blutige Invasion in Usulután und San Vicente

das Mahnmal in La Quesera
Mahnmal in La Quesera

Zum Ende des Jahres 1981 intensivierte sich die Gewalt aufgrund der politischen Lage in El Salvador im Rahmen des Bürgerkrieges. In den Monaten Oktober bis Dezember 1981 änderte die salvadorianische Regierung massiv ihre Taktik gegen die Aufständischen. Die Kriegshandlungen der salvadorianischen Armee gegen die städtischen und ländlichen Gemeinden wurden aufgrund der Opposition gegen das Regime brutaler; sowohl gegen die Mitglieder der Guerrilla, wie auch gegen die friedlich agierenden Kräfte der sozialen Organisationen. Daran beteiligt waren einerseits das Militär und zum anderen die Todesschwadrone.

Ende Oktober 1981 kam es in der Region des Bajo Lempa von Usulután und San Vicente zu militärischen Handlungen durch das Batallon Atlacatl mit 1.200 Soldaten und weiteren 1.600 Soldaten der 5. Infantrie-Brigade (San Vicente) und der 6. Infantrie-Brigade (Usulután).

Als Antwort auf die Sprengung der strategisch wichtigen Brücke über den Rio Lempa durch die FMLN (Guerrilla) am 15. Oktober 1981, führte das Militär einen Überfall auf alle Ansiedlungen  in der Nähe durch. "Operación Envolvente" (Operation Einpacken) war der Name dieser Militäroperation, der sich auf die angewandte Taktik bezieht: die Einkesselung einer ausgewählten Zone, in der die Bevölkerung das Ziel einer über Tage gehenden Bombadierung ist, Mörserbeschuss und Attacken  der Infantrie-Truppen. Das Ergebnis dieses Militärscharmützels ist unter dem Namen das Massaker von La Quesera bekannt geworden. Viele Menschen flohen von diesem Ort. Über die Zahl der Todesopfer gibt es unterschiedlichen Angaben. Es sollen zwischen 350 und 500 Todesopfer gegeben haben, oder auch mehr. Neben der Ermordung der Zivilbevölkerung wurden auch deren landwirtschaftliche Anbauflächen zerstört, das Vieh und ihre Häuser. Außerdem gab es Massenvergewaltigungen.

Das Militär begründete ihr Massaker damit, dass sie über diesen Weg die Guerilleros aushungern wollten, da dadurch die Zivilbevölkerung die Guerrillabewegung nicht mehr mit Lebensmittel versorgen könne.

Im Rahmen dieses Massakers sind auch etwa 24 Kinder verschwunden. Man weiß, dass einige Kinder in Adoption an fremde Familien, innerhalb und außerhalb von El Salvador, gegeben wurden, die immer noch von ihren Verwandten gesucht werden. Einige Kinder, die inzwischen Erwachsene sind und vom Militär verschleppt wurden, konnten lokalisiert werden. Nachfolgend ein Video (spanisch mit englischen Untertiteln) in dem Eltern und sonstige Verwandte zu Wort kommen, die immer noch die damals verschleppten Kinder suchen.


Inzwischen sind auch geheime Unterlagen legal zugänglich geworden (2015), die beweisen, dass die us-amerikanische Regierung, vertreten durch ihre Botschaft in San Salvador, über diese Massaker informiert war. In einem Fall befanden sich sogar us-amerikanische Beamte an Bord eines Hubschraubers, dessen Pilot Maschinengewehrsalven auf unbewaffnete Zivilisten abfeuerte und diese Menschen tötete. Dies stieß nicht auf das Wohlwollen dieser Regierungsbeamten und auch die us-amerikanische Botschaft war davon nicht begeistert, die dieses Verhalten streng rügte und ankündigte, dass die Militärhilfe seitens der USA an die salvadorianische Regierung in Zukunft gefährdet sei, wenn mit diesen Massakern fortgefahren würde.

(Quelle: Internetportal unfinishedsentences.org)

Auf den folgenden Seiten schildern wir wie die Überlebenden des Massakers begonnen haben, das Massaker zu verarbeiten und in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.
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