Erläuterung:
Mit "Den Ochsen finden" ist gemeint, das wahre universelle Selbst ganz klar zu erkennen. Die bisherige Überzeugung eines substanziellen etwas, eines ICH, EGO, einer SEELE oder wie wir es auch immer nennen mögen wird als Täuschung erkannt. Erstmals erkennen wir den Geist als jene Kraft, die es zu verstehen und zu beherrschen gilt. Dies in voller Klarheit zu sehen, bringt die Erkenntnis, dass jenes Selbst vollkommen leer ist und keinerlei Substanz besitzt und ein Ich oder Ego nie existiert hat. Diese universelle Erfahrung wird oft im Zusammenhang mit dem Hören eines Klanges, Geräusches oder einer alltäglichen Gegebenheit wie das versehentliche Verschütten einer Tasse Tee. Es gilt, diese kurze, flüchtige, aber tiefgreifende Erfahrung zu kultivieren. Sonst war es nur ein „Probieren“ des „Geschmacks der Befreiung“. Viele glauben, in diesem Stadium sei Erleuchtung realisiert. Doch war es ohne weitere Anstrengung nicht mehr als ein flüchtiger Blick darauf. So eine Erfahrung kann das Gefühl vermitteln, eine metaphysische Erfahrung gemacht zu haben und nun etwas Besonderes zu sein. Mancher beginnt mit dieser Erfahrung zu prahlen, sich aufzublähen, seine Übungspraxis zu vernachlässigen oder gar aufzugeben. Dann wäre es besser, niemals mit Zen begonnen zu haben. Wer jedoch vertrauensvoll übt, weiß zwar zu Beginn noch nicht so recht, was da vor sich geht, allmählich reift auch die Überzeugung, dass seine Übung Stabilität und Vertrauen in die Zen Praxis hervorbringt, was die Grundlage für geistige Ruhe und ein Fortschreiten der Erkenntnis bewirkt. Mit zunehmender Erfahrung und Übung, kommt der Geist immer mehr zur Ruhe. Man übt mit wachsendem Engagement und größerer Willensfestigkeit, ohne allzu leicht ins Wanken zu geraten. Der Ochse ist noch nicht gefangen, aber die Zen Praxis wird als nützlich empfunden. Dies ist die Phase, in der man die Ochsenspuren gefunden hat.