Mit dieser Anlage hatte Aschhausen im Jahr 1894 eine der ersten neuzeitlichen Trinkwasserversorgungen einer ländlichen Gemeinde in Württemberg.
Wir Aschhäuser haben gute Gründe auf das einst hochmoderne Gebäude stolz zu sein und es auch heute noch als technisches Kulturdenkmal zu erhalten.
Die Anlage kann in privaten Führungen nach Absprache und alle 2 Jahre am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter fv.aschhausen@gmail.com
Pumpstation von außen
Originalpläne von 1894
Flurkarte 1895 mit Wasserleitungen und Hydranten
Plan zum Hochreservoir 1894
Hochreservoir Ansicht 2013
Am 23. Dezember 1894 waren die Bauarbeiten am Gebäude abgeschlossen, am 18. Januar 1895 erfolgte die technische Abnahme der Wasserversorgungsanlage.
Mit dieser Anlage hatte Aschhausen eine der ersten neuzeitlichen Trinkwasserversorgungen einer ländlichen Gemeinde in Württemberg. Als 1991 die Verwendung des Aschhäuser Quellwassers Brunnenrain eingestellt und ein Anschluss an Bieringen erfolgte, wurden die alten Leitungen und der Hochbehälter noch weiter verwendet.
Mit den Straßenbaumaßnamen Anfang des 21. Jh. konnten die über 100 Jahre alten Leitungen durch neue ersetzt und das Wasser 2012 mit höherem Druck direkt über den Hochbehälter Enzenhalde Oberkessach (wie ab Nov. 2010 bereits über Bieringen) geliefert werden.
Seit Nov. 2012 bekommen wir über den Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) mit gemeinsamen Brunnen aus dem Kochertal und Schöntal aufbereitetes und enthärtetes Wasser von ca. 14 °dH statt 25-30° dH.
Um im Eigenbetrieb elektrischen Strom zu gewinnen, erwarb der Erstpächter Otto Schnurrer (Gutspächter des Schlosses) auf eigene Kosten einen Generator und erweiterte das Gebäude um ein Stockwerk, um dort Akkumulatoren aufstellen zu können.
Der erste Strom wurde am 16. November 1894 geliefert. Auch damit war Aschhausen eines der ersten Landorte in Württemberg, das sich des Fortschritts der Elektrizität erfreute. Zunächst waren das Pächterhaus beim gräflichen Schloss mit 50 Flammen und das Gebäude des Sonnenwirts Vogt mit 20 Flammen beleuchtet. Das 3. Gebäude, die Stallungen in der Schafscheune, soll ca. 10 Flammen erhalten haben.
Mit dem Umzug der Elektrizitätserzeugung in die Mühle um 1909 durch die gräfliche Familie konnte der ganze Ort verkabelt und mit Strom versorgt werden. Um 1928 wurde das obere Stockwerk, das nicht mehr für Akkumulatoren genutzt wurde, vom damaligen Pächter zu Wohnzwecken umgebaut.
von 2014 bis zum Wasserfest 2019 wurde die Anlage mit rund 50 freiwilligen Helfern in über 1000 Arbeitsstunden restauriert und wieder funktionsfähig gemacht.
1871 Erste Planungen und Kostenermittlungen für Wasserversorgung
1893 13. September nach Trockenjahr Beschluss der Umsetzung
1894 23. Juni Erstgenehmigung und Baubeginn
Juli Gutspächter Otto Schnurrer wird auf 12 Jahre zum Gemeindebediensteten
Schnurrer baut auf eigene Kosten die Anlagen zur Stromerzeugung ein.
16. November Stromlieferung an Pächterhaus, Schafscheune und Sonnenwirt
Am 23. Dezember Bauarbeiten abgeschlossen.
1895 18. Januar Technische Abnahme
1896 16. Mai endgültige Fertigstellungsmeldung
1898 Antrag auf Erhöhung des Wehres und Erweiterung des Geb. um ein Stockwerk um Akkumulatoren zur Stromspeicherung aufzustellen.
1900 1. August Fertigstellungsmeldung der Umbaumaßnahmen
1911 Graf v. Zeppelin verlagert die Stromerzeugung in die Mühle
1913 Wasserschau mit Feststellung von baulichen Abweichungen z.B. Breite des Wasserrades 1,3m statt 1m
1924 Nachträgliche Genehmigung einiger Abweichungen. U.a. Wasserradbreite
1928 Pächter OG. Jagdpächter Adolf Huck aus Freinsheim baut auf eigene Rechnung zu Wohnzwecken um. Bis 1949
1934 Holzanbau mit überdachter Terrasse
1939 Zusätzliches Elektro-Pumpenhaus an der Quellstube. Redundanz und Mengensteigerung
1952 Wohnung von Lehrer Alfred Renz für wenige Jahre
1965 Wohnung von Fam. Flade bis 1975
1975 Ferienhaus von Karl Hehn
1995 Gepachtet von Fam. von Zeppelin
1991 Ende der Wasserversorgung über die Pumpstation. Versorgung aus Bieringen
1994 Wasserfest zum 100-jährigen Jubiläum mit Ausarbeitung von Horst Geiger
2012 Stilllegung des Hochbehälters und neue Wasserleitungen von HB Enzenhalde
2014 Beginn der Restaurierung durch den Förderverein
2017 Ende der Verpachtung des OG. Nutzung Förderverein Aschhausen
2019 Wasserfest, Anlage in Betrieb, Eröffnung Dorfmuseum im OG
Zur technischen Ausstattung im engeren Sinn gehören: Die Radstube mit dem oberschlächtigen Wasserrad, sowie eine doppelt wirkende Kolbenpumpe mit Manschettenkolben und Windkessel. Im weiteren Sinn sind sämtliche Nebenanlagen wie Brunnenstube, Wasserbau, Hochbehälter, Rohrleitungen, Verteiler und dergleichen Teil einer noch zu bildenden Sachgesamtheit.“
Pumpe:
Liegende doppelt wirkende Kolbenpumpe mit Manschettenkolben und Windkessel
Förderleistung: max. 2,3 l/s = 8.28m³/h
Für 1m³ Nutzwasser waren 87m³ Antriebswasser erforderlich.
Wasserrad:
Oberschlächtiges Eisenrad mit 30 Schaufeln
Durchmesser: 3,6m
Breite: geplant 1m, gebaut 1,3m
Leistung: geplant 9,5PS, gebaut 12PS
Triebwasserkanal:
Länge: 431m
Nutzbare Höhendifferenz: 3,6m
Überwiegend Zementrohre D=600mm
Betriebswassermenge: max. 200 l/s = 720m³/h
Mittlere Schüttung des Erlenbachs war 300 l/s
Frischwasserleitung Brunnenstube:
Länge: 300m
Gussleitung Innendurchmesser 80mm
Schüttmenge der Brunnenstube: ca. 15l/s
Hochreservoir:
Inhalt: 100m³
Höhe über der Pumpstation: 55m
Leitungslänge ca. 300m mi Abgang zum Schloss
Verteilleitungen, Verbraucher:
40 Privathäuser
2 selbstschließende Brunnen
12 Hydranten
Stromerzeugung:
Dynamo Spannung 110V, Stromstärke 54A
Investitionen einschl. Leitungen, Hochbehälter und Verteilnetz zu 40 Häusern und 12 Hydranten waren ca. 32.400 Mark