"It's time for STEM faculty to prioritize collaboration across disciplines to transform math classes from weed-out mechanisms to fertile terrain for cultivating a diverse generation of STEM researchers and professionals. (...)
Yet, math departments without jointly-appointed professors seem to be less interested in evidence-based contributions from other disciplines to enhance the effectiveness of math instruction—or even aware of successes to date. The shift toward more practical applications of calculus is missing one key academic endorsement: publication in widely-read journals, if the success of the courses is examined academically at all. (...)
Math learning is fundamental to all STEM fields, but the opposite also appears to be true: the STEM fields may be central to making math learning effective for more students. Involving other STEM disciplines in redesigning math classes is a key way to ensure those classes offer engaging and inclusive on-ramps to STEM."
-Scientific American
Kalifornien versucht über eine Reform des Mathe-Curriculums mehr Personen zu gewinnen, die in MINT-Fächern eine Karriere angehen können. Die Diskussionen verlaufen hitzig - und das ist milde ausgedrückt. Leider ist das Framework per Web aktuell nicht abrufbar.
Alle 8 Jahre überprüft Kalifornien sein Mathe-Curriculum. Bei der aktuellen Anpassung schlagen die Wellen hoch. Gute Zusammenfassung des Diskurses hier:
Jo Boaler sagt, alle Menschen können Mathe lernen - früher oder später. Es läge an der Didaktik und der Ermutigung der Menschen, dass sie nicht an sich selbst glauben - und sie zeigt viele Beispiele auf, wie es besser geht.
Das widerspricht natürlich der bisherigen Sichtweise, dass es eines bestimmten mathematischen Genies bedürfe, um Mathe beherrschen und lieben zu lernen. Ich denke, es kommt auch nicht darauf an, dass alle dieselben Talente haben zur Entfaltung. Es braucht auch nur eine kleine Anzahl an Mathematiker*innen, die die Forschung weiter treiben. Aber für die essenziellen Grundlagen in den MINT-Bereichen braucht es nur bestimmte Voraussetzungen, die sehr, sehr viele lernen könnten - auch im höheren Alter noch.
Offensichtlich will mir erscheinen, dass Mathe das entscheidende Schlüsselloch ist, durch das mehr Menschen durchrutschen müssen, um in MINT eine berufliche Karriere zu starten. Der Bedarf ist riesig und muss möglichst umgehend gedeckt werden.
Die bisherige Mathe-Didaktik schreckt hingegen zu viele Menschen ab, ihren Kopf dahingehend anzustrengen, datenbasierte Modelle zu bedienen oder gar entwickeln zu können. Von KI ganz zu schweigen, wenngleich ChatGPT etc. zeigen, dass die Anwendungen wirklich usabler werden, wenn man sie gut bedienen, z.B. gute Fragen-Kaskaden entwickeln kann.
Was wir also bräuchten, sind drei verschiedene Pfade, um mehr Mathebegeisterung in die Bevölkerung zu bekommen:
Natürlich werden auch zukünftig bestausgebildete Mathematiker*innen benötigt, die hochabstrakt denken und die Mathematik weiter entwickeln können. Warum aber weniger Frauen oder Migranten den Pfad durchlaufen, hängt an sozio-kulturellen Faktoren, die bislang nicht berücksichtigt werden. Hier mit dem Growth Mindset und anderen didaktischen Modellen zu arbeiten, scheint mir sinnvoll zu sein. => Mit dem kalifornischen Ansatz müsste man sich näher beschäftigen, aber v.a. auch interdisziplinär. Mathematiker*innen als solche sind zu voreingenommen.
Für viele Erwachsene ist das Mathe-Kind bereits in den Brunnen gefallen. Wenn wir hier allerdings ansetzen wollen, um mehr Menschen für die offenen IT-Stellen zu begeistern, dann müssen wir ganz neue Wege gehen. Jo Boaler sagte einst (ich finde die Stelle nicht mehr trotz mehrstündiger Recherchen), für 80 % der Data Science-Arbeiten reiche die Mathematik der 8. Klasse. Das haben ja nun alle irgendwann durchlaufen. Man müsste das Relevanteste attraktiv aufbereiten für die Auffrischung der Bevölkerung - und vielleicht gleich in einem neuen Mindset und mit einer modernen Didaktik. Nur sind 3-jährige Forschungsarbeiten hier wenig hilfreich. Es muss umgehend agil umsetzbar sein!
Aufbauend auf dieser Basis-Mathe-Data-Science-Schiene sollte dann überlegt werden, wie wir Interessierte, die ihren Sinn für Mathe (wieder) gefunden haben, ggf. weiterbilden können für "höhere" MINT-Fähigkeiten, damit sie voranschreiten können, auch wenn sie vielleicht nicht mehr allerbeste Exzellenz ausprägen können.
Kann ich nicht einschätzen, wie sinnvoll sein Ansatz ist, aber hatte sich auf meinen Tweet gemeldet. Und offenbar ein Buch zu seiner Sichtweise geschrieben.
Bettermarks und andere EdTechs aus dem Nachhilfemarkt folgen natürlich der alten mathematischen Logik, weil sie hier Menschen unterstützen wollen beim Weiterschreiten. Aber sicherlich findet man auch dort durchaus Ansätze, die hilfreich wären für die gesellschaftliche Weiterentwicklung.