam. Deshalb erinnere ich mich nicht mehr an allzu viel. In Kurdistan, im Norden des Iraks, wo wir gelebt haben, hatten wir eigentlich ein gutes Leben. Es ist ein Autonomiegebiet, das von Kurden verwaltet wird.“. „Meinen Eltern ging es finanziell nicht schlecht. Mein Vater hatte einen eigenen Laden, in dem er Elektronik verkauft hat. Er hatte in Kurdistan Elektrotechnik studiert und war damals auch oft geschäftlich in Bagdad unterwegs – also im arabischen Teil des Landes. Das Haus, in dem ich geboren wurde, gibt es übrigens noch. Und auch den Laden, den mein Vater damals geführt hat, gibt es weiterhin.
Meine Eltern haben in der Schule sowohl Kurdisch als auch Arabisch gelernt. Ich selbst spreche Kurdisch fließend, aber Arabisch habe ich nie gelernt, weil wir dann auf der Flucht waren. In Kurdistan konnte ich noch ein Jahr lang den Kindergarten besuchen.
Meine Eltern haben sich hier in Deutschland sehr bemüht – und es auch geschafft –, dass wir unsere Kultur nicht ganz verlieren. Unsere kurdische Kultur konnten wir bis heute ein Stück weit bewahren.“
„Was hat euch damals veranlasst das Land zu verlassen?“
„Meinen Eltern ging es prinzipiell finanziell eigentlich gut. Es war keine Wirtschaftskrise, die uns zur Flucht getrieben hat, sondern eher eine politische Krise. Der Iran-Irak-Krieg 1991 fiel ja in das Jahr, in dem ich geboren wurde. Zu der Zeit waren meine Eltern bereits auf der Flucht, und 1996 sind wir schließlich nach Deutschland gekommen.
Mein Vater war politisch aktiv, was für unsere Familie ein wichtiger Grund war, nach Deutschland zu fliehen. Ob diese Flucht wirklich nur vorübergehend nötig war oder nicht, konnten meine Eltern damals natürlich nicht wissen. Ich glaube nicht, dass es eine spontane Entscheidung war – man musste finanziell viel investieren, um die Flucht überhaupt durchzuziehen. Es war eine wohlüberlegte Entscheidung, und für viele Menschen, die finanziell oder sozial weniger gut aufgestellt waren, war eine solche Flucht damals schlichtweg unmöglich.
Wir haben viele geliebte Erinnerungen und materiellen Besitz zurückgelassen. Das Wichtigste für meine Eltern war damals, dass es uns Kindern irgendwann einmal gut geht und wir eine bessere Zukunft haben – etwas, das sie selbst dort nicht mehr sehen konnten. Ich habe übrigens noch einen älteren Bruder, der mit uns ausgewandert ist.“
„Wie sah die Anfangszeit in Deutschland aus?“
„Zuerst waren wir ein Jahr in Magdeburg, das war unser erster Zufluchtsort. Uns wurde ein Asylheim zugewiesen, und das war damals in Magdeburg. Wir haben dort nur ein Jahr verbracht.
Mit etwa fünf bis sechs Jahren kam ich dann in den Kindergarten.
Nach diesem Jahr – meine Eltern hatten hier in Nürnberg einen Freund – sind wir mit seiner Hilfe nach Nürnberg gezogen und sind dort erstmal geblieben.“
„Mit sieben Jahren wurde ich eingeschult und bin dann in Nürnberg zur Schule gegangen. Für mich ist Nürnberg mittlerweile meine Heimat. Hier habe ich mich immer sehr wohl gefühlt.
Ich habe mein Abitur am Dürer-Gymnasium in Nürnberg gemacht, einer Schule, an der auch viele Migrantenkinder waren. Das hat dazu beigetragen, dass ich mich nie ausgeschlossen gefühlt habe. Auch die Lehrer waren sehr offen und unterstützend.
Meine gesamte Kindheit war eigentlich sehr schön, und ich habe nie wirklich Ausgrenzung erlebt. Natürlich reflektiert man mit der Zeit kleine Situationen aus dem Alltag anders.
Ich bin von Natur aus ein sehr aufgeschlossener Mensch und gehe auf andere Leute zu – ich denke, das wird in der Regel auch positiv wahrgenommen. Deswegen habe ich wenig Ausgrenzung gespürt, und als Frau wahrscheinlich sogar noch weniger.
Natürlich gibt es manchmal diese „seltsamen“ Fragen wie: „Woher kommen Sie?“ oder „Du kannst ja gut Deutsch!“ – die hört man immer wieder. Aber ehrlich gesagt stören sie mich nicht groß. Je mehr man sich mit solchen Dingen auseinandersetzt, desto sensibler wird man dafür. Aber es hängt immer vom Kontext und davon ab, von wem diese Fragen kommen. Manchmal ist es einfach eine unbeholfene Neugier, und dann kann man drüber stehen. Ich glaube, manche Leute wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen.“
„Schulzeit“- Der Weg zum Medizinstudium
„Als meine Eltern nach Deutschland kamen, konnten sie natürlich kein Wort Deutsch. Kinder lernen Sprachen im Alltag viel schneller als Erwachsene, und deshalb haben mein Bruder und ich die Sprache schnell erlernt. Trotzdem gab es immer wieder Schwierigkeiten.“ „Ich war zunächst zwei Jahre auf der Hauptschule, und meine Eltern wussten nicht wirklich, wie oder ob man überhaupt aufs Gymnasium wechseln kann. Ich hatte anfangs die Empfehlung für die Hauptschule, weil mir Sachen wie Vorlesen und Deutschaufsätze schreiben sehr schwerfielen. In den ersten Jahren musste ich da wirklich kämpfen.
Schon mit 13 Jahren wollte ich aber Ärztin werden und habe früh angefangen, darauf hinzuarbeiten. Meine Lehrer haben mir damals gesagt: ‚Um das zu erreichen, brauchst du ein Abitur – mit einem Hauptschulabschluss kommst du da nicht weiter!‘
Also war der Wechsel zur Realschule der nächste Schritt. Nach zwei Jahren Hauptschule bin ich auf die Geschwister-Scholl-Realschule gewechselt, wo ich nur ein Jahr war – aber in diesem Jahr war ich Jahrgangsbeste, sogar die Schulbeste. Von dort habe ich die Empfehlung für das Gymnasium bekommen, mit der Voraussetzung, eine Übertrittsprüfung zu bestehen.
In den Sommerferien musste ich dann Französisch allein nachholen, da ich das Fach auf der Realschule nicht hatte. Aber es lag mir überraschend gut, und es hat mich einfach interessiert. Wenn man auf ein Ziel hinarbeitet, wird man auch besser – das war bei mir definitiv der Fall.
Meine Eltern konnten mir in dieser Zeit wenig helfen. Das war einerseits schwieriger, aber andererseits hat es mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich habe früh gelernt, dass ich für das, was ich will, selbst kämpfen muss. Natürlich war das anstrengend, aber es hat meine Persönlichkeit geprägt und ich denke, dass es mir später auch in meinem Berufsleben sehr geholfen hat.“
„Die Prüfung habe ich dann dort abgelegt und bin schließlich aufs Dürer-Gymnasium gewechselt. Dort habe ich mich wirklich wohlgefühlt. Ich wusste, dass ich hier mein Abitur machen kann und hatte das Gefühl, mich weiterentwickeln zu können.“ „Mein Abitur konnte ich hier erfolgreich abschließen. Dahinter steckten natürlich viel Fleiß und Eigenmotivation. Kämpfen war für mich immer normal und hat einfach dazugehört. Am Ende hat es gut funktioniert, und ich habe zunächst einen Studienplatz in Düsseldorf für das Medizinstudium bekommen. Aber noch vor dem Studium konnte ich mit einem Tauschpartner wechseln und schließlich in Erlangen anfangen zu studieren. Erlangen und Nürnberg sind für mich fast wie eine Einheit – sie sind ja nicht weit voneinander entfernt. Ich bin sehr lange gependelt, aber das war für mich kein Problem. Auch heute noch leben meine Eltern und die Familie in Nürnberg, und es ist immer noch kein Problem für mich.“
Berufswelt
„Ärztin zu sein und Menschen zu helfen, war für mich immer der Traumjob. Deshalb habe ich es von Anfang an genossen, auch wenn es manchmal anstrengend war und viel zu tun gab.
Ich wurde von meinem damaligen Chef sehr gut aufgenommen. Ich habe das Gefühl, dass er Menschen mit Migrationshintergrund besonders schätzt, weil er weiß, dass diese oft mehr kämpfen müssen und eine höhere Motivation mitbringen – zumindest kann man das nicht pauschal sagen, aber ich denke, dass es in Berufen, die einiges an Voraussetzungswissen und Engagement erfordern, oft so ist. Diese hohe Motivation schätzt er, und ich hatte das Gefühl, dass er mich dadurch noch offener empfangen hat, als wenn ich keinen Migrationshintergrund gehabt hätte.“ „So habe ich dann mit der Arbeit angefangen, und mein Migrationshintergrund war eigentlich nie ein Problem. Je älter man jedoch wird, desto mehr merkt man doch einzelne Punkte, bei denen man denkt, dass es vielleicht einfacher wäre, wenn ich einen deutschen Hintergrund hätte – sei es im Umgang mit den Patienten oder auch teilweise mit anderen Kollegen. Da gibt es schon hin und wieder Reibungspunkte oder Missverständnisse. Nicht, weil ich die Sprache nicht gut beherrsche, sondern eher durch kleine Aussagen, die einen stören, wie zum Beispiel: ‚Du bist temperamentvoller aufgrund deiner Herkunft." „Ich finde, manchmal kann es von Vorteil sein, einen Migrationshintergrund zu haben, aber manchmal erschwert es auch die Situation, und man muss mehr kämpfen. Das ist schwer zu erklären und für Außenstehende nicht immer einfach nachzuvollziehen. Manchmal hat man einfach das Gefühl, dass man mehr kämpfen muss, um eine Stelle zu bekommen, als wenn man einen deutschen Hintergrund hätte. Vielleicht bildet man sich das auch ein, aber wenn ich mit anderen Kollegen rede, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben, oder wenn ich solche Situationen beobachte, merke ich, dass es einen schon ein Leben lang begleitet.
Das hat mich als junge Person ausgemacht: der Wille zu kämpfen – allein der Weg bis zum Gymnasium. Für mich war das nie ein Problem, und das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich denke, das schätzen auch viele Menschen. Dass ich Ärztin werden wollte, stand für mich immer fest. Meine Eltern und mein Umfeld fanden es sehr beeindruckend, dass ich schon so genau wusste, was ich wollte. Früher hat meine Mutter mich manchmal gefragt: ‚Willst du wirklich diesen harten Job? Willst du nicht etwas Einfacheres für dich?‘ Aber sie haben mich immer unterstützt, weil sie wussten: Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann höre ich nicht auf. Ich liebe meinen Job sehr, das hat sich nie geändert.“ „Mittlerweile bin ich fast acht Jahre in der Klinik, habe meine Facharztausbildung dort gemacht und entfalte mich jeden Tag mehr. Ich liebe die Arbeit mit den Patienten. Natürlich gibt es auch Patienten, die einen erst einmal skeptisch anschauen, weil man jung ist, eine Frau und dann auch noch einen Migrationshintergrund hat. Aber wenn sie sehen, was man kann, wie gut man sie behandelt und versorgt, sind sie in der Regel dankbar – und das strahlen sie dann auch aus.
Trotzdem muss ich sagen, dass Deutschland mittlerweile ein Land ist, in dem es keine Ausnahme mehr ist, einen Migrationshintergrund zu haben. Es funktioniert und gehört einfach zu Deutschland.“
Wie kann man Integration besser gestalten?“
„Ich denke, es muss von beiden Seiten kommen. Wenn man nur sagt, die Deutschen müssten die Migranten besser integrieren, finde ich das nicht gerechtfertigt. Die Menschen, die hierherkommen – meine Eltern zum Beispiel – haben sich eine Zukunft in Deutschland gewünscht. Es ging nicht nur darum, mehr Geld zu bekommen oder finanziell sicherer dazustehen.
Man muss auch bereit sein, sich in das Land einzufügen und zu sagen: ‚Ja, wir kommen hierhin.‘ Natürlich muss man nicht seine Kultur vollständig aufgeben. Die Akzeptanz von beiden Seiten ist, glaube ich, sehr wichtig. Beide Seiten müssen akzeptieren, dass die Migranten einen Migrationshintergrund haben, zu ihrer Kultur stehen und diese auch nicht komplett aufgeben wollen.
Aber auch die Migranten müssen anerkennen, dass sie in ein fremdes Land kommen, mit anderen Kulturen und anderen Werten. Sie müssen bereit sein, diese Unterschiede zu akzeptieren. Man muss nicht alles übernehmen, was einem im neuen Land nicht passt, aber man sollte so anpassen, dass es insgesamt funktioniert.
Ich sehe das als Chance und als Geschenk. Ich spreche perfekt Kurdisch und kann problemlos zwischen Kurdisch und Deutsch wechseln. Ich kann in beiden Sprachen denken – das ist eine große Bereicherung.“
„Das sind die Erfahrungen, die mich zu dem gemacht haben, wer ich heute bin.
Wenn ich in Kurdistan geblieben wäre, wäre ich nicht die Lava, die ich jetzt hier bin. Und wenn ich hier komplett aufgewachsen wäre, hier geboren wäre und meine Eltern nur Deutsch gesprochen hätten, wäre ich auch nicht die gleiche Person.
„Was war der Grund für die Migration nach Deutschland und wie waren die Umstände?“
„Meine sind Eltern damals freiwillig nach Deutschland gekommen. Das war circa 1985 oder 1986. Sie waren damals 18 und 19 und ich wurde hier 1991 hier geboren, meine Eltern haben damals die Türkei verlassen aufgrund dessen, dass meine Großeltern schon in Deutschland waren und gemeint haben das es hier gute Arbeit gibt. Hier hatte man Hoffnung auf Wohlstand und aufgrund dieser Umstände war dieEntscheidung einfach zu sagen okay meine Eltern sind schon da und jetzt kommen wir nach. Ich glaube, das war schon allen klar, das das passiert, weil man es einfach von anderen Familien kennt, das wenn die Eltern nach Deutschland kommen, auch die Kinder irgendwann nachreisen.“
„Wie wurdest du in der schule aufgenommen?“
„Also ich denke gerade, da ich hier geboren bin, war das erstmal einfach, aber ich habe es schon ein bisschen gemerkt, relativ spät, dass ich anders bin, klar, als Kind, als Jugendlicher denkt man sich erstmal gar nichts, aber irgendwann nach und nach, weil meine Eltern haben das auch schon immer irgendwie gesagt, das sagen sie auch
immer noch, dass man Deutschen nicht vertrauen kann, dass man den anderen nicht vertrauen kann, sei nur unter Türken und das habe ich irgendwie nicht verstanden, weil ich ja eigentlich schon viele deutsche Freunde hatte und auch viele ausländische Freunde, also andere Menschen mit anderen Migrationshintergründen, und das ist mir erst relativ spät klar geworden was sie damit meinten - ach so, da gibt es ja die anderen und da gibt es uns. Und diese Trennung habe ich erstmal gar nicht gesehen. Also vor allem jetzt, da ich auch am Gymnasium war und wir auch ein sehr multikultureller Haufen von Jugendlichen waren. Meine besten Freunde zum Beispiel hatten einen kurdischen Hintergrund, einen jüdischen, und einen griechischen, und deshalb habe ich das nie verstanden, so was meinen meine Eltern mit Vertrauen den Deutschen nicht oder vertrauen den Griechen nicht. Und damit hatte ich schon Schwierigkeiten. Diskriminierung habe ich zwar viel erfahren, sage ich mal, aber ich habe das eben als ich jünger war nie so wahrgenommen, weil ich immer dachte, okay, die mögen mich nicht als Person. Ich habe erst später realisiert, ach so, die mögen mich nicht wegen meines Aussehens oder wegen meinem Namen und das war eine Erkenntnis, irgendwann später das ich dann begriffen habe die hassen mich gerade nur weil ich so aussehe, wie ich aussehe und nicht weil ich einfach Burak bin.“
„Wann hat für dich die Integration in Deutschland angefangen?“
„Ich würde tatsächlich für mich als Punkt nehmen. Den Moment wo ich angefangen habe, Schauspiel zu studieren. Davor habe ich zwar natürlich Theater gemacht und Theaterwissenschaften studiert, das war für mich eher so, ah, ich mache das alles für meine Eltern, und erst als ich gesagt habe, ich werde jetzt Schauspiel studieren und für mich mein Leben gestalten, wie ich es will, ich will an dieser Gesellschaft so teilhaben, wie ich Lust darauf habe, da hat es für mich angefangen mit dem Gedanken ich bin jetzt glaube ich integriert, ich darf hier machen was ich will.“
„Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?“
„Wie bist du auf diesen Job gekommen?
Als man in die Oberstufe gekommen ist musste man an unserer Schule zwischen Chor und Theater wählen und da alle meine Freunde sich für letzteres entschieden haben habe ich mich auch für den Theaterkurs angemeldet . Dort war mein Lehrer die erste Person die mich auf diesen Weg begleitet hat. Dann bin ich ans Staatstheater gegangen, zum Jugendclub, dort gab es wieder andere die mich unterstützt haben, und da kam ich dann einfach auf diese Idee das weiter zu verfolgen, durch meine Erfahrung mit Diskriminierung, und mit allem möglichen war für mich die Theaterbühne, die erste Bühne wo ich sein durfte, wie ich bin, die für mich mein erster Begriff von Heimat war. Ich habe dann Theaterwissenschaften studiert und gemerkt das ich mit Wissenschaften nicht gut klar komme, das ist zu viel schreiben und denken und dann kam irgendwann die Idee doch mal Schauspiel zu studieren. Für mich war das immer so eine Welt, wo ich nicht sein durfte. Und plötzlich war es so das ich Theater studieren konnte und Schauspieler werden würde. Da wurde ich dann nach einem Vorsprechen in Regensburg genommen, und habe dann 2020 meinen Abschluss gemacht und bin seitdem staatlich geprüfter Schauspieler.“
„Wie war die Reaktion anderer Menschen auf deinen Berufswunsch?“
„Also meine Familie ist immer noch nicht begeistert, obwohl ich seit 25 Jahren mittlerweile relativ erfolgreich, wie man es sehen will, als Schauspieler arbeite. Aber für sie ist das kein fester Beruf da er in der der Türkei einfach sehr links angehaucht ist was als schlecht gilt und mit Anarchie und und Problemen verbunden wird. Für meine Eltern ist glaube ich der Faktor, dass es kein sozialversicherter Beruf, das ich immer wieder andere Aufträge habe, und mein dadurch schwankendes Gehalt der Grund für die Ablehnung. Meine Freunde fanden das dagegen cool, sie unterstützen mich und finden es immer noch super, dass ich Schauspiel mache. Außenstehende sind meinem Empfinden nach immer so ein bisschen irritiert das ein Türke Schauspielert obwohl es ja mittlerweile ein gewohnter Anblick ist würde ich behaupten.“
„Wie nimmst du Integration in deinem Beruflichen Umfeld war?“
„Die Theaterwelt ist, finde ich, sehr aufgeschlossen. Ich glaube, da gibt es einfach sehr viele offene Menschen, die einem begegnen, aber man muss trotzdem sagen, dass man als Mensch mit Migrationshintergrund gewisse Probleme hat, bei Rollenverteilungen zum Beispiel: Es gibt einfach, natürlich mit Ausnahmen, viele Rollen die auch in Hinsicht auf das Aussehen vergeben werden. Also in gewissen Bereichen verstehe ich das auch, wo ich sage, so ja klar gut, aber dann ist es doch wiederum schade zu sagen, okay ich werde wieder auf mein Äußeres reduziert und man sagt mir, weil du so aussiehst, wie du aussiehst, gibt es für dich nur diese Rollen und das finde ich traurig. Das löst sich zwar mittlerweile, aber es wird natürlich immer noch hinterfragt wenn man eine Serie sieht und es heißt da ist der Thomas und dann komme ich. Da fragen sich natürlich viele was ist da für eine Geschichte dahinter.“
„Fühlst du dich auf die selbe Weise wertgeschätzt wie Kollegen ohne Migrationshintergrund?“
„In meinem Arbeitsfeld schon, aber ich muss auch sagen, da ich in der freien Szene arbeite kann ich mir die Menschen mit denen ich mich gut verstehe und mit denen ich arbeiten will auch aussuchen, wenn ich jetzt in die Film Branche oder in große Theater gehen würde, würde ich das auch merken das ich mich dort reduziert fühle, darauf wie ich aussehe und was ich bin. Da habe ich schon das Gefühl das mein Migrationshintergrund mehr Raum einnimmt als ich es will. Ich spreche gerne darüber wenn es darum geht wie man mit seinem Migrationshintergrund umgehen kann, aber ich will nicht die ganze Zeit darauf eingehen das ich Türke bin.“
„Welche Vorurteilen begegnen dir häufig und wie begegnest du ihnen?“
„Ich hab für mich entschieden, es einfach zu ignorieren wenn mich Menschen fragen woher ich denn „wirklich“ komme, auf solche Kommentare versuche ich mit Humor zu reagierend darüber zu stehen weil ich einfach nicht die Zeit habe jedesmal diese Fass aufzumachen ich pack das erst aus wenn’s es notwendig ist, oder zur Diskussion beiträgt. Dann versuche ich auch klar zu machen das ich an erster Stelle Burak bin und Schauspieler und erst an zweiter Stelle habe ich Migrationshintergrund und bin Muslime.“
„Vermisst du dein altes Leben?“
„Meine Eltern vermisse ich sehr. Also ich glaube sie versuchen auch, dass ich sehr stolz bin auf die Türkei oder sehr patriotisch, was ich immer nicht verstehen, weil ich mit dem Land schöne Momente hatte, ich finde es schön dort, aber ich verbinde damit wenig, da ich hier aufgewachsen bin und das Leben hier sehr genieße. Ich merke schon, dass meine Eltern gerne in die Türkei zurück wollen, die sie verlassen haben. Was sich aber mittlerweile, glaube ich, politisch so verändert hat, dass meine Eltern da einfach nicht mehr zufrieden sein würden. Sie würden merken da hat sich einiges verändern, das ist nicht mehr die Türkei, aus meiner Jugend. Das kann man sich so vorstellen wie wenn man nach 40 Jahren wieder nach Deutschland kommt und plötzlich fahren alle auf der linken Straßenseite und nicht mehr auf der rechten. So ähnlich fühlt sich das, glaube ich, bei meinen Eltern an.“
„Hast du Traditionen die du weiterhin Pflegst?“
„Ich würde schon sagen das ich noch einiges behalten habe, aber im Gegensatz zu meinen Eltern die immer noch konservativ Muslimisch sind bin ich schon vom Glauben abgewichen, auch weil ich manche Sachen die der Glauben macht oder machen lässt nicht gut finde und hinterfrage dabei auch viel. Jetzt habe ich mittlerweile einfach für mich einen anderen Weg zum Islam gefunden, wie ich damit lebe und damit umgehe. Viele Traditionen meiner Familie kommen natürlich auch vom Islam was auch damit zusammen hängt.“
„Gibt es für dich noch etwas wie eine Heimat?“
„Ich würde schon sagen das ich noch einiges behalten habe, aber im Gegensatz zu meinen Eltern die immer noch konservativ Muslimisch sind bin ich schon vom Glauben abgewichen, auch weil ich manche Sachen die der Glauben macht oder machen lässt nicht gut finde und hinterfrage dabei auch viel. Jetzt habe ich mittlerweile einfach für mich einen anderen Weg zum Islam gefunden, wie ich damit lebe und damit umgehe. Viele Traditionen meiner Familie kommen natürlich auch vom Islam was auch damit zusammen hängt.“
„Wie ist dein Verhältnis zu zurückgebliebenen Familienmitgliedern oder Freunden?“
„Ich merke ,dass meine Verwandtschaft in der Türkeimich irgendwie noch sehr liebt oder mich vermissen, was ich nicht verstehen kann. Ich habe mit ihnen in meiner Kindheit und Jugend viel zu tun gehabt, jetzt als Erwachsener habe ich wirklich gar keinen Kontakt, aber sie haben immer noch diese Liebe ohne Grund, wie ich das nennen würde, sodass sie Dinge sagen wie: Komm doch zurück, hier kannst du bei uns wohnen obwohl sie mich fast gar nicht kennen, oder der Onkel meiner Mutter der darüber weint wenn ich dieses Jahr nicht in die Türkei fahre.Dann habe ich schon das Gefühl, dass das ein Familienverhältnis ist, dass ich nicht kenne. Das man unbedingt dadurch, dass man Familie ist schon sehr eng miteinander verbunden ist. Und für mich ist sind das Menschen die ich schon gerne mag, aber die eigentlich über meine Lebensweise kaum etwas wissen.“
„War die Migration im Nachhinein eine gute Entscheidung?“
„Ich finde es ist für mich schwer zu entscheiden, weil ich nicht weiß, was für ein Leben hätten wir in der Türkei geführt. Ich glaube, meine Eltern bereuen es manchmal, aber es war eine Entscheidung zwischen wir machen es so oder wir finden keine Arbeit dort wo wir leben, das ist ja denke ich keine Entscheidung die man gerne trifft, aber die getroffen werden musste. So wie ich das von ihnen mitbekommen habe.“
"Gibt es für dich noch etwas wie eine Heimat?“
„Für mich auf jeden Fall, da ich in Deutschland geboren bin und ich es hier sehr liebe und genieße, aber ich merke schon, dass meine Eltern damit harte Probleme haben, also Deutschland als Heimat anzusehen. Für sie ist ihre Heimat glaube ich eher bei den Kindern, bei der Familie und dadurch, dass wir ein bisschen sehr zersplittert leben, weil auch ein großer Teil meiner Familie in Duisburg lebt, auch meine Schwester ist dorthingezogen, was es für meine Eltern sehr schwer macht hier eine Heimat zu finden. Wenn sich das Leben um die Familie dreht aber diese überall verteilt ist, da wünschen sie sich, glaube ich, schon, was sie aus der Türkei kennen, dass jeder in der gleichen Straße wohnt und dass jeder Abends zusammenhockt oder spielt.“