Eines meiner "Lieblingsthemen" ist ja bekannterweise die Elektromobilität. So kann ich mir vorstellen, das sowohl Bürgerbusse als auch die regulären Buslinien in Zukunft elektrisch fahren. Und mit dieser Idee bin ich nicht alleine. Auch das zusätzliche Gewicht von E-Bussen war bisher ein Knackpunkt, der aber durch moderne Fahrzeuge kompensiert werden kann. So wiegt z.B. ein komplett ausgestatteter Maxus EV 80 mit gut 150 Kilometer Reichweite etwa 3,5 Tonnen, was für Inhaber des neuen Führerscheins der Klasse B von Interesse sein dürfte, da diese die Fahrerlaubnis für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen beinhaltet. Die Anschaffung von E-Bussen scheiterte bislang daran, das neue interessierte Busfahrer nicht mehr als 3,5 Tonnen fahren dürfen und die älteren Ehrenamtlichen noch die Fahrerlaubis bis 7,5 Tonnen besitzen. Da ein Bürgerbusverein aber von der Anzahl vieler ehrenamtlicher Busfahrer abhängig ist, war dies bisher eben ein Problem und verhinderte die Anschaffung von E-Bussen.
Das wäre ein Aushängeschild für die Gemeinden unseres Landkreises, denn viele Touristen schätzen unser Erholungsangebot in der Wesermarsch und natürlich unsere saubere Luft.
Als Mitglied des Kreistages und des Rates der Gemeinde Jade will ich die Elektromobilität weiter vorantreiben und zusammen mit den Verkehrsbetrieben Wesermarsch (ich bin dort Aufgrund meines Kreistagsmandates in der Gesellschafterversammlung bereits vertreten), dem Zweckverband Bremen Niedersachsen (ZVBN) und der Metropolregion ein Konzept zur Elektrifizierung des ÖPNV erarbeiten.
Auch die Ladeinfrastruktur für E-Autos braucht zügige Verbesserung - besonders für Vermieter und in der Landwirtschaft für E-Traktoren. Damit erhielte die Außendarstellung des Landkreises eine deutliche Aufwertung. Ganz besonders liegen mir aber auch die Mieter am Herzen, die eben nicht die Möglichkeit haben, vor der Haustür zu laden. Die Städte und Gemeinden sind aufgerufen, passende Ladekonzepte zu entwickeln, um die Elektromobilität weiter voranzubringen. Zusammen mit dem Arbeitskreis Klimaschutz im Landkreis arbeiten wir bereits an passende Konzepte. Wir haben schon viel erreicht. Auf meine Initiative hin haben wir in 2016 ein kreiseigenes Förderprogramm aufgelegt, dass es den Gemeinden in der Wesermarsch ermöglichte, Ladesäulen aufzubauen. So stieg die Anzahl der öffentlichen Ladestationen in 2016 von 3 bis in 2021 auf 32 an. Da in Deutschland bereits über 500.000 Elektroautos zugelassen sind, steigt auch der Bedarf an Ladeinfrastruktur. So wurde errechnet, dass allein im Landkreis Wesermarsch bereits jetzt schon über 120 zusätzliche Lademöglichkeiten fehlen um prozentual den Bedarf zu decken.
Wasserstofftankstellen sehe ich eher kritisch. Da stehe ich auch offen zu. Mit den Kosten von über 2 Millionen Euro pro Wasserstofftankstelle könnten parallel bis zu 20 Schnellladestationen mit einer Ladekapaztität von mehr als 50 KW pro Ladepunkt gebaut werden. Eine Wasserstofftankstelle kann pro Stunde nur max. 4 bis 5 Fahrzeuge betanken. Da der Tankdruck mit über 700 Bar sehr hoch ist, vereisen die Zapfanlagen schnell. Für den nächsten Tankvorgang müssen Teile der Anlage erst wieder abtauen. Auch ist die Herstellung von Wasserstoff sehr Energieintensiv. Für 1 Kilo Wasserstoff werden ca. 55 Kilowattstunden Strom benötigt. Mit einem Kilogramm Wasserstoff kommt ein H2 Auto etwa 100 Kilometer weit. Mit 55 Kilowattstunden Strom kommt ein reguläres E-Auto mit Akku gute 300 bis 400 Kilometer weit. Es macht daher in meinen Augen mehr Sinn, eine gute Ladeinfrastruktur für E-Autos aufzubauen, die mit dem Wind- und Sonnenstrom geladen werden, anstatt den Strom sehr verlustreich in Wasserstoff für H2 Autos umzuwandeln. Dennoch: Die Wesermarsch hat sich als Wasserstoffregion beworben und ich befürworte das in Teilen. Weil halt nicht immer geladen wird. Und wenn zuviel Strom im Netz durch Windkraft vorhanden ist, der nicht verbraucht wird macht es eher Sinn, diesen Strom in Wasserstoff für Schiffe, Busse, LKW und Bahn zu gewinnen. Und auch nur da. Eine Einspeisung ins Erdgasnetz wäre kontraproduktiv.
Parallel sollte dennoch hier über eine Vernetzung von E-Autos als Batteriespeicher nachgedacht werden. Das Verfahren heisst Power to Grid und beschreibt die Möglichkeit, überschüssigen Strom in die Akkus von Elektroautos zu speichen, und sie bei Bedarf wieder abzurufen. Auch hier könnte die Wesermarsch in Zukunft eine Vorreiterrolle in Sachen Energiewende spielen. Hierzu habe ich bereits mit der EWE erste Gespräche geführt.