Erläuterung:
Den Ochsen zu fangen, bedeutet eine Leerheitserfahrung gehabt zu haben und sicher zu sein, dass unser inneres Selbst vollständig leer ist und sämtliche Dinge im Universum ebenfalls völlig leer und ohne fortdauernde Substanz sind. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig das automatische Verschwinden aller unserer Gedanken, Konzepte und Illusionen. Wenn ein Konzept wieder auftaucht, sind auch andere illusorische Gedanken und Vorstellungen bald wieder zur Stelle. Es gilt jedoch die Illusion zu vermeiden, man habe man mit diesem flüchtigen Blick auf die Wahrheit, bereits alles verstanden. Dies ist gefährlich! Das gilt besonders für die Phase des Ochsenfangens. Dieses Erlebnis, das den meisten gewöhnlichen Menschen kaum zugänglich ist, kann zu Hochmut, Stolz und Arroganz führen. Diese negativen Begleiterscheinungen, welche auf ein „Aufbäumen“ bzw. den Widerstand des noch imaginär vorhandenen „Ego“ in der Angst, um den Verlust einer Identität zurückzuführen sind, sind Fallen, in die man nicht treten sollte. Beachtet man diese Vorkehrungen nicht und tritt in solche Fallen, dann geht der Ochse seine eigenen Wege und verliert sich im Schmutz und Staub der Welt der Unterscheidungen. Es besteht jedoch nicht nur die Gefahr sich wieder in der profanen Welt zu verlieren, nun besteht auch die Gefahr sich aus der Welt davon zu stehlen, indem man sich an der Praxis verhaftet zum Zwecke der Weltflucht. Bei der Zähmung des Ochsen ist es wichtig nicht zu hart und nicht zu lasch zu sein. Beide Extreme gilt es insbesondere in der Praxis der Meditation zu vermeiden. Wenn der Ochse vollständig gezähmt ist, folgt er dem Hirten, ohne Gegenwehr bei jedweder Tätigkeit. Ist dies erreicht, kann der Hirte in aller Ruhe auf dem Rücken des Ochsen heimreiten. Die Mühe des Zähmens war erfolgreich, es erfolgt der Heim Ritt auf dem Ochsen.