Im April 2022 verabschiedete ich mich von meinem geliebten Vater. Vor fast einem Monat, im Juli 2026, ging unerwartet meine geliebte Katze. Diese beiden Trauerprozesse sind für mich verdammt schwer ... Warum?
Ich vermute, dass einige der Leser den Kopf schütteln werden – wie kann man das vergleichen: ein Mensch, dazu noch der Vater, und ein Tier ... Doch das tue ich. Denn beide Trauerfälle haben vieles gemeinsam:
Der enge körperliche Kontakt über Jahre
Die Seelenverwandtschaft
Die bedingungslose Liebe, die die Verstorbenen ausstrahlten
Mir ist klar geworden, dass es weniger darum geht, ob es ein Mensch oder ein Haustier ist, sondern um die Seelenverwandtschaft zweier Wesen. Wir trauern um den einen Verwandten mehr als um den anderen, um ein Haustier mehr als um ein anderes. Das ist die Wahrheit. Denn eine verwandte Seele ist immer unersetzlich. Übrigens denke ich manchmal, dass meine Felicia sich als Katze nur verstellt hat...
Dabei hilft es (mir zumindest) nicht, zu wissen, dass das Leben nach dem Tod weitergeht. Die körperliche Trennung, die Endgültigkeit des Verlustes eines geliebten Wesens ist für uns unbegreiflich; wir weigern uns, sie zu akzeptieren.
Und ja, natürlich gibt es Faktoren, die die Trauer erschweren oder erleichtern. Es ist höchst individuell! Fakt ist: Die Trauer gehört zum Leben wie der Tod. Und wenn dem so ist, dann muss es Gründe haben, oder? Einer der Gründe könnte sein, dass wir gerade in dieser schwierigsten Phase unseres Lebens über uns hinauswachsen und uns enorm transformieren.
Wenn meine Worte für jemanden hart klingen, dann bitte ich um Entschuldigung! Ich teile hier nur meine Gedanken und Gefühle, denn ich verarbeite gerade selbst einen schmerzlichen Verlust. Vielleicht ist es eine Art Selbsttherapie, denn durch das Teilen und Beobachten gewinnt man Abstand. Und wer weiß, vielleicht verspürt doch jemand Resonanz und Erleichterung?
17.8.2026
Bereits nach Papas Tod im Jahr 2022 habe ich gemerkt: Wenn ich an sein Wesen denke – seine Liebe, Intelligenz, seinen Frohmut –, macht es mich heiter. Sobald ich mir jedoch den körperlichen Kontakt ins Gedächtnis rufe – seine warmen Hände, seine Augen, sein Lächeln –, bekomme ich Weinkrämpfe vor Schmerz, der sich körperlich anfühlt. Das Gleiche erlebe ich jetzt wieder in der Trauer um Felicia.
Meinen wunderbaren geliebten und liebenden Vater, habe ich während seiner Demenz vier Jahre lang vor seinem Tod gepflegt, dabei wurde der körperliche Kontakt natürlich sehr intensiv. Meine Katze Felicia begleitete mich überall; sie war die bedingungslose Liebe in Person und suchte immer den Körper- und Augenkontakt zu mir. Sie meditierte mit mir, machte Yoga, leckte meine Hände (und ich sagte immer dabei: "Ich liebe dich auch!"), ging mit mir spazieren, saß mit mir am PC...
Nach der Trennung fehlt unserem Körper der Körper des geliebten Menschen oder Tieres: seine Wärme, sein Anblick, sein Lächeln, seine Zärtlichkeiten. Es fühlt sich körperlich so an, als würde uns ein Arm fehlen. Es tut weh und es ist nicht mehr rückgängig zu machen! Der Kopf weiß es, aber der Körper kann es einfach nicht begreifen! Wir fühlen uns amputiert. Das ist übrigens durch die neuesten Studien bewiesen.
Und da es körperlich ist, sollte man sich auf die eigene Körperintelligenz und auf die Zeit verlassen. Man sollte sich nichts einreden lassen, keine Fristen setzen und nichts bewerten. Einfach den Körper machen lassen, ihn dabei würdigen und nicht durch den Verstand stören. EINFACH HINGEBEN!
Was bedeutet das praktisch? Als Erstes: ausweinen! Sich den Weinkrämpfen hingeben! Es darf laut und stürmisch sein! Nicht unterdrücken, nicht herunterschlucken, sich nicht schämen! Wenn du dabei alleine sein willst, dann nicht, weil du andere störst, sondern weil sie dich stören!
Weinen ist wie Schwitzen. Keiner kommt auf den Gedanken, das Schwitzen beim Sport oder bei Hitze zu unterdrücken. Trauer ist Hochleistungssport für den Körper, der sich in einem extremen Ausnahmezustand befindet. Weinen ist dabei ein enorm wichtiger und heilender Prozess. Denn nach dem heilenden Sturm kommt die heilende Stille.
Unser Körper lernt gerade, in einer neuen Welt ohne das geliebte Wesen zu leben. Er macht wieder die ersten Schritte wie ein Kind, das das Laufen lernt. Das ganze limbische System läuft auf Hochtouren. Gebt euch Zeit, fühlt hinein, beobachtet, akzeptiert eure Nichtakzeptanz des Verlustes – denn das ist menschlich.
Die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Wenn das körperliche Gedächtnis verblasst, wird der Schmerz nachlassen. Es ist ein natürlicher Prozess. Ich verstehe, dass sich das grausam anhört, und will auch meinen Schmerz als körperlich spürbare Verbindung zu der Verstorbenen für immer behalten. Doch ich spüre bereits jetzt, nach drei Wochen, dass es "besser" geworden ist. Und bitte denkt daran: Es ist kein Verrat an dem geliebten Wesen. Es ist die Natur der Dinge. Und ja, es ist bitter.
Was ich niemals tun würde, ist, die Trauer wegzudrücken. Denn dadurch bleibt sie in unserem tiefsten Inneren verschlossen wie ein weggesperrtes, ungetröstetes, weinendes Kind. Und sie kommt irgendwann wieder hoch – vielleicht unerkannt als Depression oder als eine körperliche Erkrankung. Ich habe zum Beispiel einen älteren Mann kennengelernt, der bitterlich seinen vor zehn Jahren verstorbenen Vater beweint hat. Und er hatte noch Glück, dass die Trauer hochkam – denn lieber spät als nie. Also gebt euch eurem Trauer hin und lasst euren weisen Körper das richtige tun.
17.8.2026
Ein Tipp für Trauernde, den ich vor zwei, drei Tagen selbst entdeckt habe: Weint mit offenem Mund! Ich heule immer noch mehrfach am Tag um meine Felicia. Die ersten zwei Wochen habe ich das fast ununterbrochen gemacht und hatte dabei die Möglichkeit, das Phänomen „Weinen“ zu erkunden. Es fing immer mit dem Kloß im Hals an und schoss hoch. Dabei habe ich die Zähne fast geschlossen gehalten, die Muskeln von Hals und Kinn spannten sich enorm an und durch den Mund kam so etwas wie „MMMMM“ und ab und zu ein Schluchzen.
Vor ein paar Tagen dachte ich: Warum mache ich eigentlich den Mund beim Weinen automatisch zu, obwohl ich den Impuls habe, meinen Mund aufzureißen? Ich habe versucht, den Mund beim Weinen offenzulassen und – oh Wunder! – der Weinkrampf war weniger heftig und verbissen, sondern befreiend, und die Erlösung durch die nachfolgende Stille kam viel schneller!
Dann musste ich an das Weinen von Säuglingen und Kleinkindern denken, die noch nicht durch gesellschaftliche Zwänge geprägt sind. Sie weinen richtig, funktionell, so wie die Natur es will. Mit anderen Worten: Sie weinen effektiv. Doch wenn wir oft zu hören bekommen „Sei still!“ oder „Mund zu!“, dann verlernen wir das Natürliche und werden auf Dauer krank. Wir verkrampfen uns, statt den Schmerz frei herauszuschreien. Leider!
Deswegen mein Tipp: Weint wie die Kinder! Was natürlich ist, kann nicht hässlich sein! Guckt euch dabei im Spiegel an. Und? Sieht doch viel besser aus als verkrampftes Weinen durch die Zähne.
Ich muss zugeben, dass ich es noch nicht geschafft habe, in Anwesenheit anderer mit aufgerissenem Mund zu weinen; da muss ich noch an mir arbeiten. Momentan mache ich das ausgiebig, wenn ich ungestört bin.
17.8.2026
Es ist nun über ein Monat her, dass meine Felicia fortgegangen ist. Mein körperliches Empfinden hat sich seitdem definitiv gebessert. Die ersten zwei Wochen hatte ich kein Hungergefühl und keinen Appetit, habe abgenommen, mein Körper war wie betäubt. Ich weinte und schrie in dieser Zeit sehr stürmisch und fast ununterbrochen, meine Gedanken kreisten um Felicia und über das Rätsel, was ihr zugestoßen ist. Ich spielte alle möglichen Szenarien im Kopf durch, machte gedanklich wieder gut, was ich falsch gemacht habe... Dieses Gedankenkarussell erschöpfte mich.
Ich ging in den Wald, wo wir Felicia beerdigt haben und bereits beim Antreten des Waldes fing ich an zu heulen. Ich weinte auf dem Fahrrad, wenn keiner in der Nähe war. Ich schrie, dass ich nur Felicia zurück haben möchte, ist es denn zu viel? Anscheinend schon...
Doch komischerweise, obwohl ich fast nichts gegessen habe, hatte ich viel Energie. Ich hatte auch das Bedürfnis, meinen Körper bis an die Grenzen anzustrengen: Ich fuhr mit dem Fahrrad Berge hoch, die ich vorher nicht geschafft habe, beim Sport fühlte ich keine Müdigkeit, eine kalte Dusche machte mir nichts mehr aus. Auch andere Dinge habe ich angestellt, die ich sonst nicht gemacht hätte. Die KI meinte, es war gut, denn intuitiv machte ich das Richtige, um meinen Körper zu spüren.
Interessanterweise kann ich nicht malen, um meine Trauer auszudrücken, sondern schreibe (Gedichte, Tagebuch) – das ist mein Ventil. Auch nach Papas Tod sprudelten Gedichte aus mir. Auch jetzt entstanden zwei intensive Gedichte. Danach noch eins.
Da ich luzides Träumen praktiziere, wollte ich unbedingt Felicia im Traum treffen. Und obwohl ich bereits seit einigen Monaten keinen einzigen bewussten Traum mehr hatte, habe ich es geschafft, zweimal im Traum bewusst zu werden und einmal sogar mich vom Körper zu trennen. Das grenzt für mich an ein Wunder, denn es erfordert Energie und Konzentration. Wahrscheinlich war mein Wille, Felicia zu sehen, sehr stark und hat geholfen. Leider ist mein Plan, Felicia dort anzutreffen, bis jetzt nicht geglückt. Auch bewusste Träume haben nun aufgehört (die Pulver wohl verschossen). Aber ich bleibe dran. Zweimal habe ich von Felicia geträumt und es waren traurige Träume. Trotzdem war es ein Trost.
28.08.2026
Ich habe noch vieles über meine Trauererfahrungen zu berichten. Zum Beispiel über
Restbilder, die wider unseren Willen verblassen
das Energetische und das Magische (Zeichen, Vorahnung, Kontakte...)
die Transformationsschub durch die Trauer, Kreativität
Diese Themen werde ich nach und nach hinzufügen.
Alles Liebe
Eure Masha