Domus inscriptionis
Domus inscriptionis
Geht man in Schneeberg über den Kirchplatz in Richtung Greifberg kann man links der alten Kaserne (heute Kirchplatz 9) ein langes Wohnhaus betrachten, an welchem im Scheitelstein der Eingangstür eine Inschrift zu lesen ist. Der Buchstabe „S“ mit der Jahreszahl „1827“ ist in den Granit eingemeißelt worden.
Die Bedeutung dieser 197 Jahre alten Zeichen zu entschlüsseln, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.
Das Gebäude mit der heutigen Adresse „Kirchplatz 8“ hatte die Brandkataster-Nummer 367 und vor 1840 die Katasternummer 349. Anhand dieser Nummer können wir den Besitzer des Hauses ermitteln.
In der Akte „Der Stadt Schneeberg Quatember-Steuer-Catastrum“ aus dem Jahre 1789 finden wir den Kürschnermeister, Gemeindevorsteher und Viertelsmeister Veit Hans Schnorr als Inhaber dieses Hauses. Die Beschreibung darin lautet: „ein brauberechtigt hölzern 2 Stock hohes Haus, nebst 1 ¼ Metze Garten“. Auch noch 1795 finden wir die selbe Beschreibung in der Akte „Der Stadt Schneeberg Schock-Steuer-Verzeichnis“.
Den Kauf des Wohnhauses konnten wir im Gerichtsbuch für Schneeberg Nr. 66 auf Folio 255 ausfindig machen. Am 25. Juni 1776 erwirbt besagter Schnorr dieses „brauberechtigte“ Haus für 250 Taler von der Maurer-Familie Lochmann.
Als Lokalisierung werden hier die Nachbarn genannt: „neben dem dermaligen Bauer & hinter dem Schnorrschen & oberhalb dem Götzischen Wohnhäusern“. Doch uns fehlen noch 51 Jahre bis 1827 …
Der genannte Kürschnermeister Veit Hans Schnorr war ab 1777 das erste Mal mit Christiane Marie Bartcke aus Weißbach und ab 1791 mit Eva Sophie Eleonore Schmidt aus Freiberg verehelicht. Er verstarb am 23. Januar 1796 und hinterließ seinen Erben das Wohnhaus. Im Gerichtsbuch Nr. 73 Folio 339 wird diese Hausüberschreibung behandelt.
Am 24. September 1799 ererbt Christian Heinrich Schnorr, der Sohn aus erster Ehe, als „unmündiger Stiefsohn“ der Witwe eine Hälfte und übernimmt von seinen Miterben am 17. Juni 1806, laut Gerichtsbuch 75 Folio 89, auch die zweite Hälfte des väterlichen Wohnhauses für 282 Taler.
Am selben Tag wird er in der Bürgerrolle Schneebergs auf Seite 50b aufgeführt:
Christian Heinrich Schnorr erblickte am 22. Februar 1786 in Schneeberg als „2. Sohn 1. Ehe“ das Licht der Welt. Wie vorgehend beschrieben ererbte er schon als 13-jähriger die Hälfte des Hauses von seinem Vater und wurde mit 20 Jahren Inhaber des gesamten Gebäudes.
Am 19. August 1806 ehelichte er Christiane Sophie Leichsenring, die Tochter eines ansässigen Weißbäckermeisters.
Schnorr erlernte, wie der Vater, das Kürschnerhandwerk, erlangte den Meistertitel und war später Bezirkseinnehmer und Viertelsmeister. 1815 wird sein Vermögen auf 880 Taler im Schneeberger „Abschätzungs-Cataster“ beschrieben.
Zwischen 1807 und 1824 wurden dem Ehepaar Schnorr 6 Kinder geboren - 2 Söhne und 4 Töchter - von denen 5 das Kleinkindalter nicht überlebten.
Christian Heinrichs Ehefrau Christiane Sophie verließ ihre Familie mit schon 45 Jahren in die Ewigkeit. Am 18. April 1830 verstarb sie an „Verzehrung“.
Im Jahre 1841 wird sein Wohnhaus folgendermaßen beschrieben: „Parterre: 2 Stuben, 3 Kammern, 1 Küche, 1 Keller, 1 Holzschuppen; 1. Etage: 1 Stube, 2 Kammern, 1 Küche, 3 Kammern, 1 Boden“ und im Jahr 1854 im Brandversicherungs-Kataster „a) das Wohngebäude mit unterbautem Keller nebst Ganganbau & Treppendachungsanbau b) das Schuppengebäude“.
Als der „ansässige Bürger und Kürschnermeister“ Hr. Christian Heinrich Schnorr im 81. Jahr seines Lebens seine Augen für immer schloss schrieb man den 27. November 1866. Abends ½ 10 Uhr verschied er als Witwer an Altersschwäche. Am 30. November ließ man ihn in die Erde des Schneeberger Gottesackers nieder. Er hinterließ nur seine einzige Tochter Concordie Theresie, welche mit dem hiesigen Apotheker Müller verheiratet war.
Wir haben somit das „S“ im Schlußstein für „Schnorr“ zuordnen können.
Im Jahr „1827“ muss das Haus von Christan Heinrich Schnorr wohl steinern neu aufgebaut worden sein, denn zu seines Vaters Zeiten war es noch „hölzern“.
Christian Heinrich Schnorr (1786-1866) entstammt der direkten Ahnenlinie von Hammerherr Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1644-1715). Er war dessen Ururenkel. Die Familie benutzte ihren Adelstitelzusatz bis ins späte 19. Jahrhundert kaum und schrieb sich nur „Schnorr“.
Aus unseren weiteren Forschungen zum Haus 367 ging interessanterweise hervor, dass von 1708 bis 1771 in diesem Gebäude die Wohnungen und die Buchdruckerei des Carl Wilhelm Fulde (†1761) und danach seines Sohnes Daniel Heinrich Fulde (1728-1814) untergebracht waren.
Schnorr - Fulde - Müller - Bartcke - Schmidt - Lochmann - Bauer - Leichsenring - Götz - Schnorr von Carolsfeld
Kirchplatz - Greifberg - Kaserne - Freiberg - Weißbach
Kürschner - Hammerherr - Buchdrucker - Weißbäcker - Gemeindevorsteher - Viertelsmeister