Das Eidgenössische Zeughaus, umringt mit einem hohen Eisenzaun, war der grösste Arbeitsgeber im Quartier. Die Mitarbeiter waren aus den verschiedensten Berufen: Schneider, Sattler, Schuhmacher, Hufschmied, Waffenschmied, Schlosser, Automechaniker, Elektriker u.a.m. Gleich wie für die Angestellten bei Post und Bahn galt damals für die Zeughaus-Mitarbeiter der Status eines Staatsbeamten. Das hiess: Garantierte Lebensstelle mit gesichertem Lohn und einer Pension im Alter. Viele von ihnen nahmen später Wohnsitz im neuen Quartier Kehrhof.
Baubeginn der ersten Gebäude war 1874, seitdem stetig erweitert, heute Armee Ausbildungszentrum Luzern, AAL.
Im ca. 1835 erbauten Haus an der Zeughausstrasse 1, dem Wydenhof, (heute Alpenstr. 3) hat Familie Holzer von 1950 bis 1970 in ihrer Papeterie alles für die Schule und das Büro angeboten. Danach wurden hier diverse Geschenkartikel wie Stickereien, Trockenblumen-Gestecke u.a.m. im sogenannten "Paradiesli" verkauft. Vor dem Eingang stand ein Brunnen, der heute noch vor dem modernen Wohnhaus mit der Kleintierpraxis im Erdgeschoss dahinplätschert.
Am Ende der Alpenstrasse, an der unteren Ecke zur Horwerstrasse stand bis Anfang 2020 's Frankehüsli. Davor wurde es das Haus Rosengärtli genannt. Es wurde 1865 erstellt und diente bis nach dem 2. Weltkrieg dem letzten Kehrhofpächter Johann Huwyler als Wohnhaus. Nach 1947 wurde es von der Familie Frank bewohnt, daher auch der Name 's Frankehüsli.
Über viele Jahre war die Blumenpracht am und um das Haus ein Bijou – fast wie das Tor zum Kehrhofquartier.
Die Aushubarbeiten für die Gebäude der Lustenberger Transport AG begannen im Herbst und wurden über die Wintermonate eingestellt. Die Baugrube füllte sich teils mit Wasser, das dann auch gefror. Natürlich, wir mutigen Buben konnten es nicht lassen, auf das Eis zu treten! Bis – oooh Schreck! – das Eis einbrach. Nass und halb erfroren zu Hause angekommen haben mich meine Eltern nicht grade gerühmt.
Im Haus an der Arsenalstrasse 3 war der Knöpfeversand Furrer. Die Furrers führten Knöpfe verschiedenster Arten, wie: Hemd-, Hosen-, Mantelknöpfe u.a.m. Im Quartier war das einfach "de Chnopf Furrer". Auf diese Art vermied man Verwechslungen mit der Familie Jost Furrer vom gegenüber liegenden Bauernhof Wyssmatt.
Im ehemaligen herrschaftlichen Bauernhaus an der Ecke Arsenalstrasse/Horwerstrasse mit den zwei Mammutbäumen (Wellingtonia) wohnte Herr Huber, ein Mann mit hohem militärischem Grad. Später betrieb Herr Rieselmann hier sein Fotoatelier. Nachfolgend bewohnte Lehrer Müller mit seiner Familie das alte Holzgebäude. Ab 1975 betrieb Erika Schmidt-Gallusser für drei Jahre ihr Studio "S", Gymnastik und Gesundheitsturnen für Klein und Gross.
Eine der Riesentannen wurde bei einem Umbau gefällt. Die andere fiel in einem Sturm auf das Haus und forderte drei Verletzte und verursachte einen Schaden von einer halben Million Franken – am gleichen Tag, an welchem die Brandversicherung eine 33'000 Franken teure Blitzschutzanlage montieren liess!
Siehe mehr: Krienser Kulturzeugen von Jürg Studer ↗
An der Ecke Arsenalstrasse/Rigistrasse, anschliessend an das Zeughaus, betrieb Herr Mozatti sein Platten- und Baugeschäft KERAMOZ. Angegliedert war eine Bocciabahn, die wohl als Freizeitbeschäftigung für ihn und seine Italienischen Mitarbeiter diente.
Mitte der 50er Jahre kaufte Hans Grüter dieses Gelände und richtete eine Landmaschinen Werkstatt ein. Diese wurde von 1970 bis 2005 von Sohn Niklaus Grüter weiter betrieben.
Auf der Nachbarliegenschaft Rigistrasse 9 befand sich das Wohnhaus der Gärtnersfamilie Sieber. Entlang des Zeughauses erstreckten sich die Blumen- und Gemüsebeete bis zum Haus der Familie Wolf an der Alpenstrasse.
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Im Garten der Familie Wolf stand ein Bienenhaus. Hobby-Imker Wolf hat jeweils die Honigernte den Nachbarn zum Kauf angeboten.
Auf der anderen Strassenseite standen bereits in den 1930er Jahren vier Einfamilienhäuser und zwei Doppelhäuser. In einem davon befand sich die Wäscherei von Frau Dahinden.
In welchem wohl !Waschmaschinen gab es zu dieser Zeit noch nicht!
Im Eckhaus Alpenstrasse/Mythenstrasse befand sich im linken Ladenteil die Bäckerei und Konditorei der Familie Gander.
Tochter Isabel war als Konditorin zuständig für die Süssgebäcke. Angetan von den feinen Düften, die aus der Backstube im Kellergeschoss nach draussen drangen, haben wir Kinder der Versuchung nicht wiederstehen können und ans Backstubenfenster geklopft. Isabel hat uns freundlicherweise immer wieder „Probiererlis“ gereicht.
Familie Spiekermann hat die Liegenschaft 1971 von den Ganders gemietet und später gekauft. Von 2000 bis 2005 wurde die Bäckerei an Familie Maggi vermietet. Sohn David hat in dieser Zeit die Bäckermeisterprüfung abgeschlossen und übernahm das Geschäft 2005 bis Ende Januar 2016. Danach wurde das Verkaufsgeschäft von der Firma Koch übernommen. Seit cirka 2021 verkauft hier die Bäckerei Moos ihre Backwaren.
Die Ladentür nebenan führte zur Metzgerei und Wursterei der Familie Oertle.
Für die eigene Räucherei brauchte Metzger Oertle immer wieder Sägemehl, das in einem Schacht gelagert wurde. Wenn er jeweils neues Sägemehl geholt hatte, war Herr Oertle froh, dass wir Buben in den Schacht stiegen um das Sägemehl mit den Füssen zu stampfen. Das tolle daran war natürlich, dass wir zum Schluss als Belohnung einen ganzen Servelat bekamen.
Im Kuonimattquartier gab es ein Schlachthaus, wo viele Metzger aus der Umgebung ihr Vieh geschlachtet haben. Vor Ort zuzuschauen wie das von statten ging war für uns Knaben schon sehr interessant.
Metzger Albrecht und später die Familie Imfeld haben die Metzgerei weitergeführt.
In den 50er Jahren sind an der Alpen-, Pilatus- und Brunnmattstrasse einige Wohnblocks und weitere Dreifamilienhäuser entstanden. Viele junge Familien haben hier ihren Wohnsitz genommen und der Kindersegen veranlasste die Gemeinde, im Kehrhof ein neues Schulhaus zu bauen.
1952 wurde das Brunnmattschulhaus mit Kindergarten eingeweiht.
Als stolzer Erstklässler bei Lehrer Arnet (GABAlätschi↗) gehörte ich zu den ersten Benutzern des Schulhauses.
Zuvor besuchte ich den Kindergarten im Kupferhammer, der von Ordensschwestern betreut wurde. Im Bild Schwerster Paulina mit Kindergärtlern aus den Quartieren Dattenberg, Kupferhammer, Grosshof, Hochrain und Kehrhof.
1952 wurde auch mit dem Bau der Kirche Bruder Klaus mit kleiner Kapelle begonnen. Wir Buben waren sehr stolz, 1953 die Glocke zum kleinen Kapellentürmchen hochziehen zu dürfen.
Der äusserst beliebte Vikar Werner Stäger von der Pfarrei St.Gallus in Kriens wurde als erster Pfarrer 1953 in der neuen Pfarrei Bruder Klaus eingesetzt. Pfarrer Stäger ↗
Erst 1965 wurde der Glockenturm in Elementbauweise innerhalb von nur einer Woche hochgezogen.
1963 wurde das Pfarreiheim gebaut, der Ort vieler geselliger Veranstaltungen, Pfarrei- und Quartierfasnacht, Konzerte und Theateraufführungen etc.
Um den Feierabenddurst zu löschen, den Hunger zu stillen, einen Jass zu klopfen und während der Fasnacht, an der Chibli oder an Silvester zu Live Musik zu tanzen, gab es seit den frühen 1960er Jahren auch das Quartier-Restaurant Güenebode.
Hausarzt Dr. med. Rütimann hatte bei uns im neuen Haus Alpenstrasse 28, im ersten Obergeschoss seine Praxis. Eine Etage höher hat er mit seiner Familie gewohnt. Bereits nach zwei Jahren ist er mit seiner Praxis und seiner Familie ins eigene, neue Haus an die Alpenstrasse 11 umgezogen.
Im Erdgeschoss des Konsumgebäudes wohnte die Familie Corsi. Vater Antonio hatte in der Wohnung eine kleine Schuhmacher-Werkstatt für die Quartierbewohner eingerichtet. Er führte in der Stadt Luzern sein eigenes Schuhmachergeschäft.
Die Fassade war mit Bildern zum Thema Einkaufen bemalt.
Auf dem Vorplatz des Konsumladens stand eine Telefonkabine, die hin und wieder durch allerlei Lausbubenstreiche nicht immer funktionstüchtig war.
Man hatte in den Privathaushalten noch selten ein Telefon. Die Leute fragten oftmals im Laden, ob sie telefonieren dürfen, weil sie kein Kleingeld hätten, oder weil das öffentliche Telefon wieder mal defekt war. Ein Gespräch kostete bei uns 10 Rappen, in der Telefonkabine war die Mindesttaxe aber 30 Rappen.
Aus der meist offenen Haustür an der Alpenstrasse 29 drang abwechselnd der Duft von Leder, Leim oder geschliffenen Gummisolen nach draussen. Dieser Geruch und der Klang vom Lederklopfen und Nageln verriet gleich, dass hier ein Schuhmacher hauste. Man konnte Emil Smania durchs freie Schaufenster beim Arbeiten zusehen. Seine Frau hat im Nebenraum auch neue modische Schuhe für Klein und Gross angepriesen.
Nachdem Smanias ihre Geschäftstätigkeit eingestellt haben sind die Lokalitäten von „Benis Wollelädeli“ beleglegt worden. Heute werden die Räumlichkeiten als Büro für Gartengestaltung genutzt.
An der Brisenstrasse 4 handelte Alois Burkart seit 1944 mit Konditorei-Hilfsstoffen für die Bäcker der Deutschschweiz und dem Tessin.
In zweiter Generation hat Sohn Kurt den Betrieb bis 2016 weitergeführt.
Seit November 2016 ist die dritte Generation mit Michael und Brigitte Burkart in diesen Räumen mit ihrer "Enzli-Bäckerei" tätig.
Im Eckhaus Alpenstrasse/Brünigstrassse gab es von der Hutmacherin Frau Fischer stets modische Kopfbedeckungen angeboten. Sie hatte ihre Hüte jeweils im Fenster zur Alpenstrasse ausgestellt.
Das Geschäft in der Privatwohnung an der Alpenstrasse 36: Radio Reinhard hat für guten Empfang der neusten Nachrichten und für Musik in den Kehrhofwohnstuben gesorgt und defekte Radios wieder zum Klingen gebracht. Später kamen die Fernseher dazu.
Entlang der Brünigstrasse, zwischen Alpenstrasse und dem Haus an der Pilatusstrasse 15, bekamen die Leute von Gärtnersfrau Smania die schönsten Blumensträusse. Sie war sehr kinderliebend und hat zur Freude der Buben und Mädchen für wenig Geld immer die buntesten und grössten Sträusse gebunden. Frau Smania sah man meist mit einem aus Zeitungspapier gefaltet Hut. Jeweils am Samstag ist sie mit einem "Leiterwägeli", beladen mit den Produkten aus ihrer Gärtnerei, zu Fuss an den Luzerner Markt gegangen.
Löcher in den Zähnen zu stopfen, böse Zähne zu ziehen, Gebisse zu erneuern war das Metier von Zahnarzt Dr. Oswald Huser. Sein Wirken von 1958 bis 1997 an der Alpenstrasse im Haus Nummer 13 (für manch Einer war es die Glückzahl oder auch nicht?) sorgte für ein gutes Mundgefühl vieler Kehrhöfler.
1930 eröffnete Anton Furrer in seinem neu erstellten Dreifamilienhaus an der Pilatusstrasse 15 ein Lebensmittelgeschäft und bewohnte mit seiner Familie den ersten Stock. Ca. 1950 wurde dieses von Familie Bossert-Amrein übernommen und bis 1980 weitergeführt. Danach hat Herr Walter Burkard die Liegenschaft gekauft und hier sein Elektrikergeschäft eingerichtet. Im Laden gab es Lampen, Sicherungen u.a. Zubehöre zu kaufen. Seit 2005 hat Familie Burkard hier noch ihr Büro für die Liegenschaftsverwaltung. Im Haus befindet sich auch eine Arztpraxis, die ihre Tochter Frau Dr. med. Astrid von Felten–Burkard 2013 an die Nachfolgerin Frau Dr. med. Dal Pian Désirée übergeben hat.
Und zwischendurch einfach ein paar Bildli zum Staunen und Geniessen !
Zu dieser Zeit waren noch längst nicht alle Trottoirs und Quartierstrassen asphaltiert. Mit dem Schuhabsatz haben wir ein Loch in den Naturboden gedreht, um mit den "Chügelis" zu spielen – zum Löchle, zum Rändle, zum Chögele (Siehe Symbolbilder). Drei, vier dieser Glaskugeln sind als Werbegeschenk den Knorritsch- und Kentaur-Haferflocken beigepackt worden. Verlockend, viele Flocken zu essen um gross und stark zu werden!
Symbolbilder)
Die Kehrhofscheune am Ende der Alpenstrasse wurde nicht mehr als Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Senior Ercolani hatte damals sein Gipsergeschäft in der Scheune.
Die Tenneinfahrt diente uns Kindern dem Schlitteln und „Fassgugelen“ *!
Die freien Matten zwischen Mythenstrasse und der Kehrhofscheune waren geeignete Spielwiesen für die Kehrhöfler Buben und Mädchen. Der schief gewachsene Baum darauf war toll geeignet zum Klettern.
Die Väter bauten mit ihren Kindern aus Fahrgestellen ausrangierter Kinderwagen und leeren Holzkisten die sogenannten Seifenkisten-Autos. In diesen Holzkisten sind Hand- und Waschseifen (es war noch die Zeit ohne Waschmaschinen) sowie Rössli-Stumpen (Raucherwaren) angeliefert worden. Die Quartiergeschäfte haben die Kisten gerne abgegeben. Das Seifenkistenrennen – die Fahrzeuge wurden von den grösseren Buben angeschoben – jeweils ein Gaudi für uns Kinder !
Am 1. August wurde immer ein grosses „Augschtefüür“ gezündet. Der Scheiterhaufen, bestand aus leeren Gemüse-Holzkisten, erhalten vom Konsumladen und von Leus Laden.
Im Winter wurden die Strassen mit einem, von Hegglis Pferden gezogenem, Holzpflug vom Schnee befreit. Es blieb stets glatt gewalzter Schnee liegen, so dass man sich mit Schlittschuhlaufen ruhig auf der Strasse vergnügen konnte. Damals sah man Autos noch selten, die Leute waren noch zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs.
Das Kranenmeer um den Kehrhof zeigt die grosse Bautätigkeit – die grossen Veränderungen der Zukunft!