In der von mir drei Jahrzehnte lang betreuten Drehbuchwerkstatt München gab es im Bewerbungsverfahren eine Aufgabe, die unscheinbar wirkte und doch entscheidend war: „Erzählen Sie auf zwei Seiten aus Ihrem Leben.“
Diese einfache Aufgabe zeigte verlässlich, wer wirklich erzählen kann. Nicht ausgefeilte Drehbuchideen oder spektakuläre Stoffe ließen Talent erkennen, sondern gerade die persönliche, unspektakuläre Schilderung.
Viele Bewerberinnen und Bewerber wollten beeindrucken und suchten nach auffälligen Themen. Dabei liegt die Kraft oft im scheinbar Unbedeutenden. Die besten Geschichten entstehen aus Momenten, die unscheinbar wirken – ein Morgen auf dem Schulweg, ein Blick, ein Missverständnis.
Ich erinnere mich an eine Bewerbung, in der jemand beschrieb, wie er als einziger Nichtschwimmer seiner Klasse vom Lehrer aufgefordert wurde, ins Becken zu springen. Diese kleine Szene verriet mehr über sein Gespür fürs Erzählen als jedes Konzeptpapier.
Daraus entstand der Gedanke, das Erzählen des Alltäglichen gezielt zu üben – und daraus einen gemeinsamen Versuch zu machen: den erzählerischen Kern im eigenen Erleben freizulegen, also jenen Moment, der eine Leserin oder einen Zuhörer wirklich erreicht.
Dafür reicht es nicht, dass etwas tatsächlich geschehen ist. Entscheidend ist, wie es erzählt wird. Selbst ein außergewöhnliches Erlebnis kann belanglos wirken, wenn es ohne Form bleibt; ein alltäglicher Augenblick kann dagegen fesseln, wenn er lebendig geschildert ist.
Es geht darum, das Eigene so zu erzählen, dass andere mitgehen können. Nicht das Ereignis selbst zählt, sondern die Art, wie wir es teilen.