Was haben der Roman Air (2025) von Christian Kracht, der Synthesizer EP-1320 (2024) von Teenage Engineering und die Modekollektion Afterworld (2021) von Balenciaga gemeinsam? Sie alle nutzen Elemente aus einer Zeit, die wir landläufig als Mittelalter bezeichnen. Man könnte also auch fragen, wie gegenwärtig das Mittelalter ist, und warum ist es so gegenwärtig? Ein kurzer Impulsvortrag wird die Optionen einer möglichen experimentellen Philologie in diesem Feld aufzeigen. Eine kleine interaktive Ausstellung überführt die zuvor entwickelten Perspektiven unter anderem in autofiktionale Schreibanlässe, die sodann in einer vertiefende Forschungsfrage münden könnten.
Die Veranstaltung „Pop & Mittelalter – Experimente und textliche Miniaturen zur Gegenwärtigkeit einer Epochenfiktion“ ist einführender Teil des Experimentallabors Pop & Mittelalter. Teilnehmer*innen der Studienwoche steht die interaktive Ausstellung im ICH die Woche über offen.
Die Literaturwissenschaft liefert den Goldstandard, Texte auszulegen, zu entschlüsseln und in einen Kontext zu stellen. Mannigfaltige Theorien, Modelle und Methoden, allen voran die Hermeneutik, sind die Werkzeuge dieser Praxis. Doch wie sieht es mit den eigenen Texten und Praxen dieser Expert*innen aus? Wie mit dem Kontext, aus dem heraus studiert wird? Jene Expert*innen können zwar einen Bildungsroman in aller Breite und Tiefe auslegen, für die eigene Bildungsbiographie, das eigene Narrativ gelingt dies selten. Wie also sieht es mit der eigenen Gegenwart und Realität aus? Mit dem eigenen Text?
Fragen stellen sich und sind so Teil des Seminars: Warum schreiben wir? Wie und womit, wann und wo schreiben wir (digital/analog, …) und wie sieht unsere damit verbundene Schreibpraxis aus? Wie kommen wir zu eigenen Schreibanlässen und Themen? Wie und wann entstehen Texte (in Zeiten von generativer KI)? Wie wächst ein Text? Welche Stilmittel können verwendet werden? Wie experimentell darf/kann der Text sein? Wie lesen wir unseren eigenen Text? Wie deuten und/oder nutzen wir den eigenen Text? Wie sprechen wir über den eigenen Text und Texte der anderen? Wie macht sich das Forschende im eigenen Text bemerkbar? Welche strategische Wirksamkeit kann sich entfalten? Was meint Autofiktion im bildungsbiographischen Kontext?
Im Seminar werden Sie Schritt für Schritt eigene Texte schreiben, lesen und darüber diskutieren. Am Ende unserer Veranstaltung stehen Texte, die Sie sich gegenseitig als ZINE (kleines Heft/Magazin) im Rahmen einer Lesung vorstellen. Danach überführen wir die Texte (optional) in eine gemeinsame Publikation.
Teilnehmer*innenanzahl max. 12