"Veränderung findet dort statt, wo eine Akzeptanz für Fehlerkultur geschaffen wird" (S.Splind, 2026)
+++ Offenes Anschreiben an die Bürger*Innen +++
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
lassen Sie uns mit einer ehrlichen Frage beginnen: Was ist eigentlich ein Fehler? Ein Fehler ist keine Charakterschwäche und kein Beweis von Unfähigkeit. Ein Fehler ist eine Entscheidung oder ein Handeln, dessen Ergebnis sich im Nachhinein als nicht optimal herausstellt. Entscheidend ist nicht, ob Fehler passieren – denn das tun sie überall, wo Verantwortung getragen wird. Entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht.
Führung bedeutet nicht Unfehlbarkeit. Führung bedeutet Verantwortungsbewusstsein, Transparenz und die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen. Ich habe in meiner Zeit als Vizegouverneur Entscheidungen getroffen, die nicht jede und jeder unterstützt hat. Einige davon würde ich heute anders treffen. Nicht, weil ich damals leichtfertig gehandelt habe, sondern weil Erfahrung Perspektiven verändert. Wer bereit ist, eigene Entscheidungen zu reflektieren, entwickelt sich weiter. Wer hingegen behauptet, niemals Fehler zu machen, verwechselt Stillstand mit Stärke.
Eine Regierung, die sich nicht hinterfragt, verliert den Kontakt zu den Menschen. Eine Regierung, die aus Entscheidungen lernt und Verantwortung übernimmt, gewinnt Vertrauen. Genau dafür stehe ich.
Dabei ist mir wichtig klarzustellen: Fehlerkultur bedeutet nicht Beliebigkeit, nicht Willkür und keinesfalls das Außerkraftsetzen von Recht. Fehlerkultur heißt, Sachverhalte differenziert zu betrachten, Verhältnismäßigkeit zu prüfen und Entscheidungen transparent zu erklären. Sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem ist.
Stellen Sie sich eine alltägliche Situation vor: Sie fahren zum Strandmarkt und werden innerorts mit 5 km/h zu viel gemessen. Rein rechtlich liegt ein Verstoß vor. Ein Beamter prüft den Sachverhalt, erläutert Ihnen die Gefahrenlage und entscheidet im Rahmen seines gesetzlichen Ermessensspielraums. Entscheidend ist hier nicht das Wegsehen und nicht die Bevorzugung, sondern die rechtlich zulässige Abwägung. Rechtsstaatlichkeit bedeutet, dass Gesetze gelten. Gute Verwaltung bedeutet, dass Gesetze mit Augenmaß angewendet werden. Das ist keine Korruption, sondern verantwortungsvolle Amtsausübung innerhalb klar definierter Kompetenzen. Korruption wäre eine Bevorzugung ohne Rechtsgrundlage – davon distanziere ich mich ausdrücklich.
Warum also jemanden wählen, der offen über Fehler spricht? Weil Ehrlichkeit Vertrauen schafft. Weil Reflexion Kompetenz beweist. Weil Weiterentwicklung Fortschritt ermöglicht. Ich stehe nicht für den Anspruch, perfekt zu sein. Ich stehe für den Anspruch, verantwortungsvoll zu handeln, Entscheidungen zu erklären, Kritik ernst zu nehmen und mich überprüfbar zu machen.
Veränderung entsteht dort, wo man bereit ist, Bestehendes zu hinterfragen – auch sich selbst. Ich trete nicht an, um unfehlbar zu wirken. Ich trete an, um verlässlich zu handeln. Ich stehe für den Dienst am Bürger.