Medien-Kollektiv zur audivisuellen Selbstbestimmung im Südosten von Mexiko und im Hochland von Guatemala.
So beginnt kommunitäres Kino: Interessierte erlernen das technische Know-How der Videoprojektion und machen sich auf die Suche nach Filmen von kollektivem Interesse, erstellen Programme, schlagen sie in den Dörfern vor und planen die Reiserouten des Wanderkinos. Vormittags gelangt Kinoki Lumal mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß in abgelegene Dörfer und beginnt nachmittags mit den Vorbereitungen der Vorführung. Die Leute werden zusammengerufen, der Dorflautsprecher kündigt die Ankunft des Trage-Kinos, des Kino Mekapal, an. Wenn es dunkel wird, beginnt die Vorstellung, unter dem bestirnten Himmel, wenn es das Wetter erlaubt, oder unter Dach, in der Schule oder im größten Gemeinschaftshaus, das manchmal die Dorfkirche selbst ist. So ist Kino vielen zugänglich und die Vorstellungen enden selten vor Mitternacht.
Die Ankunft des Kino Mekapal ist meist der erste Kontakt der DorfbewohnerInnen mit dem Medium Film. Fernsehen gibt es kaum und entfernte Kinos sind für die BäuerInnen unerschwinglich. Die Wirkung, die das Wanderkino auf das soziale Leben in den Dörfern ausübt ist enorm: Kino vermag die Leute ohne Rücksicht auf politische, ideologische, religiöse oder geschlechtsspezifische Unterschiede zu versammeln. So wird jede Vorstellung des Kino Mekapal zu einem kleinen Beitrag zur Wiederverknüpfung zerissener sozialer Netze und zur Versöhnung in den durch den Krieg gespaltenen Dorfgemeinschaften. Die Leute schätzen das Kino als Medium transparenter Information und als intelligente Form der Unterhaltung.
Aufgrund des grossen Interesses, das die Leute den Vorstellungen von Kinoki Lumals Wanderkino entgegenbringen, entwickelte es sich in kurzer Zeit beträchtlich weiter: Bald wurden Workshops zu Bild- und Tonaufnahme veranstaltet und so entstanden Reportagen in den besuchten Gemeinden. Diese Filme werden später in den Dörfern wieder vorgeführt und sind ein wichtiger Schritt in der audiovisuellen Selbstbestimmung der indigenen BäuerInnen. Sie selbst bestimmen Form und Inhalt der Dokumentationen und ermöglichen so die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Dabei werden sie zu SchöpferInnen und DarstellerInnen ihrer eigenen Geschichte und Erfahrung.