Nur zufällig ist man sich begegnet. Kaum haben sich die Blicke getroffen, schon laufen sie ins Leere. Worte wurden nicht gewechselt, das wäre zu viel verlangt. Der Versuch war da, aber er blieb einer. Kaum entsteht Nähe, schon drängt sich Distanz dazwischen. Denn man driftet bereits auseinander, allerdings so langsam und subtil, dass selbst ein geübtes Auge meinen könnte, beide würden Anlauf nehmen, um sich endlich zu erreichen. Vielleicht hat man sich auch nie genähert. Wer weiß das schon? Doch für einen kurzen Moment empfand man Vorfreude, dann wurde man blind, da starke Hoffnungen die Sicht verzerrten. Schließlich, in einem ruhigen Moment, kehrte die Sicht schlagartig zurück und zwar so klar, dass ohne Umschweife die Wahrheit ins Auge stach. Jetzt war wirklich alles verloren, dabei wusste man so wenig voneinander.
Schwarz und Weiß und Weiß zu Schwarz - Weiß und Weiß und Weiß und weg mit
der Farbe, weg mit der Fassade alles flach flach flach und weiß weiß weiß. Räume die
enden- nicht enden- unendlich, oben unten, links, rechts – was ist wo, alles gleich
gleich gleich- tausend weiße Farbeimer haben sie verkleckert. Tausend verkleckert und
den Rest fein bepinselt, dass keine Stelle bunt bleiben solle. Alles weg. Weg das Alte.
Die Nieten verputzt jeden riss geflickt. Grafitti beseitigt, die Fenster neu vergittert mit
grauen Blenden aus dem feuchten Traum eines- Na eines niemand – wer will - wer hat
denn jemals eine Emotion verspürt die ansatzweise mit Inspiration verglichen werden
könnte bei diesem „Design“ , dass so nah an die Nicht-Existenz reicht wie es für Materie
nur möglich ist.
Da ist kein Stil kein Sinn und Zweck, Alt muss weg und Weiß ist neu ist Aufbruch
ist – so entscheidungsfrei. Weiß streicht, wer nicht nachdenken will. Wer keine Farbe
aussuchen will, sich nicht den Kopf zerbrechen, kein Sinn oder Verlangen nach
Ästhetik. Ecke Ecke Ecke Ecke – autsch. Kasten nach Kasten nach Kasten und Gang
dazwischen, hier die Treppe – Fahrstuhlkasten zack. Zehn Etagen, zwei Keller – Keller
Weiß! WEIß, na klar, na klar.
Glas- na klar, na klar- Kästen aber Glas und rund ja – ja schön – damit man so gut
das Weiß dahinter sieht hmm, jaja.
Man stelle sich vor: Farbe. Wenn dies denn der Vorstellung nicht zu viel ist. Ein
seichtes rosa, helles blau, ja ein dunkles weinrot womöglich – oh zu schön- es wäre zu
schön es würde mich hinreißen wie die letzten Überbleibsel der Sonne am
Nachthimmel. Ja ein Petrol – oh Gott ein mattes Petrol wie ich es aufsaugen würde, in
eine Oase eintauchen, entspannen – doch nein nein nein- Weiß solls sein, ja wohl.
Wenn ich doch nur den Boden sehen könnte – es müsst ja nicht Holz sein- nein,
kein Holz – aber das grässlichste Linoleum in jedweder Farbe- oh wie’s mich beruhigte
wieder einen Boden zu sehen. Warum nicht gleich Beton- da hats Struktur, da hats
Bestand- ja warum denn nicht Beton lieber als dieser tote, tote Boden – wollt ich in den
weißen Himmel hätt‘s ich wohl auch selbst geschafft, vielen Dank.
Waren es auch zahlreiche Meetings, die letztendlich den Beschluss fassten,
nichts zu beschließen, wie beim „Design“ eines Logos dessen Aussage nur Einblick in
die mangelnde Kreativität der Entscheidungsträger gibt?
Und nun sitze ich in dieser Weiße, umhüllt von Nichts und die Gedanken kreisen
und kreisen und da steht der Dozent – so weit weg – wo schau ich hin? Blendend,
blendend und desorientierend, kein Punkt zum festklammern, die Fenster zeigen mir
den Flur, oh wie ich Bäume liebte. Gedanken kreisen und finden keinen Stillstand,
werden reflektiert und prallen mir gegen die Stirn in dieser Wüste, deren Existenz
verschwimmt. Das ist wohl Lernen im Bielefelder Void, na vielen Dank auch.
Ästhetische Erfahrung. Was ist ästhetische Erfahrung? Was ist Schönheit in einem
Moment, in dem alles wehtut? Ästhetische Erfahrung ist ein Moment, der berührt und
erschüttert. Es ist die Grenze zwischen alltäglichem fühlen und das sehen, was sonst
keiner sieht und spürt. Es verbindet die Sinne mit den Gefühlen und den Gedanken.
Sie sind individuell und können auch in den unerwartetsten Momenten erscheinen.
Ich persönlich habe reichlich viele ästhetische Erfahrungen sammeln können und mir
viel es dementsprechend schwer, mich für das eine zu entscheiden, als ich mich
jedoch an diese eine Situation erinnert habe, war mir klar, dass es diese sein wird. Ich
denke, dass diese ästhetische Erfahrung etwas spezieller ist als manch andere, weil ihr
Umriss etwas Trauriges ist, im Kern hat sie für mich aber etwas wunderschön
Schmerzhaftes. Es ist der Mai im Jahr 2022, ein guter Freund von meinem Vater hat
Krebs und stirbt letztlich daran. Meine Mutter kommt zu mir und erzählt mir, dass er
es nicht geschafft hat. Als mein Vater dann nach Hause kommt, setzen wir uns alle in
die Küche, meine Eltern, meine Geschwister und ich. Mein Vater weint, meine Mutter
weint und schließlich auch ich. Diese Konstellation, dass wir alle hier sitzen, weinen,
uns in so einer zerbrechlichen und echten Weise sehen, ist ungewohnt für mich. So
sind wir nicht miteinander, außer in diesen Momenten, in denen jemand von uns stirbt.
Ich sitze da und mich überkommt diese Traurigkeit, plötzlich mehr als das. Ich sitze
hier und ich fühle Geborgenheit und Wärme. Ich fühle mich beschützt in einem
Moment, wo ich am zerbrechlichsten bin. Von den Menschen, die mir sowas wie
Sicherheit nie so wirklich geben konnten. Ich lasse mich ganz fallen und spüre diesen
Kontrollverlust, der sich auf einmal sicher fühlt. Und dann spüre ich sie, und das
stärker als je zuvor, meine ästhetische Erfahrung. Ich finde Schönheit darin, wie wir
alle dort sitzen, wie wir gemeinsam unsere zerbrechlichste Seite zeigen, uns Halt
geben und einfach nur sind. Ich fange an, diese Schönheit zu mögen und mich in ihr
zu legen, ich will, dass sie mich vollkommen ummantelt, bis diese Traurigkeit, die ich
in mir habe, verblüht. Schönheit finden in dem unschönsten. Und während ich dasitze,
überwältigt von schönen und unschönen Gefühlen, kommt der leise Hauch von
Hoffnung, der sich an meine Schulter schmiegt und mir sagt, dass es von jetzt an
vielleicht immer so sein kann. Nicht der Tod, sondern die Geborgenheit die ich
verspüre. Die Hoffnung, dass wir jetzt eine normale Familie sein können, dass unsere
Zeit gekommen ist. Dass wir die Liebe, die wir uns nie geben konnten, jetzt geben
können.
Vielleicht ist es das, was Karl Heinz Bohrer eine ästhetische Erfahrung nennt: Ein
plötzlicher Moment, eine Art Schock, welches das alltägliche in einer Sekunde
durchbricht und einen intensiv fühlen lässt. Er nennt es ,,Plötzlichkeit’’, ein Moment,
der völlig unerwartet ist und einen emotional trifft. Und genau das tat es, es traf mich
und ich begann zu fühlen.
Was mir wichtig ist zu thematisieren, ist dieser Widerspruch, der sich in mir ergibt,
wenn ich über diese ästhetische Erfahrung spreche. Darf ich mich so wohl fühlen in
einem Moment, in dem ich und andere Trauer erfahren? Darf ich Schönheit in etwas
so Grausamen sehen? Macht mich das gefühllos oder besonders empfindsam? Das
sind die Fragen, die ich mir stelle und auf die ich bis jetzt noch keine Antwort habe.
Und ich glaube, das ist zumindest meine eigene Definition von ihr, dass ästhetische
Erfahrungen genau davon leben. Von dem unlogischen, aber doch so verständlichen
Kern, den sie verkörpern. Sie geben einem das Gefühl, als ob in diesem Moment, aber
auch sobald der Moment endet, alles möglich ist.
Mein beschriebener Moment ist eine ästhetische Erfahrung, da sie exakt das
verkörpert, was zentral ist für eine ästhetische Erfahrung, sie geht über Grenzen.
Wieso jedoch genau diese Situation, wenn ich auch eine hätte nehmen können, die
sowohl von außen als auch von innen schön ist? Und ich denke meine Antwort darauf
ist, weil es mich daran erinnert, was wichtig ist im Leben. Es ist wichtig, dass man
zusammen mit seinen Gefühlen und nicht gegen sie lebt. Es erinnert mich daran,
zerbrechlich zu sein trotz meiner Angst vor Ablehnung. Denn was ist ein Leben ohne
Gefühle? Was ist ein Leben ohne ästhetische Erfahrung? Und zu diesem offenen Ende
mit dieser Frage ein Gedicht von mir, welches meiner Meinung nach sehr gut passt.
Nachklang
das licht es spielt,
geister, die gestern noch menschen waren
und mein Herz, was immer noch schlägt für mich
angst, hoffnungslosigkeit, schmerz, liebe
in dem raum in dem ich mich befinde
sehe ich das licht spielen, welches gestern noch
die geister von heute umhüllte
ich spüre wie sie zu mir reicht, und ich spüre
wie ich mitspiele, weil ich wissen will, ein letztes mal
wie sich die geister von heute gefühlt haben
als sie in diesem Raum standen, das licht sahen
und mit ihr spielten
Ein Spaziergang mit alten Bekannten ist doch immer wieder erfreulich. Heute sind sogar alle anwesend. Frau Allein und Herr Niemand, Keiner und seine Schwester Keine. Man läuft so daher und schwenkt mal hier, mal dort entlang. Fast galoppiert man davon, so angeregt ist die Stimmung. Niemand, der zuhört, Keiner, welcher spricht und Keine, die Gesellschaft leistet. Schließlich Frau Allein, welche die Richtung angibt. Mal spaziert man dicht nebeneinander, mal zerstreut man sich, Keine hier und Keiner dort. Niemand achtet schon darauf. Wieso sollte man uns aufhalten? Wir gehen also die Straße entlang. Niemand weiß wohin. Keiner kennt den Weg. Doch man unterhält sich klanglos und schlendert in aller Stille weiter.
Auch wenn Sie schon immer der festen Überzeugung waren Werbung könne sie weniger beeinflussen als ein Föhn einen Orkan, konnten sie doch nicht anders als ihrer Neugierde nachzugeben. Mit wenigen Klicks befinden sie sich auf einer ominösen Homepage wieder und sogleich erklingt die Stimme eines überambitionierten Werbefachmenschen aus ihrem Endgerät.
„Das St. Aspectum Solis! In unserer Reintegrationsbehausung, für die vom Pfad des Rechtschaffenden Abgekommenen, bieten wir perspektivlosen Straftätern auf dem Weg zur Besserung einen Lichtblick! Oder eher ein Sonnenbad, denn hier können Insassen ohne Straftaten
alles erreichen!“
Begleitet wird diese propagandistische Ansprache von einem breiten Reservoir an
stockphotoähnlichen Bildern aus einer Strafanstalt, die allerdings bis auf übermäßig viele Kameras und einige Gitter eher wirkt wie ein überalterter Kindergarten im Großraumbüro. Eine Horde Arbeitender aufgewachsener Kinder zwischen Buntstiftgemälden und Eisstäbchenskulpturen. Süß.
„Warum sollten den sicher Verwahrten die Vorzüge des gesellschaftlichen Lebens verwehrt werden? Vom Tellerwäscher zum Manager ist kein unüblicher Verlauf, denn alle Produktivkräfte sind selbstverständlich höchst motiviert! Für das Erledigen ihrer Aufgaben garantieren wir nicht nur die simple Lebenswichtigen Güter, nein, wir statten unsere besten Arbeitskräfte mit Einzelzimmern in der fünf Sterne Klasse aus, mit eigener Dusche, Bad, Ausblick, Küche und sogar das Gitter wäre eigentlich nicht mehr nötig.“
Erst nach genauem betrachten heben sich die Kindergärtner durch kaum wahrnehmbare Elektroschockwaffen von den restlichen ab. Das perverse Wasserspritzpistolendesign unterstellt der möglichen Bestrafung trotzdem eine fast spielerische Absicht.
„Die hotelähnliche Situation der Inhaftierten führt nämlich erwiesenermaßen oft zu mehr Wohlgefallen als ihre Ursprungsbedingung auf der Straße oder im Ghetto. Deshalb haben wir in unserem mehrjährigen Bestehen noch keinerlei Ausbruchsversuche aus dieser Traumanstalt zu verzeichnen. Zusätzlich führen eine grundsätzliche Freude und Dankbarkeit über diese ungewohnt
freundliche und geistig anregende Atmosphäre zu anderweitig nahezu unerreichbarer Motivation, ergo auch zu einer unübertreffbaren Produktivität.“
Ein schrecklicher Morph Übergang „Vom Ghetto ins Gefängnis“ verdeutlicht dabei den drastischen
Wandel.
„Nun zwingen wir selbstverständlich Niemanden zur Arbeit. Wir bieten lediglich die Möglichkeit sich das Gefangenendasein durch ein wenig Fleiß und Mühe aufzubessern, so wie es jeder gute mittelständische Bürger in Freiheit auch tun würde. Durch ein reiches Angebot an Professionen lässt sich für alle Arbeitswilligen auch ein Bereich finden, der ihren Fähigkeiten entspricht. Mit einem genauen Blick auf das Individuum ermitteln wir diesen und sind deshalb in der Lage breites Spektrum und Dienstleistungen zu vollbringen.“
Etliche Tätigkeiten erscheinen auf dem Screen, dabei bevorzugt kreative, aber auch Bürojobs, oder in der Werkstatt wird gewerkelt. Immer glückliche Gesichter. Mischen die Stimmungsaufheller ins Wasser?
„Nun stellt sich ihnen sicher die Frage, wieso eine solches Übermaß an Luxus für ehemalige Verbrecher staatlich finanziert wird? Doch wir können ihnen versichern, dass sie diesen Durchbruch der Gefangenensozialisierung einzig und allein der Privatwirtschaft zu verdanken haben. Das St. Aspectum Solis setzte schon von Anfang an, natürlich unter strenger justizieller Betreuung, auf einprivatisiertes Konzept. Nur so ist das ausgiebige Belohnen für erledigte Arbeiten überhaupt möglich und rechenbar. Was allerdings ist unsere Einnahmequelle? Wie können wir unseren Anvertrauten das alles bereitstellen? Durch Leistung! Und zwar für Sie!
Der individuelle Dienstleistungssektor für die obere Mittelschicht hat an die Rechtsprechung eine gehörige Menge an potenziellen, hilfreichen Arbeitskräften verloren. Hilfe, für Sie! Unsere Dienste bieten wir in vielen Bereichen an, um Sie zu bereichern! Bei all dem, für das ihnen die Zeit, Qualifikation, ja schlicht die Lust fehlt stellen wir ihnen unser geschultes Personal zur Verfügung.“
Die außerordentlich gepflegt und hilfreich wirkenden Insassen grinsen in der authentischsten Manier
in die Kamera.
„Die Vertrauenswürdigkeit unserer Einrichtung mag ihnen aufs erste suspekt vorkommen, doch es handelt sich in unseren Werkstätten und Büros um übliche Arbeitsatmosphären, an die sich die qualifizierten Arbeiter Problemlos anpassen, um sich der Bearbeitung für einen lächerlich geringen Preis, weit unter vergleichbaren Gagen in jeglicher Branche, zu widmen.
Was auch immer sie wünschen, wir helfen! Rufen sie einfach noch heute an und lassen sich
informieren 0191512919 oder auf AspectumSolis.com!
Wir warten auf ihre Meldung.
Und warten
Und warten.“
Akt 1. Erste Szene
Ankunft in der Parallele
Trotz den ausgeklügelten Werbebotschaften wurden nun die Gefangenen vom üblichen Fensterlosen Transporter ins sagenumwobene St. Aspectum Solis kutschiert. Vielleicht nicht sagenumwoben. Immerhin hatte unter den Transportierten von diesem Schuppen noch nie jemand etwas gehört.
Außer dem ungewöhnlich angeberischen Namen würde die Anstalt vermutlich dem einbetonierten Durchschnitt entsprechen. Ein ebenso gewöhnlicher Justizbeamter öffnete allerindings die Hintertür und gab damit die Sicht auf eine unüblich Rustikale Fassade frei. Kein glatter Beton, keine quadratischen Fenster, sondern eine geklinkerte Mauer mit Struktur, Fenstern, all dem Plunder. Die
Wand erstreckte sich in unendliche Höhe und Mensch hätte sich den Nacken verrenkt, um das Dach zu sehen. Unter Umständen hatte sich das Ausstatten der Richter mit ausgiebigen finanziellen Mitteln doch noch gelohnt, dachte
Jonathan
Der wegen Steuerhinterziehung und Marktmanipulation zu läppischen 5 Monaten Haft verurteilt worden war, weil er während der Bewährungsstrafe, nun sagen wir, vergessen hatte, dem Zoll eine relativ hochkarätige Uhr anzugeben. Wie dem auch sei, da stand er nun staunend vor der Strafanstalt.
„Ach das Aspectum Solis. Da haben sie eine hervorragende Einrichtung erwischt.“ Bekundete der zuständige Beamte ironisch und schubste Jonathan aus dem Transporter. Zwei Frauen, davon einesichtlich verängstigt, folgten ihm aus dem Gefährt. Der Beamte war ebenso grob mit ihnen wie mit Jonathan. Deswegen stürzte
Marie
Mit dem Gesicht voran gegen die schwere Holztür der Einrichtung. „Pass mal auf du Gartengnom.“ Schimpfte
Katrin
Mit dem, relativ kleinem, bärtigem, rothaarigem Mann und half Marie vom Boden auf die Beine. „Schnauze.“ Schnaubte der Beamte, doch nicht ohne eine leichte Unsicherheit in der Stimme. „Nutzen sie die ihnen verliehene Macht nicht um sich über wehrlose Gefangene erhaben zu fühlen, nur weil-“ Aber Marie schwieg, die Hand auf eine Wunde am Kopf gedrückt in dem sicherlich noch
eine ganze Reihe von Beleidigungen steckte. „Jetzt liefern sie uns endlich ab damit sie zurück in ihr kaltes liebloses Zuhause fahren und dort verrotten können.“ Sagte sie schließlich.
Widerwillig schwieg der Beamte, wahrscheinlich im Wissen darüber, dass ihm die Verletzung ein weiteres Verfahren einbringen könnte. Darauf kann er verzichten. Deshalb befanden sich die Drei Neulinge schon kurz darauf in einer prächtigen Empfangshalle mit hohen, von Kronleuchtern besetzten Decke. Der Beamte steuerte ein ungewöhnlich mittig platziertes Wachhäuschen an, aus dem sogleich ein stämmig gebauter Wachmann trat. Beide Ärmel waren mit einem Wappen bestickt. Auf dem einen das wiederzuerkennende Symbol des Gefängnisses, das auch neben dem Eingang prangte. Auf dem anderen allerdings ein simpler kameraähnlicher Sticker unter dem in weißen Buchstaben „Cheapsecurity24.com“ geschrieben stand. Anscheinend wurde die Sicherheit hier outgesourced. Billiger.
„Richard.“ Der Wachmann nickte. Der Beamte zurück. Ein Nicken unter Kollegen, männlichen Kollegen. Der Beamte übergab ihm drei Karten, auf denen allerlei wichtige Informationen gespeichert waren. „Einmal eine Reihe bilden bitte.“ Sagte der Wachmann und holte ein Gerät aus seiner Kabine. „Handgelenk bitte.“
Ohne nachzudenken, streckte Jonathan seinen Arm nach vorne. Richard der Wachmann setzte das Gerät an, drückte eine Taste. Ein kurzer Schmerz durchfuhr Jonathan und somit war er gechippt. „Was war das?“ fragte er aufgebracht, oder eher genervt. „Ein Identifikationschip, auf dem werden
deine Daten und damit auch deine Privilegien gespeichert.“ Die Wache näherte sich nun Marie. „Vergessen sies“ sagte diese und versteckte den angestrebten Arm spärlich hinter ihrem Rücken.
„Die Registrierung ist unumgänglich.“ Behauptete sich der Wachmann. Katrin strafte ihn mit einem abschätzigen Blick doch trat vor. Der Mann tippte und drückte. Schnell waren alle drei registriert und Übergeben.
„Euch erwartet eine, nun, interessante Periode, ob gut oder schlecht ist eure Entscheidung.“ Sagte die Wache mysteriös, während sie in die Kellergewölbe der Einrichtung hinabstiegen. Jonathan konnte den Worten noch keinen Sinn entnehmen, doch Richard wirkte für einen Gefangen ohnehin nicht wie die vertrauenswürdigste Person. „Außerdem erwartet euch eine Einführung in die hiesigen Verhältnisse.“ Sie betraten einen langen, mit mäßig künstlerischen Kunstwerken ausstaffierten Gang mit einer Anzahl an anliegenden Räumen, aus denen Lichter sowie Stimmen drangen. Jonathan erhaschte einen Blick auf das Geschehen. In diesem Zimmer hockte nur ein Anzugträger mit Telefon
in der Hand. „Ich versichere ihnen, dass ihre Investitionen in unserer Institution bestens aufgehoben sind.“ Eine Pfütze des Stresses spiegelte aus seinem Gesicht. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie gelegentlich mit Herr Herbrandt den Golfplatz aufsuchen – Ja, man hört ja so einiges. Nun hat ihr guter Freund schon vor geraumer Zeit sein Vertrauen in unsere Einrichtung gesetzt, so will ich sie ermutigen sich bei Gelegenheit mit ihm über die erfreuliche Rendite seiner Anlage auszutauschen. Ich bin mir sicher danach werden sie uns mit gleicher Investitionsfreude begegnen – Selbstverständlich, nehmen sie sich ihre Zeit und treten sie im Anschluss wieder mit uns in Verbindung. Wir warten auf ihren Anruf – und warten – und wa-.“
Doch bis zu diesem Punkt hatte Richard die Wache Jonathan bereits gepackt und wieder auf den rechten Weg verfrachtet. Dieser führte die kleine Gruppe hinunter in ein grandios angsteinflößendes Kellergewölbe. Die, mit Werkzeugen, Metallplatten und Holzstücken bepackten Gänge hatten wenig mit der prachtvollen Eingangshalle gemeinsam. Aus den hiesigen Räumen, die nicht mit Wänden sondern Gittern umrahmt waren, drang Stöhnen und Keuchen verbunden mit dem Klirren und Klonken der jenes auslösenden Tätigkeiten. Es wurde gehämmert, gesägt, geschraubt, gar geschweißt. Von starken Männern, ein paar Frauen. Nicht unbedingt Johnathans Körperbau repräsentierend. In seinem gesamten Leben waren ihm Schweißperlen, Kratzer und Muskelkater nicht untergekommen.
Es ging in eine Art Umkleidekabine mit wiederrum mehreren Einzelkabinen. „So einmal runter mit der schicken Kleidung und rein in die Overalls.“ Forderte der Wärter. Die beiden Frauen wehrten sich nicht großartig und rissen dem Wärter ihre grauen Overalls aus der Hand. Jonathan widerstrebte jedoch. „Mein Anzug ist maßgeschneidert. Das Hemd ist aus Seide. Handgemacht in Italien.“ „Hab
dich nicht so Wallstreet.“ Sagte Katrin. „Die Overalls sind Kinderhandgemacht in Bangladesch und es gibt sie in fünf Standartgrößen.“ „Tatsächlich werden alle Overalls vor Ort gefertigt.“, Sagte der Wärter abschließend. Die drei gingen in die Kabinen und gaben kurz darauf ihre Kleidung ab. „Wenn ich auch nur einen Fleck auf dem Stoff finde schicke ich ihnen eine saftige Rechnung.“ Drohte
Jonathan als sie alle wieder in einen weiteren grauen Gang traten.
Schließlich trennten sich die Wege von Jonathan und den beiden Frauen. „Hier bräuchte mal jemand eine Einführung!“ Rief der Wärter in Richtung der Gefangenen, nachdem er die beiden anderen an sein weibliches Ebenbild übergeben hatte. Der angesprochene Kreis drehte kollektiv die Köpfe hin und wieder weg. Nur ein, etwas übermotiviert wirkender, junger Mann machte sich schnellen Schrittes zu Jonathan auf.
Akt 1. Zweite Szene
Der lockende Opportunismus
„Paul Lenchester, aber du kannst mich Lenny nennen.“ Stellte sich der übermotivierte Häftling schneller vor, als Jonathan die Worte aufnehmen konnte. „Jonathan. Für dich Jo.“ Brachte er als Antwort hervor. Lenny rüttelte an seiner Hand und setzte sich unverzüglich schnellen Schrittes in Gang. Jonathan stieg ein beäugte Lennys Kleidung. Dieser trug den grauen Overall nur als Hose und um die Hüfte gebunden. Darüber hatte er anstatt des grauen Unterhemdes ein graues Sport Trikot. Außerdem eine ebenso graue Kappe mit einem Jonathan unbekannten Logo.
Jonathan erkannte bei allen Gefangenen nur wenige mit ähnlichen Accessoires. Merkwürdig. „Hier herrscht ein – sagen wir unkonventionelles Konzept.“ Vorbeigeführt an Gemälden und Skulpturen entfernten sie sich vom grauen Zellentrakt. „Darf ich fragen was du gemacht hast?“
„Nun“ Jonathan überlegte wie viel er dem Mitinsassen offenlegen wollte. „Es geht nur um eine kleine ungeklärte Finanzgeschichte.“ Offenbarte er. „Nein.“ Entgegnete Lenny. „Nicht deine Straftat.“
Straftat setzte er dabei in Anführungszeichen. „Dein Beruf. Es ist nämlich so, dass hier gewisseFähigkeiten – wie zum Beispiel Erfahrung im Bankenwesen – gewisse Vorzüge mit sich bringen. Solange du weißt sie zu präsentieren zumindest.“ Verblüfft sah Jonathan Lenny an. „Bestechung?“
Zischte er leise. „Was? Neinnein. Es geht um Arbeit.“
Während er noch darüber nachdachte, betraten sie ein offenes Forum, dass zur linken und rechten mit Essensausgaben und Sitzplätzen ausgestattet war. Jonathan fühlte sich unwillkürlich an eine Mall
erinnert, die mit pflanzen dekorierte und offene Kulisse schien im irreal und sonderbar.
Er ließ seinen Blick schweifen. Es gab mehrere Bereiche, verschiedenfarbig umzäunt und dem Anschein nach von unterschiedlicher Qualität. Das gleiche Schema war noch anderswo zu erkennen. Über den Mensen stapelten sich die Zellen. Während der Trakt aus dem sie kamen eher einem Gehege glich, schienen diese Räume geräumiger, gemütlicher und luxuriöser, um so höher sein Blick
wanderte.
Von den Doppelbettengefüllten Zellen unten entwickelten sich die Zimmer von Stockwerk zu Stockwerk über zwei-Personen Räume bis zu gemütlich ausgestatteten Einzelwohnungen mit Veranda.
Auch die Dekoration veränderte sich. Angefangen bei den tristen blauen Gittern des ersten Stocks über selbst angemalte gelbe Gitter auf der Mitte bis zu den Echtholzzäunen weiter oben und den Kunstvollen Marmorkanten am Schwimmbecken auf der obersten Etage die Jonathan kaum noch
sehen konnte.
„Da oben.“ Sagte Lenny, der die Faszination bemerkt hatte und deutete auf eine der Terrassen. „Dort werden wir bald leben. Mit genug Ambition und ein paar Monaten harter Arbeit ist es ein Kinderspiel.“ Jonathan war skeptisch, doch ein vorzüglicher Geruch blies ihm die Gedanken aus dem Kopf.
„Lass uns das beim Essen bereden.“ Schlug er vor und folgte nahezu tranceartig dem Geruch, der so wenig mit den „Speisen“ aus der Untersuchungshaft gemein hatte. Er war schon halb in einem Orangen Essbereich, als sich ein Wärter aus seiner Starre löste. Lenny zog Jo am Oberteil zurück in den Gang und schenkte dem Wärter ein entschuldigendes Nicken mit dem er ihm klarmachte.
Als dieser mit seiner grimmigen Visage und den Finger am Taser aber weiter in ihre Richtung lief sagte Lenny laut „Er ist noch ein Rangloser. Heute aufgenommen. Kommt nicht wieder vor.“
Schnellen Schrittes zog Lenny Jo mit sich und führte ihn an einem Springbrunnen vorbei zu einer Essensausgabe ganz in grau. „Das hier ist fürs erste unser Bereich.“ Erklärte er als hätte er es mit einem Kind zu tun. „Aber die Pasta, die Cola und das Eis.“ Erwiderte Jo. „Richtig, das sind Dinge die du dort drüben essen kannst, aber sowas gibt es hier nicht für lau.“ „Sie zwingen uns für unser Essen zu arbeiten?“ Fragte Jo erzürnt. „Naja, wir kriegen durchaus etwas zu essen.“ Er deutet auf eine Sparte in der Wand in der ein leerer Pappteller stand und hielt dann seine Hand an eine gekennzeichnete Fläche daneben. Mit einem apetitverderbenden Geräusch ergoss sich eine Pampe die eben so grau war wie die Umgebung auf den Teller. Darauf spritzte aus einer weiteren Öffnung ein Kleks braune Soße und aus einer Klappe rollte ein einziges kleines Fleischbällchen. „Aber sagen wir, dass das Essen im Regenbogen aufsteigend auch tatsächlich genießbar wird.“
Jo betrachtete skeptisch das „Essen“ auf dem Pappteller. „Denkst du bevor wir Pasta bekommen, bin ich verhungert?“ Fragte er miesgrämisch. „Ach, wenn du Augen und Nase zumachst und ganz fest an Kartoffelbrei denkst schmeckst du fast keinen Unterschied mehr.“ Erwiderte Lenny. Jo führte weniger
durch diese Beschreibung und mehr durch das missachtende Grunzen des Bergs hinter ihm motiviert seinen Chip zur Wand.
Kurz darauf saßen beide beengt auf einer Bank mit fünf weiteren Gefangen. „Manikürte Hände, rasiert – du bist neu hier.“ Sagte ein Klops und aß Jo´s „Fleischbällchen."
„HE-!“ Setzte er an, dochnach einem Blicken auf die ebenfalls sehr fleischlich ausgeprägte Körperlichkeit seines Gegenübers
hielt er inne.
es ist wohl die windelsbleiche, die wohl oder übel dazu beiträgt, dass die nichts ahnende reisende in das nun nahende, notdürftig verrichtete bielefeld – tritt. jedes gute licht, das auf diesen ort, wenn man denn weit genug ausholt, zu werfen wäre, wird von dem alles dominierenden asphaltier, dem owd, in den schatten gestellt. hier erhält die reisende den anblick einer stadt, den es erst und nicht nur einmal zu verdauen gilt, einer stadt, die, so man sie nun von hier aus betrachtet, von jeder reise auszuscheiden hat. zurück aus dem urlaub ist man als bewohner:in diesen anblick gewohnt: erst kommt der pudding, die burg schaut von oben herab. dann durchbrechen im vorbeifliegen erste giebel die schallmauer, die gemäuer tragen ihr gewand der abgase schauerlich zur schau. dichte wolken beziehen stellung und verdunkeln die sicht. erst plätschert es nur so vor sich hin, dann prasseln die sorgen auf einen ein. die rückkehr in den alltag ist von regen bauchschmerzen geplagt.
der alltag. auf die bielefelder lebensart lässt sich einen reim kaum machen. was die
bewohner:innen auf ihre stadt geben, ist kaum bekannt, sie behalten es lieber für sich, unternehmen nichts dagegen und lassen jede unterhaltung aus. ausgelassen wird’s nur am ende der woche, wenn die sonne scheint und vor allem: wenn arminia spielt. der deutsche sportclub, dessen bitterer beigeschmack des nationalen dank dem reinheitsgebot hinuntergespült wird, ist mit seinem auf und ab das ebenbild der stadt am teuto. diese hat viele, aus besten gründen spärlich besuchte kirchen, doch nur eine kathedrale, in die menschen, ob
groß, ob klein, in scharen strömen. dort singen sie und beten sie, dort verfluchen und beschwören sie, dort fühl’n sie sich verbunden. wohl denen, die diesen ort der freude, des leidens, des ausbruchs einst für sich entdecken durften. bei all dem scheiß, der auch hier abgesondert wird: während arminia seit langer zeit nicht mehr ausscheidet, tun dies wiederum immer noch zu viele, bei jedem spiel. im sitzen wie im stehen. auf allen tribünen, gleich welchen ranges.
und ansonsten? wo lässt es sich aushalten? die sparrenburg ist recht hübsch, der nordpark, ganz sicher einen besuch wert, lädt nicht nur rund um den teich zum schnattern ein, auch die dahlien, die grazilen vorbotinnen der kürzeren tage, sind hübsch anzusehen. dann aber schon – man grübelt, denkt nach: die altstadt, wenn man protz und pollunder mag. und doch: welch ein theater, immer einen besuch wert! das schlendern durch die gassen, das verweilen vorm cutie, auf den bordsteinen vorm mocca und mellow, das mag ich, lauschigwarme sommerabende auf dem siggi, die schätze ich auch! doch, ich schätze auch: wenn’s um die behandlung von wunden des stadtlebens geht, ist auf pflaster setzen langfristig keine allzu gute notversorgung.
auch wenn bielefeld so beschissen, wie auf dem ersten blick, also nun wirklich, wirklich! nicht ist: schöner wird es erst, wenn man das weite sucht und findet. im nordwesten auf den feldern und wiesen, zwischen auen und bächen, neben häuschen und höfen. hier und da lässt sich neben dem heuhaufen ein ganzer nadelwald finden. auch in der südlichen senne versandet der bielefelder verkehr in sanften ebenen, verwandeln die alten riesen das aufbrausende rauschen des verkehrs in das stille und zaghafte rauschen der blätter. doch ist man wie so oft im trott gefangen und bis in den abend an seinen laptop gefesselt, so bietet sich bloß ein kurzer ausbruch aus dem alltag an, die flucht in den teuto.
und los. erst noch gespannt, und plötzlich von blaulicht geblendet, die straße hinauf, dem einen sonnenstrahl entgegen, der sich den weg bahnt und den nach entspannung sehnenden gesichtszug entgleisen lässt. ein erstes, noch gequältes lächeln. mit keinem blick zurück, nur augen für dort oben, wo die ersten wipfel zwischen den dächern hervorragen. oben angelangt,lässt das abendlicht die ochsenheide erstrahlen. kein bulle weit, nur manche breit. vorerst alles im grünen bereich. entspannung. durchatmen.
weiter geht’s. kurze pause am poetinnenweg, den ausblick genießen, sich eine gute zeit machen. ich setze mich auf eine bank. viele leute ziehen an mir vorbei, so manche:r ergreift das wort, übt sich in politischer rede. ich sitze nur so da und nehme laufend gesprächsfetzen über belanglosigkeiten auf. die kolleg:innen, der hausbau, mangelnde standards beim all inclusive. beschränkte perspektiven. ich will doch nur den blick genießen. dann auch reden von belang. die alten themen. ohne weitsicht, ohne einsicht. immer nur die eine sicht. keine sicht weise, nur
die eigene. dann das finale, der endgegner. erst höre ich sie, dann sehe ich sie von weitem. ich starre ins leere, kann nicht davon absehen hinzuhören. ich warte, erwarte einhellige, nicht die hellste meinung. männliche stimmen unter sich. sie ziehen über alle:s her und dann endlich schnellen, strammen schrittes weiter. der abfall fällt nicht weit vom stammtisch. wie soll das nur weitergehen? mir fehlt der ausblick auf bessere zeiten.
weiter geht’s. weiter, weit weg. bis die menschliche oberfläche im belaubten dickicht endlich verschwindet und eine weitsicht auf das leben ermöglicht. endlich. der mensch scheint weg, die luft lässt mich aufatmen. endlich stille. es summt und raschelt, es rührt sich viel und all dies mich an. und während ich mich so, in gedanken und wald gleichsam versunken, in den kleinen pfaden verliere, mich am gesang und den stimmen um mich herum erfreue und mich von stadt und mensch zu lösen scheine, tut sich eine lücke auf und mein blick fällt
auf ein auf bäumen, nein: auf den gräbern von bäumen gewachsenes, sich dort unten durch die grünen ebenen noch immer unentwegt grabendes unwesen, das sich über alles und jede:n zu erheben scheint, das gedanken, das eine weise sicht anzustoßen vermag, aber ein echtes aufbäumen ebenso wie den wald im keim erstickt: ein gebäude von grauenvoller wucht. ein gebäude, vor dem zu vielen viel zu sehr graut, ein grauen, das vom baustoff bloß betont wird, im grunde jedoch tiefer liegt. vorbei ist es hier mit dem unbeschwerten, vorbei mit der entfaltung
von gedanken. nicht für alle, nein, aber doch für zu viele. vorbei ziehen hier autoritäten, denen man selbst aus der letzten reihe im audimax nicht auf augenhöhe begegnen kann. nicht alle, nein, aber doch zu viele. nahbarkeit, eine andere form von verstehen, verständnis und autorität so machem gut. nicht immer, aber doch zu viel: gähnende lehre. und sowieso: alles wird gekürzt. ein verständnis von bildung, dem die ersten drei buchstaben abhandengekommen sind. einfach alles mist! dünger für eine gute, eine bessere gesellschaft? wohl kaum. bildung, die sich rentieren soll?! wer an diese glaubt, glaubt auch an den weihnachtsmann. und das ergebnis? keine:r denkt mehr nach, vor und zurück. bildung wird abgeschrieben. klausuren für zu viele bloßer nervenkritzel. auf- und abgeben im gleichen moment. durchfallen ist nur dann halb so schlimm, wenn man es sich leisten kann. und das können nicht alle, nein, viel zu wenige.
ob die windelsbleiche ausreicht, um die eigene lage notfalls zu kaschieren, um all diesen mist irgendwie aufzufangen? wohl kaum. die lage hier ist für viele leider eben genauso beschissen wie anderswo. bielefeld an sich ist eigentlich ganz schön.