Der Handelsblatt-Artikel fasst die Ergebnisse des MINT-Nachwuchsbarometers 2022 von acatech gut zusammen und hat offensichtlich noch einige O-Töne der Studienautoren eingefangen.
WICHTIGE AUSZÜGE AUS DEM ARTIKEL
"Um einem noch größeren Fachkräftemangel vorzubeugen, fordern die Autoren [ des MINT-Nachwuchsbarometers 2022 von acatech] nun Gegenmaßnahmen. Die Hochschulen müssten das Dauerproblem lösen, dass Studierende oft an Mathe scheitern. „Wir brauchen dringend Mathe-Eingangstests an den Hochschulen und obligatorische Brückenkurse für die, die Defizite haben“, sagte Köller. Bisher seien die Kurse freiwillig „und werden oft nicht von denen genutzt, die sie bräuchten“.
Künftige Ingenieure und Naturwissenschaftlerinnen sollen laut Köller eigene Mathekurse bekommen, wie das etwa in BWL oder Soziologie üblich ist. „Es kann nicht sein, dass sie mit den Mathematik-Studenten zusammensitzen und frustriert werden. Wir können es uns nicht leisten, dass wir jeden zweiten MINT-Studenten verlieren“, mahnt er."
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Mittelfristig droht die Pandemie das Nachwuchsproblem im MINT-Bereich noch zu verschärfen: (...)
Doch er ist skeptisch, dass die Lücken ausgeglichen werden können: „Leider sträuben sich viele Länder, genau zu diagnostizieren, welche Schüler die Sonderförderung, die der Bund mit zwei Milliarden Euro finanziert, brauchen.“ Zu befürchten sei, dass „uns viele durch die Lappen gehen, die die Hilfe benötigen“.
Im Fokus stehen hier etwa Kinder von Zugewanderten und solche, die hier geboren sind und deren Eltern eine Migrationsgeschichte haben. Diese bekämen beispielsweise wegen sprachlicher Probleme zu Hause weniger Hilfe – und hätten auch in Mathematik in der 5. Klasse einen Leistungsnachteil von zwei Schuljahren im Vergleich zu Kindern ohne Migrationsgeschichte, heißt es in dem Bericht. Daran ändere sich bis zur 12. Klasse auch wenig."
Könnte man meinen, aber was ist das genaue Problem?
Nachdem ich eher am Rande verfolge, was rund um die Stanford-Mathe-Professorin Jo Boaler geschah und geschieht angesichts des neuen kalifornischen Mathe-Curriculums, handelt es sich hier um ein systemisches Problem.
Mathe wird zu abstrakt gelehrt
Jungs werden dadurch bevorzugt
Mädchen und Menschen mit Migrationserfahrung bleiben zurück
Es gibt Wege, das Matheverständnis in der Bevölkerung grundlegend zu heben, wenn man denn wollte ...
Okay, M(athe) sollte schon wirklich in die Tiefe der Mathe-Welten eindringen, aber für welche beruflichen Aufgaben im MINT-Sektor benötigt man was genau mehr als die Grundrechenarten?
Wie kam es überhaupt zur Dominanz von Mathe in der Computerindustrie?
Coy legt das in diesem Artikel schön aus (ich kenne seine Argumentation aus einem Vortrag):
Die Computerindustrie kam in den 1970er Jahren auf.
Es gab zu viele Mathe-Studierende und man wusste nicht wohin damit.
Also dockte man die Informatik an der Mathematik an.
Und seitdem schlagen wir uns mit dem Problem herum.
Nach Lektüre des Artikels findet sich meine obige, erinnerte Zusammenfassung in dem Artikel nur bedingt wieder. (Der Vortrag fand im Jahr 2017 statt.) Aber er zeigt sehr wohl die gewachsene Nähe zur Mathematik auf und den Gap hin zu brauchbaren Entwickler*innen, die Probleme des Alltags tatsächlich mit lösen helfen.
Als offene Frage bleibt im Raum stehen: Wieviel Mathe wird für welche Aufgaben im MINT-Sektor tatsächlich benötigt?