Die September-Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa, 2024 als das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn, letztens die folgenschweren Stürme in den USA und aktuell das verheerende Hochwasser in Spanien- wenn man auch nur einen Blick auf die Nachrichten wirft merkt man, dass sich Extremwetterereignisse in letzter Zeit häufen. Ist das noch normal, wie viele behaupten oder ist ein Zusammenhang mit dem Klimawandel unbestreitbar?
Ein Wetterextrem ist zunächst, wie man es sich am Namen erschließen könnte, ein über die normalen Werte hinausgehendes, sprich ungewöhnlich heftiges und zerstörerisches Wetterphänomen. Bis hier hin ist noch alles normal, zumal extreme Wetter in unserer Atmosphäre immer wieder natürlich auftreten können. Die Ausmaße unserer jetzigen Situation werden erst bei der Betrachtung von mehreren Jahrzehnten von Klimaveränderungen ersichtlich. Und in diesem größeren Bild präsentiert sich das Wirken des Menschen leider sehr deutlich.
Um die Frage direkt am Anfang zu klären: die Erderhitzung ist tatsächlich der wesentliche Grund dafür, dass die Intensität und die Häufigkeit von Extremwetterereignissen zunehmen. Bei Hitzeextremen leuchtet das ein. Wenn die Erde immer wärmer wird fallen auch Hitzewellen extremer aus, da der Wert des Temperaturdurchschnitts steigt. Genau das führt auch dazu, dass das Risiko für Waldbrände in Gebieten wie Australien um fast ein Drittel steigt.
Doch laut Forschungen ist ebenso ein Zusammenhang zwischen extremem Regen und dem Klimawandel unbezweifelbar. Eine durch Emissionen wärmere Luft nimmt mehr Feuchte auf, die folglich in mehr Regen wieder auf die Oberfläche zurückkommt. Darüber hinaus ist man sich in der Forschung noch nicht ganz einig, wie sich der Klimawandel auf die generellen Zirkulationsmuster unserer Erde auswirkt. Gängigen Annahmen nach könnte es durchaus sein, dass sich der Jetstream (der Windstrom der normalerweise die Nordhalbkugel umrundet und Hoch- und Tiefdruckgebiete verschiebt) wegen der globalen Erwärmung verlangsamt. Das Wetter wird infolgedessen weniger verteilt und Wetterereignisse werden an bestimmen Stellen extremer und wahrscheinlicher.
Doch woher weiß man bei welchen Wetterereignissen genau der Klimawandel seine Finger im Spiel hat und bei welchen nicht? Tatsächlich häufen sich Innovationen und Methoden wie man das herausfinden kann in den letzten Jahren stark, aber leider noch nicht stärker als Extremwetter. Wenn sich ungewöhnliche Wetterereignisse so oft anhäufen wie in den letzten Jahren sind die Signale und Zusammenhänge mit dem Klimawandel nur allzu offensichtlich.
Das klingt alles andere als beruhigend, genauso wie die Folgen der häufigen Extremwetter, um deren Erwähnung ich hier nicht herumkommen kann. Am dramatischsten sind die unmittelbaren Katastrophen, die in unseren Nachrichten um die Welt gehen, wie aktuell die Schlagzeilen zur „Jahrhundertflut“ aus Spanien von gestapelten Autowracks, komplett vom Schlamm bedeckten und verwüsteten Orten und am tragischsten, der erschreckend hohen Anzahl der Todesopfer. Erst nach einer Weile wird bei solchen Katastrophen noch mehr deutlich: Tausende verlieren bei einem Hochwasser ihr Zuhause, ihre komplette Existenzgrundlage und dem noch nicht genug: von den ökonomischen Folgen des Extremwetters ist mittlerweile so gut wie jeder betroffen. Ernterückgänge und Ausfälle von Transportschiffen wegen der niedrigen Wasserpegel lassen die Lebensmittelpreise in die Decke schießen, Steuern müssen erhöht und vielleicht sogar Schäden am eigenen Haus behoben werden. Der Klimawandel wird sich uns allen irgendwann am Geldbeutel bemerkbar machen. So sollen laut Bundeswirtschaftsministerium bis 2050 Folgekosten in Höhe von 900 Milliarden Euro entstehen!
Immerhin gibt es eine gute Nachricht: es ist noch nicht zu spät um aufzugeben! Vielleicht hoffen sogar manche auf diese Bestätigung, von wegen: „Ja es ist jetzt alles vorbei, der Klimawandel zerstört unsere Erde und man kann nur noch hoffen den Rest seines Lebens zu genießen.“ Das Gegenteil ist der Fall. Für jedes Zehntel Grad, um dass sich die Erde nicht erwärmt lohnt es sich zu kämpfen, denn noch sind wir in der Lage das Schlimmste abzuwenden!
Natürlich lässt sich das alles sehr einfach sagen und vor allem liegt es doch an den führenden Positionen unserer Welt wie gut sie dem Klima -und Umweltschutz nachgehen bzw. ihre Politik danach richten. Obwohl ich diesen Artikel eigentlich mit ein paar motivierenden Worten abschließen wollte, musste ich erkennen, dass das mit den aktuell ernüchternden Wahrheiten unserer Welt nicht immer ganz so einfach ist. Neben der Klimakrise wird in zahlreichen Kriegen gekämpft, die Gesellschaft scheint vielerorts so gespalten wie noch nie, es häufen sich Anschläge und auch die oft vergessene Hungerkrise ist präsenter denn je.
Trotzdem liegt es an uns allen zu überlegen, wo wir selber aufstehen können und uns für unser Klima und schließlich auch unser zukünftiges Leben einsetzen.
Nina Jones