Planungen für eine vierspurige A94 im Bereich Burghausen-Pocking insbesondere im Abschnitt Marktl-Haiming-Stammham-Julbach-Kirchdorf a. Inn-Simbach a. Inn-Stubenberg/Prienbach-Ering-Malching können nur dann wiederaufgenommen werden, wenn der Abschnitt wieder im vordringlichen Bedarf (wie bereits von 1992-2004) ist oder zumindest in den WB* des Bundesverkehrswegeplanes 2015 aufgenommen wird.
Eine Aufnahme muss aus folgenden Gründen erfolgen:
1. Die gesamte A94 ist ein wichtiges Verbindungsglied für den großräumigen Austausch von Metropolregionen gemäß der Raumwirksamkeitsanalyse.
2. Zunehmendes Verkehrsaufkommen in Richtung Osten aufgrund des Chemiedreiecks und Güterterminal in Burghausen.
3. Verminderung des Erreichbarkeitsdefizites zu Autobahnanschluß, Flughafen, IC-Bahnhof im Landkreis Rottal/Inn
4. Wirtschaftliche Weiterentwicklung des ländlichen Raumes im niederbayerischen Bereiches der A94
5. Eindämmung der Lärmbelastung, da keine Lärmschutzwände gebaut werden können, solange die Trassenplanung nicht endgültig festgelegt ist.
6. Behinderung der Stadt- und Raumentwicklung aufgrund von Abstandsflächen zu möglichen Autobahntrassen.
7. Die Unfallgefahr auf der B12 nimmt stark zu aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommen.
8. Die Aufnahme eines Teil-Abschnittes in den VB+ aufgrund erfüllter Kriterien.
9. Sperrung für LKW über Braunau bis zum Autobahnanschluß in Ort, daher erhöhter Schwerlast-Verkehr im Simbacher Stadtgebiet
10. An der Autobahn Lindau-München ereigneten sich an den „Lücken“ jahrelang Staus.
11. A94 in Kombination mit dem Ausbau der Bundesstraße B15 neu um den Verkehr ausreichend weiterleiten zu können.
12. Im Bundesverkehrswegeplan 1992 war die gesamte A94 (auch Simbach) im vordringlichen Bedarf. Die Notwendigkeit einer durchgängig 4-spurigen AB wurde also schon einmal nachgewiesen.
13. Wenn der Bereich nicht in den vordringlichen Bedarf kommt, werden Maßnahmen für die nächsten 10 Jahren schwierig, selbst wenn dann eine Notwendigkeit erkannt wird.
Ausführliche Erläuterung der Argumente:
1. In der Raumwirksamkeitsanalyse werden die Verbindungen zwischen Oberzentren und Metropolregionen untersucht. Die A94 hat hier eine herausragende Bedeutung als Verbindung zwischen der Metropolregion München und Wien.
(Quelle Bundesinstitut für Bau, Stadt, Raumforschung)
2. Im Bavaria ChemDelta (Burghausen,Burgkirchen,…) beträgt das Güterverkehrsaufkommen derzeit 7,6 Mt. Genau aus diesem Grunde wird derzeit das dringend nötige Güterterminal in Burghausen gebaut. Dennoch verbleiben (wie sicherlich auch bei Fertigstellung des Terminal) für den Straßentransport immer noch 4,3 Mt was etwa 250.000 LKW im Jahr entspricht. Der Trend für die Produktion geht nach oben und bedeutet natürlich noch mehr LKW Transporte
Güterterminal Burghausen (Quelle Burghausen.com Die Entwicklung des Güterverkehrsaufkommens im Bayerischen Chemiedreieck/ChemDelta Bavaria von 2005 bis 2012.)
Diese Produkte sind vornehmlich für den Export bestimmt und werden weniger in der Region benötigt. Daher ist in jedem Fall ein Transport auf dem Hauptverkehrsweg (B12 in Zukunft A94) in Richtung München nach West- oder in Richtung Wien nach Osteuropa nötig.
Wie allgemein bekannt ist, stagniert die Wirtschaft in Westeuropa, während in Osteuropa Zuwachsraten zu verzeichnen sind. Daher wird sich das Transportaufkommen zunehmend in diese Richtung verlagern. Auch wird aus dem Raum München und Südwestdeutschland mehr Verkehr in Richtung Osteuropa aufkommen und dieser natürlich die kürzeste Route über München und die A94 anstatt der jetzigen A92 wählen.
Zudem wird sich das PKW Fahrtenaufkommen in dem Bereich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen.
(Quelle Bundesverkehrsministerium)
3. Gemäß der Raumwirksamkeitsanalyse des BVWP 2015 ist ein Erreichbarkeitsdefizit unter folgenden Kriterien (Seite 5) gegeben:
PKW Fahrzeiten von mehr als
60 Minuten zum nächsten Flughafen (München)
45 Minuten zum nächsten IC-Bahnhof (München, Passau)
45 Minuten zum nächsten Oberzentrum (München, Passau)
Alle diese Zeiten werden aus dem Raum Marktl-Simbach am Inn deutlich überschritten und bedingen demnach eine Erschließung dieser Gebiete durch eine leistungsfähige Autobahn.
(Quelle Bundesverkehrsministerium Entwurf BVWP 2015 Seite 49)
4. Ein weiteres wichtiges Argument ist die Ansiedlung von Betrieben im Raum Rottal/Inn. Es ist bekannt, dass im Laufe der letzten Jahre die Gegend als Wirtschaftsstandort verloren hat. Für die Gewerbegebiete in Kirchdorf,Simbach,Marktl,Prienbach und Ering bietet ein direkter Autobahnanschluss eine hervorragende Möglichkeit Betriebe zu gewinnen und neue Arbeitsplätze zu generieren.
(Quelle Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft)
Der Landkreis Rottal/Inn wurden im LEP Landesentwicklungsprogramm Strukturkarte als zu fördernde Region mit "besonderem Handlungsbedarf" eingestuft. Dies kann nur mit einer Autobahn erreicht werden.
Dass der Raum Niederbayern grundsätzlich jahrelang verkehrspolitisch eher stiefmütterlich behandelt wurde, kann auch aus dieser Liste abgeleitet werden.
7. Ausbauplan für Staatsstraßen (Quelle Bayer. Staatsministerium des Inneren)
Eindeutig kann hier gezeigt werden, dass in Niederbayern zu wenig gebaut wurde und daher ein Investitionsstau im Neubaubedarf entstanden ist. In allen anderen Regionen reicht es, wenn bereits existierende Straßen erweitert werden.
5. Besonders im Stadtbereich Simbach sowie den Bundesstraßen-nahen Ortschaften Ering, Prienbach, Kirchdorf wird sich dann außerdem eine extreme Lärmbelastung ergeben, da ja keine Lärmschutzwände gebaut werden, so lange die Trasse nicht feststeht.
Zudem gibt es keinen Rechtsanspruch auf Lärmsanierung an einer bereits bestehenden Straße, so dass selbst bei deutlicher Überschreitung der entsprechenden Lärmgrenzwerte kein Anspruch auf baulichen Lärmschutz wie Schallschutzwände besteht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Grenzwerte bei Lärmsanierung deutlich höher sind, als diejenigen, die bei Neubau oder wesentlicher Erweiterung einer Straße als sogenannte Lärmvorsorge zu beachten sind.
Gemäß der NKA Analyse, wurde ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,8 für die A94 berechnet. Dieser berechtigt auch aus Volkswirtschaftlich-Ökonomischer Sicht eine schnelle Umsetzung der GESAMTEN A94. Besonders der Faktor "Veränderung der Geräuschbelastung NU1" sollte hier noch einmal genau untersucht werden, da ausserordentlich viele Häuser/Einwohner bei der bestehenden B12 mit wesentlich erhöhtem Verkehrsaufkommen betroffen wären.
6. Die Stadt Simbach strebt an ein neues Baugebiet in der Nähe der derzeitigen B12 auszuweisen. Laut Autobahndirektion ist dies noch immer eine mögliche Trasse solange das Planfeststellungsverfahren nicht abgeschlossen wurde. Es ist daher ein Abstand von Wohnbebauung in einem Streifen von 40m einzuhalten. Dies ist aus Stadtentwicklungssicht ein schwere Bürde. Eine endgültige Entscheidung für eine Trasse ist daher so schnell wie möglich nötig um unnötig freigehaltene Flächen freigeben zu können..
7. Im Bereich Simbach sowie auf der B12 bei Prienbach und Ering sind viele unübersichtliche Kurven, die bei Überholvorgängen viele Unfallrisiken bergen. Diese Karte zeigt in einbahnigen Abschnitten wesentlich höhere Unfallzahlen mit T=tödlichem Ausgang als in zweibahnigen Abschnitten.
(Quelle: Oberste Baubehörde im Staatsministerium)
Unfälle mit Personenschäden auf der B12 im Bereich Tutting werden mit 0,35 pro 1Mio Kfz-Km angegeben. Im Vergleich zu Bundesstraßen in Bayern mit 0,29 und Autobahnen ist dies sehr hoch. Erläuterungsbericht ADSB Seite 13
8. Der bereits 2-spurig ausgebaute Teil der A94 über Marktl-Haiming-Stammham-Julbach-Kirchdorf a. Inn bis Simbach west erfüllt die Kriterien des vordringlichen Bedarfs + VB+.
Besondere verkehrliche Priorität: Verkehrsaufkommen von 14.000 Fahrzeugen pro Tag
Engpassbeseitigung: Nach Fertigstellung des Güterterminals in Burghausen, des 4-spurigen Ausbaus der A94 von München bis Marktl und der zukünftigen Entwicklung des Chemiedreiecks ist aufgrund des erhöhten Transportaufkommens mit einer wesentlichen Zunahme des bereits jetzt stark ausgelasteten Streckenabschnittes zu rechnen.
Hohes NKV Nutzen-Kosten-Verhältnis aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der relativ geringen Kosten
Keine hohe Umweltbetroffenheit: Es gibt keine FFH-Gebiete oder sonstigen Umwelt-relevanten Gebiete an der Trasse
Schnelle Durchführung der Planungfeststellung: Die Trasse mit 2 Spuren ist bereits gebaut, daher ist die Erweiterung festgelegt und es sind keine aufwändigen Planungen und Gerichtswege zu erwarten.
Schnelle Umsetzung innerhalb Gültigkeit des BVWP 2015: Eine schnelle Umsetzung ist aufgrund der vorgegebenen Trasse möglich.
Die neu eingeführte Kategorie im BVWP VB+ (Vordringlicher Bedarf +) ist auch für Lückenschlüsse von Autobahnen gedacht. Da um das Jahr 2020 die Autobahn im Westen nach München und von Malching bis zur A3 fertiggestellt sein dürfte, muss also bereits in den nächsten Jahren eine Planung am "Lückenschluß" erfolgen.
9. Für Simbach gravierend ist die Tatsache, daß eine Route von Marktl über Braunau nach Altheim und Ort zur österreichischen Autobahn für LKW gesperrt ist. Somit müssen alle LKW auf der B12 in Richtung Osten mitten durch die Stadt zur Grenze nach Suben fahren.
(Quelle Autobahndirektion Südbayern mit Modifikation "Weg über Österreich")
Da die Autobahn von Marktl nach München 2018-2020 fertiggestellt sein soll, wird sich spätestens zu diesem Zeitpunkt für Simbach eine gravierende Erhöhung des Fern-Verkehrs ergeben.
Alle diese Fakten können dann in eine Belastung von über 20.000 (Landesplanerische Beurteilung A94 Seite 22) und NKA Analyse Fahrzeugen münden. Einen kleinen Vorgeschmack durch ein solches Verkehrsaufkommen auf einer 2-spurigen Bundesstraße, haben wir bereits während der mehrere Monate dauernden Sanierung der B12 erlebt. Es war Chaos pur mit Staus von bis zu einer Stunde.
10. Eine ähnliche Situation konnte bereits jahrelang an der Autobahn Lindau München beobachtet werden. Auf den noch nicht ausgebauten zwei-spurigen Lücken kam es damals zu Dauerstaus, bis die Autobahn endlich durchgängig befahrbar war.
11. Um den Verkehr für den geplanten Ausbau der B15neu ableiten zu können ist eine Anbindung an eine leistungsfähige A94 nötig. Diese muss sowohl nach Westen wie auch nach Osten komplett 4-spurig befahrbar sein, um die auftretende Verkehrsbelastung beherrschen zu können.
12. Im Bundesverkehrswegeplan 1992 war bereits die gesamte A94 im vordringlichen Bedarf. Damals wurde die Notwendigkeit auch für den Raum Marktl-Simbach-Ering nachgewiesen.
Detailplan(Quelle Deutscher Bundestag, Bundesverkehrswegeplan 1992)
Erst im Bedarfsplan 2004 erfolgte eine Rückstufung in den weiteren Bedarf. Die Verhältnisse seit der Berechnung 1992 haben sich nicht geändert, daher muss dies im neuen Plan 2015 wieder richtiggestellt werden.
13. Wenn 2015 der neue Bedarfsplan ohne Marktl-Haiming-Stammham-Julbach-Kirchdorf a. Inn-Simbach a. Inn-Stubenberg/Prienbach-Ering-Malching festgesetzt wird, ist wohl für weitere 10 Jahre bis 2025 keine Planung in dem extrem belasteten Bereich möglich.
Selbst wenn kurzfristig noch keine Aussicht auf eine Umsetzung besteht, ist eine Einstufung in den vordringlichen Bedarf oder zumindest in den weiteren Bedarf mit * wichtig. Damit ergibt sich die Möglichkeit tätig zu werden, wenn neue Gesichtspunkte erkannt werden.
Welche Trassen (Brücken, Tunnel, Einhausung, 3-spurig,....) schlußendlich gewählt werden (gerne auch mit Bürgerbeteiligungen wie z.B. Ratsbegehren), kann dann immerhin mit Unterstützung von neu erhobenen Planungsdaten diskutiert und in eine konkrete Planung mitaufgenommen werden. Momentan sind Trassendiskussionen absolut nutzlos und polarisieren, obwohl sie in keinerlei konkrete Planung einfließen.
Die Notwendigkeit der A94 spiegelt sich auch darin, dass die wesentlichen Kernpunkte der Grundkonzeption für den BVWP 2015 erfüllt sind.
Eine Aufnahme in den vordringlichen Bedarf ist unumgänglich, um den Raum Marktl-Haiming-Stammham-Julbach-Kirchdorf a. Inn-Simbach a. Inn-Stubenberg/Prienbach-Ering-Malching aufzuwerten und vor einem drohenden Verkehrskollaps zu bewahren.