Chiemgauer Alpen
2020
2020
06.07.2020, Sonntag
Wir wollten zum Einstieg eine ruhige Tour laufen. Geplant waren 8 km zum Dürrnbachhorn. Mit der Variante wurden es am Ende 16 km. Wir begannen die Tour bei Seegatterl anstatt schon oben bei der Winkelmoosalm. Dort, wo eigentlich die Tour hätte beginnen sollen. Wir machten hier oben nach 1,5 Stunden Gehzeit die erste Pause mit Kaffe in der Traunsteiner Hütte. Auf der Terrasse genossen wir die Aussicht am frühen Vormittag. Anschließend ging es zurück auf die eigentliche Tour. Der Weg führte durch eine Kuhherde und durch Wald und auf Wiesen hinauf zur Dürrnbachalm. Ab da ging es sehr steil über den Wiesenweg (Nr. 112) hoch zum Dürnbacheck. Wir mussten mehrmals unterwegs anhalten, da es die Steigung wirklich in sich hatte. Zudem schien die Sonne unbarmherzig und machte es nicht wesentlich leichter. Von Schatten keine Spur. Die Leute, die uns bergab entgegenkamen hatten leicht Reden - sie waren mit der Sesselbahn der Bergstation Dürrnbacheck hoch gefahren. Unsere erste große Pause hatten wir dann oben. Auf dem Dürrnbachhorn. Eine wunderschöne Aussicht belohnte uns. Und als die Dohlen auch noch hinzukamen und uns aus der Hand fraßen, war der magische Moment perfekt. Und jeden Schweißtropfen wert, den wir bis dahin verbraucht hatten.
Die Pause war nicht nur deshalb wichtig, weil wir vom Anstieg ziemlich erschöpft waren, sondern auch, weil der weitere Weg ziemlich viel Konzentration erforderte. Es ging über den Grat entlang. Links davon steil bergab.
Unser Weg über den Grat.
Die erste große Pause. Wir haben es geschafft. Das Dürrnbachhorn.
1776 m
Der Rest der Tour verlief dann bergab. Auf der österreichischen Seite liefen wir durch Wald und über Wiese zur Finsterbachalm. Dort machten wir eine weitere Pause - eine schöne Brotzeit und ein paar Getränke, Schuhe aus und im Gras sitzen und schon fühlten wir uns fast wieder wie neu. Der Rest der Tour zurück zur Winkelmoosalm und anschließend zum Seegatterl verlief ruhig und fast schon entspannt.
Eine der Aussichten vom Dürrnbachhorn.
Die erste Pause auf der Traunsteiner Hütte.
07.07.2020, Dienstag
Wir haben es geschafft. Was eine Tour. 18,92 km. 1290 Hm, 7,37 Stunden reine Gehzeit. Wir sind platt aber stolz.
Gestartet haben wir die Tour am Wanderparkplatz Aigen im Hintergeschwendt. Es ging durch Wald zuerst auf breiten Wegen, dann auf steinigen Stiegen stets nach oben gen Kampenwand. Das letzte Stück verlief über und an Kuhweiden entlang und eröffnete uns bereits einen Einblick auf unsere Tagestour. Wir sahen von unserem ersten Pausenort sowohl die Kampenwand als auch weiter hinten die Hochplatte - auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten das letzteres tatsächlich noch zu unserer Tour gehörte.
Oben an der Kampenwand angekommen, machten wir eine weitere Pause bevor es über den steinigen Hang nach oben zum Kampenwandgipfel ging. Jeder der Höhenangst oder Schwindel hat, sollte dieses Stück nach oben tunlichst vermeiden. Lose Steine machten den Halt auf dem steilen Hang schwierig. Man rutschte immer wieder ab. Mit Händen und Füßen zog man sich teils kletterartig nach oben, wobei die bereits viel begriffenen Steine glatt waren und kaum Halt boten. Zum Gipfelkreuz führt ein Drahtseil am äußeren Rand entlang. Wir konnten jedoch nicht ahnen, dass das Drahtseil noch eine elementare Bedeutung für uns haben würde.
Oben angekommen waren wir glücklich und genossen den Ausblick.
oben: Der Weg zum Kampenwandgipfel.
links: Das Gipfelkreuz mitsamt kleiner Brücke.
Der Abstieg über die Südseite hinab erfolgte mit den bereits gefürchteten Drahtseilen. Eine Warnung am Beginn des Abstiegs "nur für Geübte" - und das nicht ohne Grund. Es ging teils im 90 Grad Winkel nach unten.
Immer mit dabei - meine Polar M400 (die leider bereits etwas an Altersschwäche leidet) sowie mein Rother Wanderführer. Auch ist die Maske aktuell leider ein Muss auf den Almhütten.
Nachdem wir den Abstieg der Kampenwand überstanden hatten, ging es über ein offenes Stück hinüber Richtung Hochplatte. Wir rasteten in der Piesenhauser Hochalm. Von unserem Sitz aus konnten wir links den bereits gelaufenen Weg sehen, mittig den Chiemsee und rechts hinauf den noch bevorstehenden Weg zur Hochplatte. Zudem gab es eine kleine Stärkung für zwischendurch. Wir hatten schließlich erst knapp über ein Drittel der Strecke geschafft.
Der Blick von der Hochplatte hinüber zum Kampenwandgipfel. Es ist schon überraschend, wenn man sieht was man schon alles geschafft hat an diesem Tag.
Der weitere Weg zur Hochplatte verlief wieder über Kuhweiden und deren Bewohner. Das Stück hoch zum Gipfel verlief steil und im Nachhinein hätte ich mir den Aufstieg gerne erspart. Zwar war auch von dort der Blick wieder unglaublich schön, jedoch waren unzählig viele Fliegen, Bienen und Hummeln unterwegs und es schwirrte nur so um uns herum. Ein Verweilen dort oben war für uns daher nicht drin.
Der restliche Abstieg und der Weg zurück zum Auto verliefen dann recht unspektakulär. Auf breitem Forstweg, meist durch den Wald, ging es talwärts in einem großen Bogen über das Rottauer Tal zurück. Ab und an blitzte wie immer der Chiemsee hindurch. Die letzten 11 km etwa verliefen also bergab und ruhig. Dies war aber auch gut so - uns tat zum Schluss jeder Schritt weh. Die Kletterei am Kampenwandgipfel hatte uns alles abverlangt.
Der Aufstieg zu Beginn über Stock und Stein.
Meinen Schuh hat der Aufstieg leider zerlegt.
Bald geschafft.
08.07.2020, Mittwoch
Der Chiemsee ist der größte See in Bayern. Und wir fanden für den Ruhetag das perfekte Ausflugsziel. Geparkt haben wir unser Auto in Prien in einer Seitenstraße. Mit dem Schiff rüber auf die Inseln ist nur als Fahrgast (nicht Fährgast) möglich und die kostenpflichtigen Parkplätze direkt am Ufer nicht unser Ding. Wir entschieden uns für die Inseltour West. So konnten wir zwischen Herreninsel und Fraueninsel hin und her fahren. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass man das Ticket wieder abgeben muss sobald man das Schiff in Prien oder Gstadt verlässt. Alles auf dem See ist beliebig oft besuchbar an diesem Tag. (Hier am besten einfach am Infoschalter beim Ticketverkauf nachfragen, was am sinnvollsten ist).
Wir fuhren zuerst auf die Herreninsel und liefen dort bis zum Schloss, durch den Park und in den Museumsshop. Ins Schloss selbst sind wir jedoch nicht gegangen. Erbaut wurde dies von Ludwig II als Abbild von Versailles. Wer die Zeit hat, sollte es sich definitiv anschauen. Durch den Park und über die Insel kann man zudem mit der Kutsche fahren. Diese stehen vor allem zu Beginn am Anlegeplatz der Schiffe. Ich glaube ,man schafft es gut einen halben bis ganzen Tag auf dieser Insel zu verbringen.
Wir machten uns stattdessen aber weiter zur Fraueninsel und dem dazugehörigen Klosterladen. Zuvor umrundeten wir die Fraueninsel einmal zu Fuß. Das ist nicht besonders schwer, da diese nicht sehr groß ist (im Gegensatz zur Herreninsel - da dauert es schonmal 2 Stunden). Im Klosterladen des dazugehörigen ältesten bayerischen Klosters, Kloster Frauenwörth, gibt es u.a. Bücher, Gebetsartikel wie selbstgeschnitzte Kreuze, Weihrauch etc. vor allem aber das berühmte, selbst gemachte Marzipan. Wir kauften also ein bisschen was für Familie & Bekannte und machten uns zurück nach Prien.
08.07.2020, Mittwoch
Nachdem wir vormittags bereits auf dem Chiemsee waren, ging es nachmittags noch mal zum Keltendorf. Dieses liegt in Seeon-Seebruck und ist kostenlos und jederzeit zu besichtigen. Eines vorweg gesagt - es ist nicht besonders groß. Es bildet eine, zur keltischen Zeit übliche, Hofanlage nach und wurde in den verschiedenen, damaligen Bauweisen errichtet. Infotafeln erklären die wesentlichen Unterschiede und Besonderheiten und vermitteln einen Einblick ins keltische Leben. Da dieser Hof Teil eines größeren Projekts ist, findet man hier noch weitere Informationen: https://www.seeon-seebruck.de/kelten-im-keltengehoeft-truchtlaching
Meine erste Pause - die Schnappenkirche hinter mir. Der Chiemsee vor mir.
Die einzige Almhütte bevor es auf den steilen Anstieg zum Hochgern geht.
Dort ist die Almhütte an der ich vorbeikam. Von hier sieht es gar nicht so hoch aus.
09.07.2020, Donnerstag
Meine erste Tour alleine. Für 19km nur ich, der Berg und mein sehr schwerer Rucksack.
Der Hochgern und die Schnappenkirche waren von unserer Ferienwohnung in Staudach ohne weiteres Fahren erreichbar. Ich habe also morgens meine Sachen gepackt (etwas zu viel, wie sich im Nachhinein herausstellte) und lief um 6:45 Uhr los. Gestartet bin ich auf 570 Hm. Nach den ersten 1,5 Stunden waren sämtliche Kleidungsstücke, die ich anhatte nass - denn der Weg zur Schnappenkirche, dem ersten Highlight auf dieser Strecke, ging steil hoch. Oben angekommen erwartete mich ein Ausblick auf den Chiemsee. Und obwohl ich diesen die letzte Tage wirklich mehr als häufig gesehen hatte, fand ich den Anblick immer noch atemberaubend schön. Und so genoss ich die ersten 5 Minuten ganz allein dort oben, bis die erste Person an diesem Tag meinen Weg kreuzte. Beim nächsten Mal muss ich wohl noch früher los.
Anschließend ging es stets bergan - immer weiter hinauf. Über eine Alm, dann steil bergauf im Zick Zack durch dichte Flora - immer zwischendrin am Zweifeln ob man nicht doch irgendwo falsch abgebogen ist.
Der Hochgern hat zwei Besonderheiten - es gibt das Gipfelkreuz und links noch mal eine kleine Miniaturkirche. Ich lief von einem zum anderen und suchte mir schließlich ein Platz in der Nähe vom Gipfelkreuz. Unter mir ging es steil bergab - aber von dort oben - da wo ich saß, hinter mir der Chiemsee, erstreckten sich vor mir die vergletscherten, weißen Alpen (sehr weit weg, aber ich konnte sie sehen). Und es war das Schönste, das ich seit langem gesehen hatte. Die Weite, die Berge und diese weißen Riesen. Und mein Wunsch diese irgendwann zu besteigen, selbst den einen oder anderen dieser Gipfel zu erklimmen, wuchs in diesem Moment auf ein Vielfaches. Fürs erste war ich aber dennoch ganz froh dort auf 1744 m erstmal rasten zu können. Wenn man alleine unterwegs ist, macht man weniger Pausen - immer das Ziel vor Augen - den Gipfel zu erreichen. Und nun, da ich oben war, gab es für mich keine Eile mehr wieder nach unten zu kommen. Die Sonne schien, es war leicht windig, aber gerade angenehm. Es waren um die Uhrzeit, es war etwa 11 Uhr, auch noch nicht viele oben - 2 Personen vielleicht, die diese Aussicht mit mir teilten.
Der Abstieg verlief dann gemütlich auf breitem Weg - aber doch merkte man die Höhenmeter, die man absolviert hatte. Die restlichen 3 Stunden ging es bergab. Keine Pause für die Füße. Und das ließen sie mich auch spüren. Meinen Plan bis zurück nach Staudach zu laufen, verwarf ich. Ich ließ mich in Marquartstein abholen. Die letzte Stunde hätte meine Füße einfach nicht mehr mitgemacht. Manchmal muss man einfach wissen, wann Schluss ist. Dennoch, es war mit eine der schönsten Touren, die ich gemacht habe. Weil ich allein war. Weil mich nichts ablenkte. Weil ich es ganz für mich hatte.
Mein " Weg" bergauf.
Immer wieder kurz stehen bleiben. Luft schnappen. Die Aussicht genießen. Und weiter. Immer weiter im Zick Zack hinauf.
Ich habe es geschafft. Ich bin da. Das Gipfelkreuz.
Die kleine Miniaturkirche auf der anderen Seite.