Sammelpunkt von Initiativen und Reflexionen zum Zapatismus und der Möglichkeit, die Welt zu verändern, ohne die Macht zu erobern…
In den 1990er Jahren war die emanzipatorische politische Sozialisation in Europa zu einem beträchtlichen Teil vom Wissen über die zapatistische Bewegung und der Referenz auf ihre Theorie und Praxis geprägt. Heute engagieren sich zahlreiche Menschen beim World Social Forum und wissen oftmals nicht, daß die Slogans, die sie benutzen, von den Zapatisten erfunden worden sind. Dem kurzlebigen Wechsel von Elektrisierung und Vergessen eine kompetente Stimme entgegenzusetzen war Tom Waibel bei der Konferenz "Die kapitalistische Moderne herausfordern - Alternative Konzepte und der kurdische Aufbruch" als Referent zu Gast. Der in Wien lebende Philosoph und Übersetzer hat jahrelang ein Wanderkino im lakandonischen Regenwald in Chiapas betreut. Die Infrastruktur des dabei entwickelten kommunalen Medienprojekts steht nun vollständig der autonomen Bildungsinitiative der Zapatisten zur Verfügung.
Web-Plattform der Gruppierungen, Initiativen, Kollektive und Personen zur Unterstützung des Österreich-Besuchs der Zapatistischen Organisation. Uns geht es darum, Treffen, Gespräche, Austausch von Ideen, Erfahrungen, Analysen und Einschätzungen durchzuführen – Zwischen uns allen, die wir mit verschiedenen Vorstellungen und aus verschiedenen Territorien für das Leben kämpfen. Wir sind höchst unterschiedlich und mitunter auch gegensätzlich – aber wir haben uns über einige grundsätzliche Positionen verständigt. Wir sind uns darüber einig, dass wir uns die Schmerzen der Erde zu eigen machen: die Gewalt gegen Frauen; die Verfolgung und Verachtung der in ihrer affektiven, emotionalen, sexuellen Identität Differenten; die Vernichtung der Kindheit; der Genozid an den indigenen Bevölkerungen; der Rassismus; der Militarismus; die Ausbeutung; die Zerstörung der Natur. Außerdem vereinigt uns: Das Verständnis, dass ein ein System für diese Schmerzen verantwortlich ist. Der Vollstrecker ist ein ausbeuterisches, patriarchales, pyramidenförmiges, rassistisches, räuberisches und kriminelles System: der Kapitalismus.
Der Aufstand ist ein Schmerz, der sich nicht heilen lässt: Von der indigenen Forderung nach Würde und Anerkennung und der zapatistischen Selbstorganisation im Südosten von Mexiko
Der Aufstand der Zapatistas hatte zu einem Zeitpunkt, als die Berliner Mauer längst gefallen, der Kapitalismus unwiderruflich für alternativlos erklärt, und die ökonomische und kulturelle Globalisierung so richtig in Schwung gekommen war, die Welt daran erinnert, dass es in schwer zugänglichen Regenwaldgebieten noch immer widerständige indigene Menschen gab, die nicht bereit waren, ihre überlieferten ›unmodernen‹ Lebensformen gegen einen paternalistischen Anteil an Konsumgütern einzutauschen, und fest dazu entschlossen waren, ihrer jahrhundertealten Forderung nach Würde und Anerkennung nicht nur mit Worten, sondern auch mit Waffen Nachdruck zu verleihen.