Die Vermüllung der Klosterlandschaft Maulbronn
Die Vermüllung der Klosterlandschaft Maulbronn
Mülldeponie Hamberg
Ein weiteres Stück Wald in der Klosterlandschaft Maulbronn, am Nordhang des Hamberg-Eichelberg, im Kreuzungspunkt einer Geländeklinge mit einem einzigartigen historischen Wassergraben der Zisterzienser Mönche soll der nächsten Erweiterung der Enzkreis Deponie Hamberg zum Opfer fallen.
Rund 730 000 Tonnen (450000 m³) schadstoffhaltige, überwiegend aus den Regionen Nord-Baden und Nord-Württemberg stammende Abfälle (DK1+DK2) sollen hier abgekippt werden. Die Deponiefläche soll von ca. 15 ha auf 18 ha vergrößert werden. In den 1990er Jahren wurde die hier schon seit 1973 bestehende Hausmülldeponie mit dem Argument, "diese Ecke ist schon versaut und wir brauchen dringend eine größere Erweiterung der Deponie, um die im Enzkreis anfallenden Müllmengen ohne Mülltourismus in andere Landkreise zu bewältigen", durchgesetzt. Widerspenstige Regungen in der Bevölkerung und im Gemeinderat wurden eingedämmt, indem man für den Fall einer Weigerung, die Deponie Hamberg zu erweitern, androhte, den Sulzwald, einen wunderschönen, großen, zusammenhängenden, von Bachläufen durchzogenen Buchen- und Eichenwald abzuholzen.
So wurde die Deponie am Hamberg erweitert (Abschnitte 1-5). Im Jahr 2010 verfügte die Deponie mit dem seit 15 Jahren ungenutzten Abschnitt V über eine beachtliche Kapazität. Fast 100 Jahre hätte der Enzkreis gebraucht, um die Deponie mit seinem vergleichsweise geringen Aufkommen an Abfällen zu füllen. Angeblich über Nacht war der Abschnitt V obsolet geworden, weil die Müllmengen durch zunehmendes Recycling massiv schrumpften. Genau das aber hätte man nicht nur wissen können, sondern wissen müssen. Aber alle Proteste und Hinweise auf die fehlenden Müllmengen wurden von den Betreibern der Deponieerweiterung ignoriert.
Anstatt die Überkapazität für eine lange Entsorgungssicherheit im Enzkreis zu nutzen, entschied man sich aus Kostengründen, den "fehlenden" Müll aus dem Umland zu beschaffen und ging dazu ein Joint-Venture mit dem Landkreis Ludwigsburg ein, um das dort vorhandene Know-How in der Vermarktung von Deponiekapazitäten zu nutzen. Die Abfallverwertungsgesellschaft der Landkreises Ludwigsburg (AVL) hatte zuvor über Jahre für Negativschlagzeilen (teilweise bundesweit) gesorgt und zudem ein Millionen-Defizit angehäuft.
Mithilfe der AVL Ludwigsburg und der Land- und Stadtkreise Pforzheim, Rastatt und Karlsruhe wurde die Überkapazität auf der Deponie Hamberg innerhalb von rund 13 Jahren fast komplett verfüllt. Der Enzkreis nutzte die teure Deponieerweiterung nur zu ca. 20 % für den eigenen Bedarf, alles andere wurde aus dem weiteren Umland herangeschafft. Nüchtern betrachtet ist Die Deponie Hamberg eine Deponie des Landkreises Ludwigsburg, der diese bewirtschaftet und 50% der Kapazität nutzt. Der Enzkreis mit nur 20% Nutzungsanteil stellt durch Vertrag mit der Stadt Maulbronn als Grundeigentümer die Fläche zur Verfügung. Die Stadt und Enzkreis lassen sich dies über Pachten üppig bezahlen.
Noch im Jahr 2018 als das Ende der Kapazität absehbar war, entschied sich der Kreistag dagegen, die damals noch verfügbare Restkapazität von 25% nur für den Eigenbedarf zu sichern. Eine Trennung von der AVL wurde mit Hinweis auf mögliche, wirtschaftlichen Auswirkungen schlecht gerechnet. Eine Verlängerung der Deponielaufzeit wurde so zugunsten höherer Einnahmen in kurzer Zeit verworfen.
Der verschwenderische Umgang mit Deponiegelände soll auch für die neu geplante, nächste Erweiterung gelten, der Abschnitt VI am Hamberg im Maulbronner Stadtwald soll ebenfalls innerhalb von 10 Jahren verfüllt sein.
Für das Geschäftsmodell, Geld gegen Landschaft, soll weiterhin die einzigartige, Jahrhunderte alte, historische Kulturlandschaft mit dem Prädikat UNESCO-Welterbe für die Ablagerung von riesigen Abfallmengen verbraucht werden. Je mehr Fläche degradiert ist, desto leichter scheint es angesichts massiver Vorschädigungen, mehr und mehr Gelände am Hamberg mit Abfällen zu verfüllen.
Immer wieder als "Gewerbegebiet auf Zeit" gepriesen, erweist sich die schon bestehende Deponie am Hamberg seit vielen Jahren als dauerhafter Schandfleck in der Landschaft. Kein einziger der bereits verfüllten Deponieabschnitte ist bisher ordnungsgemäß rekultiviert worden, ganz zu schweigen von Wiederaufforstung oder den alternativ längst fälligen Ersatzaufforstungen. Die versprochene Wiederaufforstung mit Wald ist schlicht nicht möglich, weil tief wurzelnde Pflanzen die Deponieabdichtung beschädigen. Nach amtlicher Auskunft ist eine Bepflanzung mit Baumarten 2. Ordnung (die nicht so hoch werden wie "normale" Waldbäume) und ohne besonders tiefes Wurzelwerk geplant. Durch eine entsprechende Bewirtschaftung als Niederwald soll die Durchwurzelung zudem gebremst werden.
Die "Bepflanzung" mit einer Fotovoltaikanlage ist inzwischen erneut in der Diskussion. Dazu müssten hohe Ständer in den Deponiekörper gerammt werden. Nur so wäre es möglich, die Solar-Module an dem steilen Nordhang der Sonne entgegen nach Süden auszurichten. Bisher scheint nur eines klar, die versprochene Wiederaufforstung wird es oder kann es nicht geben. Die Deponie hat die Kulturlandschaft bereits irreversibel beschädigt.
Derweil stirbt der Wald rings um die Deponie mehr und mehr ab. Zuerst schädigte das austretende Deponiegas aus den alten Hausmüllablagerungen die Spaltöffnungen in den Blättern, sodass die Bäume bei Hitze ihren Wasserhaushalt durch Herabsetzung der Verdunstung nicht mehr kontrollieren konnten und vertrockneten. Später vergifteten die unterirdischen Gasströme das Wurzelwerk der Bäume rings um die Deponie.
Die Sickerwässer der Deponie sind für die Stadt bares Geld. Daher freut man sich über stabile Abwassermengen und noch mehr über hohe Abwassermengen aus dem Deponiebetrieb. Nur so können die Abwassergebühren auf gewohnten Niveau gehalten werden. Auch das sind Interessenslagen, die in Maulbronn blind machen für die desaströsen Auswirkungen von Deponien auf die Klosterlandschaft.
Das alles scheint aber nicht auszureichen.
Der Enzkreis hatte die nächste Deponiefläche in Maulbronn schon lange im Visier, als diese im Dezember 2019 öffentlich gemacht wurde. Eine vor der Öffentlichkeit sorgsam verborgene Allianz aus öffentlichen Verwaltungen und privatwirtschaftlichen Firmen hatte die Pläne für eine DK1 Deponie im Steinbruch Lauster zu dem Zeitpunkt vermutlich schon seit Jahren in Arbeit. Eine Erddeponie wurde 2016 angekündigt und die Sorgen der Bevölkerung mit Hinweis auf die Harmlosigkeit des Erdaushubs zerstreut. Die Ablagerung von Erde wurde aber nie in Angriff genommen, sondern 2018 wurde dem Enzkreis der Betrieb einer Abfalldeponie im Steinbruch Lauster auf dem Silbertablett angeboten. Der Landkreis lehnte ab, einigte sich aber mit den Projektbetreibern auf eine andere Lösung. Der Enzkreis diente sich als zuständiger, öffentlich-rechtlicher Abfallentsorger für eine von privaten Dritten betriebene Deponie als gesetzlich vorgeschriebener Auftraggeber an. Die privaten Geschäftsinteressen wurden so zur öffentlichen Gemeinschaftsaufgabe geadelt. Auf diese Weise konnte eine lästige Vorschrift, die für öffentlich-rechtliche Abfallentsorger als Deponiebetreiber gilt, umgangen werden. Private Besitzer eines zu verfüllenden Tagebaues müssen den Standort ihrer Deponie nicht fachlich begründen oder gar Alternativen zur Minimierung von Umweltbelastungen untersuchen. Man kann ja nur dort ein Loch graben, wo es Rohstoffe gibt oder gab. Die Lage des Tagebaues ist somit als Deponiestandort vorgegeben und wird nicht hinterfragt. Die notwendigen Verfahrensschritte, inklusive einer EU-weiten Ausschreibung mit vorher schon bestimmten, favorisierten Gewinner, wurden mit vereinten Kräften in Rekordzeit hinter den Kulissen durchgezogen.
So kam es, dass in lediglich 25 Metern Entfernung zu Wohnbebauung und in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Roßweiher See – einem historischen Klosterteich und Bestandteil der UNESCO-Welterbestätte Maulbronn – im Steinbruch Lauster bei Maulbronn eine Abfalldeponie der Klasse DK1 entstehen soll. Mit Begriffen wie »industriell vorgeschädigte Landschaft« und »unzugängliche Steinwüste« wird versucht, die Landschaft am Roßweiher See abzuwerten. So wollen die Betreiber und die Verwaltungen von Enzkreis und Stadt Maulbronn die angeblich notwendige "Rekultivierung" des Steinbruchs durch Auffüllen mit Müll der Klasse DK1 durchsetzen. Inzwischen hat die Bevölkerung der Stadt Maulbronn genug von den ausufernden Abfallhalden. Am 9.10.2022 wurde diesen Plänen in einem Bürgerentscheid eine klare Absage erteilt. Aber die Betreiber wollen davon unbeirrt ihre Planung weiter verfolgen. Der Antrag auf Planfeststellung sollte Ende 2025 eingereicht werden.
Das Mühlacker Tagblatt berichtete am 14.02.2026 über ein mögliches Aus für die geplante DK1 Deponie im Steinbruch Lauster. Die vom Enzkreis beauftragte Betreiberfirma will über alternative Nutzungen des Geländes z.B. als Erddeponie/DK 0 -0,5 Deponie nachdenken. Die Bürgerinitiative "Folgenutzung Steinbruch Lauster hat mit einer Pressemitteilung reagiert: Bürgerinitiative Maulbronn - Was bisher geschah