Ein kleiner Ausflug in die Geschichte, in die Geschichte der Stadt Aken, in die Geschichte der Zündholzfabrik Aken an der Elbe.
Um die Jahrhundertwende gab es in Deutschland bis zu 620 Werke zur Herstellung von Zündhölzern.
Das in Preußen gelegene Aken wurde wegen seiner günstigen Verkehrslage und wegen steuerlichen Vergünstigungen gegenüber Anhalt zu einem gefragten Standort. Nach längeren Verhandlungen mit dem Rat der Stadt kam es am 10.November 1905 zum Abschluß eines Pachtvertrages über eine stadteigene Parzelle, die als Fabrikgrundstück dienen sollte ( 10.000 m² im Mennewitzer Busch ). Der Pachtvertrag erfolgte zunächst für 50 Jahre.
Die "Deutsch-Dänische Patent-Zündholzfabrik" wurde als Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet. Gesellschafter waren die Kaufleute Carl Sonntag und Wilhelm Wittig aus Köthen.
Zwischen 1907 und 1912 arbeiteten durchschnittlich 33 Arbeiter, 1 Werkmeister, 1 Chemiker, 1 Maschinist und weitere Hilfskräfte im Werk. Der Durchschnittslohn bei 10 Std. pro Tag betrug für Männer 2,86 Mark, für Frauen 1,35 Mark.
Die Konkurrenz war gewaltig, der nationale und internationale Druck stieg ständig, der Geschäftsverlauf war verlustreich. Es folgte der Konkurs und die Einstellung der Produktion am 31.Mai 1912.
Nach Abwicklung des Konkursverfahrens wurde das Werk von Dr.Fritz Roese aus Dessau am 12.02.1913 gekauft und produzierte weiter. 1913 gab es 66 Beschäftigte, der wirtschaftliche Höhepunkt wurde 1916 mit 125 Beschäftigten erreicht..
In den Jahren 1919/20 beherrschten schwedische Großkonzerne und Verbände die Zündholzindustrie weltweit. Dr. Roese erkannte diese Entwicklung und verkaufte das Werk an die mächtige Stahl & Nölke AG in Kassel. Der Aufkauf der kleinen Firma erfolgte auch hier, um das Werk anschließend zu liquidieren. Am 1.September 1924 war das Ende der Zündholzindustrie in Aken gekommen.
Das Werk kennzeichnete seine Schachteln mit eigenen Etiketten, die folgende Motive zeigen: Ohne Kopf, Korallenhölzer, Völkerschlachtdenkmal, Bismarckdenkmal, Walkürendenkmal, zwei Pinguine, reitender Indianer, Gemsbock, Dampfschiff, Marktkirche in Aken, RIO, Erika, Drachen-Marke. Es gibt nach Sammlerunterlagen über 100 verschiedene Etiketten, die heutzutage von den Phillumenisten (Sammler von Zündholzschachteletiketten) gesammelt werden.
Zur Unterscheidung der Werke dienen Steuernummern (auf dem Etikett aufgedruckt). Das Werk Aken hatte die folgenden: 144, 250, 277, 303, 316, 334
Lieber Leser dieser Seite : Wir suchen ständig Etiketten oder komplette Schachteln des Werkes, sowie andere Dokumente (Fotos, Arbeitsverträge, Rechnungen, u.a.).Werfen Sie diese Sachen nicht achtlos weg, es gibt dafür Sammler, die sicherlich sehr dankbar wären und die es der Nachwelt erhalten !